Tiffany: Milliardenübernahme droht zu platzen

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Tiffany-Deal droht auf der Zielgerade zu scheitern: Edel-Juwelier will Übernahme gerichtlich erzwingen. Anleger fliehen aus der Aktie (Foto: andersphoto / Shutterstock.com)

Ursprünglich sollte der Deal längst in trockenen Tüchern sein: Für 16,2 Milliarden Dollar wollte der französische Luxuskonzern LVMH den durch den Filmklassiker „Frühstück bei Tiffany“ bekannt gewordenen Schmuckhersteller schlucken. Zwischenzeitlich wurde sogar das Übernahmeangebot um 15 Dollar auf 135 Dollar je Aktie nach oben geschraubt. Doch nun droht die Übernahme auf unschöne Art zu platzen. LVMH zögert und will die Übernahme ins nächste Jahr verschieben.

Die Anleger zeigten sich enttäuscht und scheinen den Glauben an einen Deal so langsam zu verlieren. Nach einem deutlichen Kursrutsch notiert die Aktie mit 115 Dollar inzwischen 14% unter dem Niveau der Kaufofferte.

Wer hinter LVMH steckt

LVMH Moet Hennessy Louis Vuitton ist ein global agierender Luxusgüter-Konzern. Das Portfolio des Unternehmens besteht aus mehr als 60 Prestige-Marken aus den Bereichen Wein & Spirituosen, Mode & Lederwaren, Parfüm & Kosmetik sowie Uhren & Schmuck, die weltweit in eigenen Geschäften vertrieben werden. Dazu zählen neben Louis Vuitton und Moet Hennessy unter anderem auch Bulgari, Givenchy, Kenzo, Dior, Fendi, benefit, Donna Karan, Tag Heuer, Ebel oder auch Dom Perignon und Hermès. 2013 wurde das Portfolio zudem um den italienischen Kaschmirspezialisten Loro Piana erweitert. Darüber hinaus ist das Unternehmen als Kunstauktionator und im Verlagswesen tätig.

In den zurückliegenden Jahren lief es für den Konzern ausgesprochen gut. In den vergangenen 10 Jahren legten die Umsätze um mehr als das Dreifache auf zuletzt 53,65 Milliarden Euro zu. Zugleich wirtschaften die Franzosen hochprofitabel. In 2019 stand ein Gewinn von 7,17 Milliarden Euro in den Büchern, was einer Gewinnspanne von 13,37% entspricht. Der Börsenwert des Luxusriesen liegt derzeit bei rund 200 Milliarden Euro.

Größter Zukauf der Konzerngeschichte

Für die Franzosen wäre es die größte Akquisition seit der Konzerngründung 1987. Zuletzt hatte das Unternehmen für die restlichen Anteile von Christian Dior in 2017 die stolze Summe von 7 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt. Jetzt bietet der Konzern 135 Dollar je Tiffany-Aktie, was einem Firmenwert von 16,2 Milliarden Dollar entspricht. Ein stolzer Preis: Immerhin entspricht die Offerte beinahe dem 3,7-Fachen Jahresumsatz und dem 30-Fachen des letztjährigen Jahresgewinns.

Ergänzen würden sich die beiden Firmen hingegen vor allem von der regionalen Aufstellung hervorragend. Der Juwelier machte zuletzt 44 % seines Umsatzes in Amerika. Der Luxusgüterriese kam hingegen nur auf einen Umsatzanteil von 24% in den USA, möchte dort aber stärker wachsen. Zudem ist Schmuck eines der wenigen Segmente im Luxusbereich, in dem LVMH nicht führend ist. Zusammen mit Tiffany und Bulgari würde der Konzern zu einem ernstzunehmenden Player im Schmuckgeschäft werden, auch wenn Richemont mit Cartier die weltweit bekannteste Marke hat.

LVMH zögert Deal hinaus

​Doch nun wird es skurril: Nach einer Reihe von Ereignissen, die sich nachteilig auf die Transaktion auswirken könnten, hat der LVMH-Verwaltungsrat erneut über das Vorhaben beraten. Angesichts von den USA angedrohten Strafzöllen auf französische Produkte wurde dem Konzern von Ministerium für europäische und auswärtige Angelegenheiten empfohlen, die Akquisition des amerikanischen Juweliers auf nach dem 6. Januar 2021 verschieben. Zudem hätte auch Tiffany selbst um einen Aufschub bis zum 31. Dezember 2020 gebeten.

Die Antwort des US-Juweliers ließ nicht lange auf sich warten. Tiffany will gerichtlich gegen LVMH vorgehen und die Transaktion erzwingen. Der Konzern wirft dem französischen Luxuskonzern vor, sich bei den kartellrechtlichen Genehmigungen zu viel Zeit zu lassen. Zudem würde der Konzern die aktuell schwierige Situation nutzen, um den Preis zu drücken.

Beschuldigungen ohne Ende

Tiffany selbst zeigt sich empört und hat angeblich nie versucht, den Preis oder die Bedingungen der geplanten Übernahme neu zu verhandeln. Fakt ist, dass der Deal durch die Corona-Krise spürbar teurer geworden ist. Im ersten Halbjahr schrumpften die Erlöse um 29% auf 747 Millionen Dollar zusammen. Parallel ging der Nettogewinn sogar um 77% auf 31,9 Millionen Euro zurück. Insofern nicht ganz abwegig, dass über eine Anpassung des Kaufpreises spekuliert wird.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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