TikTok-Deal: Trump stimmt Teilübernahme zu

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Oracle und Walmart wollen das chinesische Videoportal TikTok in Teilen übernehmen und zu einem amerikanischen Unternehmen machen. Diesem Übernahmevorhaben hat der US-Präsident am Wochenende seinen Segen erteilt. (Foto: josefkubes / shutterstock.com)

Nach langem Hin und Her scheint jetzt eine Lösung für die teilweise Übernahme des chinesischen Videoclip-Portals TikTok durch US-amerikanische Unternehmen gefunden zu sein. US-Präsident Donald Trump hat am Samstag einem Konzept zugestimmt, nachdem der US-Technologie-Konzern Oracle und der Handelsriese Walmart jeweils Teile von TikTok übernehmen werden.

Im Weißen Haus sagte Trump zu Journalisten: „Ich habe dem Deal meinen Segen gegeben. Wenn sie es hinbekommen, ist das toll, wenn nicht, ist das auch gut.“

TikTok-Verbot in den USA vorerst aufgehoben

Das OK aus dem Weißen Haus kam gerade rechtzeitig, um ein Verbot der chinesischen App zu verhindern. Laut zweier von Trump unterschriebenen Verordnungen hätte die TikTok-App aufgrund von Datensicherheitsbedenken ab Sonntag nicht mehr in den App-Stores von Apple und Google zum Download angeboten werden dürfen. Ab dem 12. November wäre dann auch die Nutzung der Video-App in den USA verboten worden.

Allerdings ist noch lange nicht klar, ob der geplante Übernahmedeal auch wirklich zustande kommt. Dies hat der oft launisch agierende US-Präsident bereits in seiner bereits zitierten Aussage vor Journalisten angedeutet. Außerdem muss noch die chinesische Regierung, die sich ja seit längerem in einem Handelsstreit mit den USA befindet, dem möglichen Deal zustimmen.

Beteiligte Firmen freuen sich über die Zustimmung

Sowohl die an dem Übernahmedeal beteiligten US-Firmen Oracle und Walmart als auch die chinesische Beijing Bytedance Technology Ltd. (kurz: Bytedance) als Betreiberin der TikTok-Plattform haben sich positiv zur grundsätzlichen Zustimmung des US-Präsidenten geäußert.

In ihren Mitteilungen gaben die Unternehmen und der US-Präsident einige Details zu den Übernahmeplänen bekannt. Trump betonte, dass im US-Bundesstaat Texas eine neue, unabhängige TikTok-Gesellschaft gegründet werde: „Es wird eine ganz neue Firma sein. Sie wird nichts mit China zu tun haben.“

Einige Details zum Übernahmedeal

Oracle CEO Safra Catz gab bekannt, dass Oracle als Technologiepartner des Übernahmedeals fungieren und TikTok zukünftige in der Oracle Cloud laufen wird. Oracle werde eine Minderheitsbeteiligung an der neu zu gründenden TikTok Global in Höhe von 12,5% erwerben. Über den konkreten Gegenwert dieser Minderheitsbeteiligung in US-Dollar (USD) machte das Unternehmen keine Angaben.

Walmart teilte mit, dass es 7,5% der Anteile der neuen TikTok Global halten werde. Der Einzelhandelskonzern wird als Handelspartner im Deal agieren und sein Vertriebs-Know-How in das neue Unternehmen einbringen. Darüber hinaus wird Walmart auch seine Produkte über die Videoplattform bewerben.

TikTok Global soll mehr als 25.000 neue Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten schaffen und im republikanisch dominierten Texas ansässig sein. Es wird damit gerechnet, dass TikTok Global 5 Mrd. USD an das US-Finanzministerium zahlen wird.

Die TikTok-Videoplattform soll auch dazu genutzt werden, um das E-Learning in den USA voranzubringen. So ist geplant, dass TikTok Global eine Bildungsinitiative ins Leben ruft, über die Kinder in den USA in diversen Fächern online unterrichtet werden sollen.

Börsengang geplant

Zu guter Letzt teilten Oracle und Walmart in ihrer gemeinsamen Presseerklärung mit, dass das TikTok Global in weniger als 12 Monaten an die Börse gebracht werden soll. Durch diesen Börsengang werde der US-Besitz von TikTok Global weiter zunehmen und mit der Zeit auch weiter ansteigen.

Fraglich sind vor allem die Art und Weise, wie der mögliche Deal zustande gekommen ist. Trump erklärte die von der chinesischen Bytedance betriebene Videoplattform TikTok zu einem Sicherheitsrisiko. Der chinesische Staat könne über die TikTok-App Daten von US-Amerikanern ausspionieren, so die Argumentation des amerikanischen Präsidenten.

Auf der anderen Seite gelten gerade die führenden amerikanischen Internet-Plattformen wie facebook, Snapchat und Twitter als Datenkraken, die wenig Rücksicht auf Datenschutz legen. Würden sich jetzt andere Staaten gegen diese US-Plattformen auflehnen und Restriktionen fordern, könnte es zu einer internationalen Eskalation kommen.

Noch ist offen, ob der Übernahmedeal tatsächlich realisiert werden kann. Bytedance hat heute in einer Erklärung deutlich gemacht, dass es sich bei der geplanten TikTok Global um ein Tochterunternehmen des chinesischen Konzerns handele. Schließlich werde Bytedance 80% der Anteile dieses amerikanischen Ablegers halten. Unklar ist auch noch, ob die chinesische Regierung dem geplanten Deal zustimmen wird.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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