Tiffany-Übernahme auf der Kippe

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Tiffany: Luxus-Gigant stellt Übernahme der traditionsreichen Juwelierkette wegen der Corona-Krise in Frage. Tiffany-Aktie rauscht in den Keller. (Foto: andersphoto / Shutterstock.com)

Rasant abwärts ging es zuletzt mit dem Kurs der Aktie des Edel-Juweliers Tiffany. Dabei schien eigentlich längst alles unter Dach und Fach zu sein:  Für 16,2 Milliarden Dollar wollte der französische Luxuskonzern LVMH den durch den Filmklassiker „Frühstück bei Tiffany“ bekannt gewordenen Schmuckhersteller schlucken. Zwischenzeitlich wurde sogar das Übernahmeangebot um 15 Dollar auf 135 Dollar je Aktie nach oben geschraubt. Doch inzwischen kommen Zweifel auf, ob der Deal überhaupt über die Bühne geht. Wie das renommierte Wall Street Journal berichtet, bringen die Corona-Pandemie und die eklatanten sozialen Unruhen die Transaktion in Gefahr.

Die Papiere von Tiffany reagierten prompt auf die Nachricht und rauschten auf unter 114 Dollar in den Keller. Damit notiert die Aktie deutlich unter dem Niveau Übernahmeofferte.

Wer hinter LVMH steckt

LVMH Moet Hennessy Louis Vuitton ist ein global agierender Luxusgüter-Konzern. Das Portfolio des Unternehmens besteht aus mehr als 60 Prestige-Marken aus den Bereichen Wein & Spirituosen, Mode & Lederwaren, Parfüm & Kosmetik sowie Uhren & Schmuck, die weltweit in eigenen Geschäften vertrieben werden. Dazu zählen neben Louis Vuitton und Moet Hennessy unter anderem auch Bulgari, Givenchy, Kenzo, Dior, Fendi, benefit, Donna Karan, Tag Heuer, Ebel oder auch Dom Perignon und Hermès. 2013 wurde das Portfolio zudem um den italienischen Kaschmirspezialisten Loro Piana erweitert. Darüber hinaus ist das Unternehmen als Kunstauktionator und im Verlagswesen tätig.

In den zurückliegenden Jahren lief es für den Konzern ausgesprochen gut. In den vergangenen 10 Jahren legten die Umsätze um mehr als das Dreifache auf zuletzt 53,65 Milliarden Euro zu. Zugleich wirtschaften die Franzosen hochprofitabel. In 2019 stand ein Gewinn von 7,17 Milliarden Euro in den Büchern, was einer Gewinnspanne von 13,37% entspricht. Der Börsenwert des Luxusriesen liegt derzeit bei rund 200 Milliarden Euro.

Größter Zukauf der Konzerngeschichte

Für die Franzosen wäre es die größte Akquisition seit der Konzerngründung 1987. Zuletzt hatte das Unternehmen für die restlichen Anteile von Christian Dior in 2017 die stolze Summe von 7 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt. Jetzt bietet der Konzern 135 Dollar je Tiffany-Aktie, was einem Firmenwert von 16,2 Milliarden Dollar entspricht. Ein stolzer Preis: Immerhin entspricht die Offerte beinahe dem 3,7-Fachen Jahresumsatz und dem 30-Fachen des letztjährigen Jahresgewinns.

US-Geschäft könnte durch Deal deutlich gestärkt werden

Ergänzen würden sich die beiden Firmen hingegen vor allem von der regionalen Aufstellung hervorragend. Der Juwelier machte zuletzt 44 % seines Umsatzes in Amerika. Der Luxusgüterriese kam hingegen nur auf einen Umsatzanteil von 24% in den USA, möchte dort aber stärker wachsen. Zudem ist Schmuck eines der wenigen Segmente im Luxusbereich, in dem LVMH nicht führend ist. Zusammen mit Tiffany und Bulgari würde der Konzern zu einem ernstzunehmenden Player im Schmuckgeschäft werden, auch wenn Richemont mit Cartier die weltweit bekannteste Marke hat.

Coronavirus könnte Übernahme zum Scheitern bringen

Laut Medieninformationen steht der Deal nun aber auf der Kippe. Der LVMH-Vorstand ist offenbar besorgt über die Ladenschließungen im Zuge der Coronavirus-Pandemie, dem Zusammenbruch des Tourismus und den sozialen Unruhen in den USA. Zudem bestehen Zweifel, ob Tiffany seinen Schuldenauflagen nachkommen kann. Die Franzosen machten zudem klar, dass sie keine Tiffany-Aktien über den Markt kaufen werden. Damit hätten sie die Möglichkeit gehabt, das Unternehmen zu einem günstigeren Preis zu erwerben.

Was genau die Ziele von LVMH sind, ist derzeit ungewiss. Die Bedingungen der Tiffany-Übernahme wurden vereinbart, lange bevor die Covid-19-Krise China und dann Nordamerika traf, beides Schlüsselmärkte für den Juwelier. Es könnte also gut sein, dass der Luxus-Gigant die aktuelle Situation nutzt, um eine Nachbesserung beim Kaufpreis durchzusetzen.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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