Thyssenkrupp: Verkauf der Aufzugssparte nach Führungswechsel immer wahrscheinlicher

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Nach dem angekündigten Führungswechsel im Thyssenkrupp-Konzern ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann die lukrative Aufzugssparte thyssenkrupp Elevator Technologie verkauft wird. Die Interessenten stehen schon Schlange. (Foto: nitpicker / shutterstock.com)

Durch den anstehenden Wechsel in der Führungsetage des Thyssenkrupp-Konzerns sind die Spekulationen über den Verkauf der lukrativen Aufzugssparte Thyssenkrupp Elevator Technology wieder aktueller denn je. Es spricht alles dafür, dass die designierte neue Vorstandsvorsitzende Martina Merz den Verkauf der Kronjuwelen Thyssenkrupp Elevator vorantreiben wird. Denn der Erlös aus dem Verkauf wird für die Stabilisierung des hochverschuldeten Gesamtkonzerns dringend benötigt.

Zweigleisige Strategie nicht zielführend

Der scheidende Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff hatte zunächst einen Börsengang der Aufzugssparte favorisiert und auch einen Teilverkauf dieser lukrativen Sparte nicht gänzlich ausgeschlossen. In diesem Zusammenhang wurden im Rahmen eines Bieterwettbewerbs bereits Angebote von Übernahmeinteressenten eingeholt.

Eine klare und schnelle Strategie muss her

Da von der neuen Vorstandsvorsitzenden Merz jetzt schnelle und zielführende Maßnahmen zur Stabilisierung des Thyssenkrupp-Konzerns erwartend werden, ist ein zumindest teilweiser Verkauf der Aufzugssparte wahrscheinlich. Dieser könnte innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden und brächte dem Konzern bei einem vollständigen Verkauf bis zu 20 Mrd. EUR ein.

Auch der mit 18 Prozent am Thyssenkrupp-Konzern beteiligte Großaktionär Cevian Capital macht bereits Druck auf Frau Merz. “Wir sind zuversichtlich, dass Thyssenkrupp nun endlich eine glasklare Strategie und einen klar definierten Aktionsplan erhält”, so Lars Förberg, Gründungspartner von Cevian Capital in der Financial Times.

Investoren spekulieren auf Verkauf – Aktienkurs steigt

Die Presseberichte über den Wechsel an der Konzernspitze und die damit gestiegene Wahrscheinlichkeit des Verkaufs der Aufzugssparte haben auch den Kurs der Thyssenkrupp-Aktie beflügelt. Die Papiere stiegen gestern – ein Tag nach Bekanntwerden des Führungswechsels – bereits um knapp +2% und setzten die positive Entwicklung auch am heutigen Freitag fort.

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Zahlreiche Interessenten für Thyssenkrupp Elevator

Das Interesse an einer Übernahme der gewinnbringenden Aufzugssparte von Thyssenkrupp ist groß. Bereits Anfang September bekundete der finnische Mitbewerber Kone öffentlich sein Interesse an einer Übernahme von Thyssenkrupp Elevator Technology. „Die Aufzugssparte von Thyssen-Krupp würde perfekt zu Kone passen“, so Vorstandschef Henrik Ehrnrooth in einem Interview mit der Rheinischen Post. Auch der japanische Mitbewerber Hitachi hat laut gut informierten Kreisen bereits ein Angebot abgegeben.

Neben den Konkurrenten aus dem Aufzugssektor werden aber auch mehrere Finanzinvestoren als potentielle Übernahmekandidaten genannt. Hierzu gehören z.B. die Beteiligungsgesellschaften KKR, Blackstone und CVC. Auch ein Konsortium bestehend aus den Private-Equity-Firmen Advent und Cinven sowie der Abu Dhabi Investment Authority, dem drittgrößten Staatsfonds der Welt, sollen ihr Interesse an der Übernahme von Thyssenkrupp Elevator bereits bekundet haben.

Weitere Entwicklung

Nachdem Martina Merz – wahrscheinlich schon am kommenden Wochenende – als neue Interims-Vorstandsvorsitzende vom Aufsichtsrat bestätigt worden ist, werden die vorliegenden Angebote für Thyssenkrupp Elevator gesichtet und gefiltert. In einer zweiten Wettbewerbsrunde bekommen die Kandidaten mit den besten Angeboten Unterlagen, die ein detailliertes Profil der Thyssenkrupp Elevator Technology enthalten.

Bis Ende Oktober müssen die ausgewählten Anbieter dann ihr Angebot konkretisieren, bevor es schließlich in einer Endrunde zu Einzelverhandlungen kommen kann. Sollte es zu einem vollständigen Verkauf der Aufzugssparte kommen, ist mit erheblichem Widerstand der Arbeitnehmervertreter zu rechnen.  Diese stellen die Hälfte des Aufsichtsrats von Thyssenkrupp und können einen Verkauf erschweren oder gar verhindern.

Verkauf der Kronjuwelen ist keine Lösung

Fraglich ist auch, wie es um die Zukunft des Thyssenkrupp-Konzerns ohne seine gewinnbringende Aufzugssparte bestellt ist. Ob ein reiner Stahl-U-Boot-Konzern am Standort Deutschland wirtschaftliche Perspektiven hat, ist langfristig gesehen mehr als fraglich.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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