Thyssenkrupp verkauf Aufzugssparte

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Thyssenkrupp trennt sich vom Aufzugsgeschäft: Käufer sind 2 Finanzinvestoren und die RAG-Stiftung. Zudem sichern sich die Essener eine Minderheitsbeteiligung. (Foto: nitpicker / shutterstock.com)

Vor ein paar Wochen hatte ich Ihnen bereits berichtet, dass mehrere Finanzinvestoren und der finnische Mitbewerber Kone an einer Übernahme der Aufzugssparte des Stahl- und Industriekonzerns Thyssenkrupp interessiert sind. Jetzt ist eine Entscheidung gefallen.

Thyssenkrupp gab am vergangenen Donnerstag bekannt, dass es sein Aufzuggeschäft Elevator Technology für 17,2 Mrd. Euro an ein Bieterkonsortium bestehend aus den Finanzinvestoren Advent und Cinven sowie der RAG-Stiftung verkauft hat.

Minderheitsbeteiligung bleibt bei Thyssenkrupp

Ganz will sich der Essener Konzern allerdings nicht von seinen Kronjuwelen trennen. Der Montankonzern will einen Teil des Kaufpreises – konkret handelt es sich dabei um 1,25 Mrd. Euro – in eine Rückbeteiligung investieren. Damit sichert sich Thyssenkrupp eine Minderheitsbeteiligung von knapp 14 Prozent am lukrativen Aufzugsgeschäft.

Verkauf an Finanzinvestoren

Am 17. Februar hatte der finnischen Mitbewerber Kone sein auf 17 Mrd. Euro taxiertes Angebot zurückgezogen. Laut Insiderkreisen fürchteten die Finnen eine Insolvenz von Thyssenkrupp.

Kurz zuvor hatte Thyssenkrupp in einer Pressemitteilung bekannt gegeben, dass sich die Elevator-Transaktion auf der Zielgeraden befinde. Das Unternehmen verhandele noch mit zwei Konsortien bestehend aus Blackstone, Carlyle und Canadian Pension Plan Investment Board einerseits sowie Advent und Cinven auf der anderen Seite.

Einbindung der RAG-Stiftung überrascht

Den Zuschlag erhielt letztendlich das amerikanisch-britisch-deutsche Konsortium aus Advent, Cinven und der deutsche RAG-Stiftung. In der Pressemitteilung vom 17.02.2020 hatte Thyssenkrupp die RAG-Stiftung als potentiellen Käufer noch nicht genannt.

Die RAG-Stiftung hat, wie Thyssenkrupp, ihren Sitz in Essen. Beide Unternehmen haben eine große Nähe zum Bergbau: Die Stiftung kümmert sich um die Regulierung der Folgekosten des deutschen Steinkohlebergbaus; Thyssenkrupp bzw. deren Vorgängerunternehmen waren als führende Stahlproduzenten wichtige Kunden der Ruhrkohle AG.

Investoren geben Standortzusage

Die Käufer betonen in einer gemeinsamen Mitteilung, dass es sich bei der Übernahme von thyssenkrupp Elevator um ein attraktives Investment handelt und geben eine Standortzusage: „Uns ist die Tradition und Geschichte von Thyssenkrupp Elevator sehr bewusst. Das Konsortium fühlt sich dem Erhalt des Unternehmenssitzes und den starken Wurzeln des Unternehmens in Deutschland verpflichtet“, so Bernd Tönjes, Vorstandsvorsitzender der RAG-Stiftung.

„Die Beteiligung an Thyssenkrupp Elevator, von der wir uns stabile Erträge erwarten, passt ideal in das Portfolio der RAG-Stiftung. Der Erfolg eines innovativen Unternehmens mit hohen Qualitätsstandards wie Thyssenkrupp Elevator beruht auf den Mitarbeitern. Dementsprechend nehmen wir unsere Verpflichtungen als verantwortungsbewusster Investor sehr ernst“, so Tönjes weiter.

Verkaufserlös wird dringend benötigt

Der traditionsreiche Thyssenkrupp-Konzern befindet sich schon seit Jahren in der Krise. Das Unternehmen belastet ein Schuldenberg von mehr als 7 Mrd. Euro. Die Eigenkapitalquote liegt bei nur noch 5,4 Prozent. Auch die erst kürzlich veröffentlichten Geschäftszahlen waren kein Grund zur Freude.

Da kommt der Verkaufserlös von 17,2 Mrd. Euro gerade recht. Mit dem frischen Kapital wollen die Essener ihr Unternehmen entschulden und neu ausrichten, so Martina Merz, Vorstandsvorsitzende der thyssenkrupp AG:

„Mit dem Verkauf schaffen wir die Voraussetzung, Thyssenkrupp erfolgreich zu machen. Wir haben nicht nur einen sehr guten Preis erzielt, sondern werden die Transaktion auch zügig abschließen können. Wir werden Thyssenkrupp so weit wie nötig entschulden und gleichzeitig sinnvoll in die Entwicklung des Unternehmens investieren. Damit kann Thyssenkrupp wieder Fahrt aufnehmen.“

Wie es weitergeht

Der Verkauf der Aufzugssparte bedarf noch der Genehmigung durch die Aufsichtsbehörden. Der Deal soll bis Ende des laufenden Geschäftsjahres abgeschlossen werden. Ob die Essener mit dem frischen Kapital auch die angekündigte Wende schaffen und das Unternehmen wieder in Schwung bringen können, bleibt abzuwarten.

Zumindest an der Börse reagierten die Investoren positiv auf den Verkauf der Aufzugssparte: Trotz der stark angeschlagenen Marktstimmung stieg der Kurs am Donnerstag im nachbörslichen Handel um +5,8% auf 9,70 Euro und konnte sich zumindest kurzfristig erholen. Am Freitag viel der Kurs allerdings – der allgemein schlechten Stimmung folgend – deutlich ab.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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