Tiktok-Poker geht in die nächste Runde

Oracle Logo RED_shutterstock_439056304_josefkubes

Tiktok: Bieterkreis um populäre chinesische Video-App Tiktok wird größer. Nun auch SAP-Rivale Oracle als möglicher Käufer im Gespräch (Foto: josefkubes / shutterstock.com)

Der Krimi um die populäre und heftig umstrittene chinesische Video-App Tiktok geht in die nächste Runde. Nach Microsoft und Twitter bringen Gerüchte nun auch den Datenbankspezialisten Oracle als möglichen Bieter ins Gespräch. Wer auch immer am Ende den Zuschlag bekommt, eines ist sicher: Günstig wird die Übernahme auf keinen Fall. Medienberichten zufolge könnte der Kaufpreis bei 50 Milliarden Dollar liegen.

Hintergründe zu Tiktok

Was einige vielleicht gar nicht wissen: Tiktok stammt ursprünglich sogar aus den USA und wurde dort unter dem Namen Musical.ly zunächst sehr populär. Ende 2017 wurde die Anwendung dann von dem chinesischen Unternehmen Bytedance für angeblich 800 Millionen Dollar übernommen. Die Erfolgsgeschichte setzte sich anschließend fort: Tiktok ist die App mit der am schnellsten wachsenden Nutzerbasis der Welt.

Mit der TikTok-App können Benutzer Musikclips ansehen sowie kurze Clips aufnehmen und bearbeiten, unter anderem durch das Hinzufügen von Spezialeffekten und Filtern. Zum Erstellen eines eigenen Videos wird zunächst eine Hintergrundmusik oder Tonaufnahme ausgewählt, danach erfolgt die Aufnahme mit der Handy-Kamera bzw. die Wahl eines vorher aufgenommenen Videos. Innerhalb des vorgegebenen Zeitraumes von maximal 60 Sekunden kann ein zur gewählten Audiospur passender Videoclip erstellt bzw. ausgewählt werden, der meist aus Karaoke- bzw. Playback-Singen, Tanzen oder Schauspielern zur Audiospur besteht. Die Länge des Videos richtet sich auch nach der Länge der genutzten Audiospur.

800 Millionen monatliche Nutzer

Die Verbreitung der App bekam durch Corona nochmals kräftigen Rückenwind. Inzwischen zählt Tiktok über 800 Millionen monatliche aktive Nutzer. Ungefähr 10% der Nutzer stammen aus den USA. Dabei ruft die App immer wieder Kritiker auf den Plan. Das Unternehmen gilt aufgrund von Bedenken hinsichtlich Daten- und Jugendschutz sowie Spionage und Zensur zugunsten der chinesischen Regierung als umstritten.

Trumps setzt Bytedance Pistole auf die Brust…

Diesen Verdacht nutzte jetzt der US-Präsident Donald Trump, um die App als Risiko für die nationale Sicherheit einzustufen. Aber damit nicht genug: Trump ordnete am vergangenen Wochenende an, dass Bytedance (Tiktoks Muttergesellschaft) sich binnen drei Monaten von allen Daten von Nutzern in den Vereinigten Staaten trennen müsse. Auch dürfe Bytedance in den USA danach kein Eigentum mehr besitzen, das für den Betrieb von Tiktok genutzt werde. Die Frist kann einmal um bis zu 30 Tage verlängert werden.

….und fordert Tech-Giganten heraus

Anfang August hatte Microsoft öffentlich bekanntgegeben, Gespräche über den Kauf von Tiktok in den USA, Kanada, Australien- und Neuseeland zu führen. Microsoft würde auch Tiktok in Europa und Indien übernehmen wollen. Zeitweilig war auch der Kurznachrichtendienst Twitter als möglicher Käufer im Gespräch, allerdings dürfte der enorme Kaufpreis für den Konzern kaum zu stemmen sein.

Nun kommt weitere Bewegung ins Spiel: Laut Medienberichten ist auch der Datenbankriese Oracle in Gesprächen mit Bytecance. Offenbar arbeitet der Konzern mit Bytedance-Investoren wie Sequoia Capital und General Atlantic zusammen.

Anleger rätseln über Deal-Logik

Während die Gerüchteküche brodelt, rätseln Experten über die strategischen Hintergründe eines möglichen Deals. Auf den ersten Blick erscheint eine Übernahme nicht offensichtlich. Immerhin ist Oracle mit seiner Software bislang auf Unternehmen fokussiert. Der Konzern ist einer der Marktführer bei Datenbanken und ein direkter Rivale von SAP. Zudem versucht sich Oracle im Bereich mit Lösungen zur Cloud-Infrastruktur stärker zu positionieren.

Allerdings gibt es einen Teilbereich, in dem es möglicherweise Synergien geben könnte. Oracle hat mit der Tochterfirma Bluekai eine Gesellschaft im Portfolio, die zu den größten Sammlern von Nutzerdaten im Internet gilt. Zudem gilt Firmenboss Larry Ellison aus starker Trump-Anhänger. Ob das allerdings ausreicht, den milliardenschweren Deal voranzutreiben, wird sich erst noch zeigen müssen.

Stadt Wirtschaft Kurse – newroadboy_ -shutterstock_438078676

Datenbank-Disruptor MongoDB: Die neue Oracle?MongoDB hat Wettbewerbsvorteil im Datenbank-Geschäft: Geschwindigkeit – und seit Jahren hohes zweistelliges Umsatzwachstum. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Tobias Schöneich. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz