Thyssenkrupp verkauft Aufzugsparte

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Nun also doch: Thyssenkrupp trennt sich von seiner Aufzugsparte, der einzigen Gewinnperle. Gelingt der Umstieg zurück auf Stahl? (Foto: nitpicker / shutterstock.com)

Volles Risiko im Ruhrgebiet: Nach monatelangem Hin und Her hat sich Thyssenkrupp nun dazu durchgerungen, seine Aufzugsparte zu verkaufen.

Thyssenkrupp Elevator geht für 17,2 Milliarden Euro an ein Finanzkonsortium, an dem die Investoren Advent und Cinven sowie die Essener RAG-Stiftung beteiligt sind. Die zuständigen Kartellbehörden müssen dem Vorhaben noch zustimmen, diesbezüglich werden allerdings keine unüberwindbaren Hürden erwartet.

Verkauf der Aufzugsparte: Drastischer Einschnitt

Für Thyssenkrupp ist der Verkauf ein tiefer Einschnitt. Das Unternehmen trennt sich von seinem Tafelsilber. Die Aufzugsparte war seit geraumer Zeit die einzige, die noch zuverlässig Gewinne in die Kassen spülte. Mit rund 53.000 Beschäftigten weltweit macht sie zudem etwa ein Drittel der Belegschaft aus. Der Konzern wird ohne diesen Bereich also insgesamt deutlich kleiner.

Im Gegensatz zur boomenden Aufzugsparte schreibt das Stahlgeschäft seit Jahren rote Zahlen und hat wesentlich dazu beigetragen, Thyssenkrupp in jene Schieflage zu manövrieren, die den Konzern nun zu diesen drastischen Maßnahmen zwingt. Das Unternehmen kämpft mit Nettofinanzschulden von mittlerweile 7 Milliarden Euro. Hinzu kommen Pensionsverpflichtungen, die sogar noch höher ausfallen.

Thyssenkrupp vor radikaler Rosskur

Die gut 17 Milliarden Euro, die der Verkauf der Aufzugsparte nun in die Kassen spült, kann der Konzern also gut gebrauchen, um sich von Altlasten zu befreien und die eigenen Finanzen zu sanieren. Zudem sollen 1,25 Milliarden Euro reinvestiert werden – in Anteile an der verkauften Aufzugsparte.

Doch das allein dürfte kaum reichen, um den einst stolzen Stahlgiganten wieder in glorreiche Zeiten zurückzuführen. Viel entscheidender wird das sein, was danach kommt. Tatsächlich soll ausgerechnet das Stahlgeschäft wieder zum Kerngeschäft von Thyssenkrupp werden, man besinnt sich im Ruhrgebiet also zurück auf die eigenen Wurzeln.

Existenzielle Weichenstellung

Die Sparte ist allerdings dermaßen angeschlagen, dass es einige Anstrengung und vor allem auch Zeit beanspruchen wird, um den Bereich wieder auf Vordermann zu bringen. Davon, ob und wie gut diese Transformation gelingt, wird die Zukunft des Konzerns abhängen – nicht nur im Hinblick auf den finanziellen Erfolg, sondern womöglich auch hinsichtlich seiner langfristigen Existenz.

Thyssenkrupp stellt gerade die Weichen für die Zukunft. Es ist ein riskantes Unterfangen, ausgerechnet die einzige Cash Cow zu verkaufen – doch der Schritt zeigt, wie sehr das Unternehmen inzwischen mit dem Rücken zur Wand steht.

Thyssenkrupp Aktie schwer angeschlagen

Anleger spüren den Druck – und verkaufen die Thyssenkrupp Aktie massenhaft. Allein innerhalb einer Woche hat der Kurs um rund 13 Prozentpunkte nachgegeben, auf Monatssicht beläuft sich das Minus auf satte 22 Prozent und innerhalb eines Jahres hat die Aktie mehr als ein Drittel an Wert verloren.

Das derzeit düstere Marktumfeld trägt sicherlich einen guten Teil zum beschleunigten Absturz der Aktie bei. Doch das kann nicht hinwegtäuschen über die hausgemachten Probleme, mit denen Thyssenkrupp bereits seit Jahren zu kämpfen hat.

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Thyssenkrupp: Verkauf der Aufzugssparte nach Führungswechsel immer wahrscheinlicherNach dem angekündigten Führungswechsel im Thyssenkrupp-Konzern ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann die lukrative Aufzugssparte thyssenkrupp Elevator Technologie verkauft wird. Die Interessenten stehen schon Schlange. › mehr lesen


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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