Time Warner Cable-Übernahme: Super-Angebot dank Altice

Manchmal geht es im Übernahme-Geschäft schneller als Sie denken. Noch am vergangenen Donnerstag und Freitag hat Ihnen der Übernahme-Sensor davon berichtet, dass der US-amerikanische Kabelnetzbetreiber Time Warner Cable (TWC) von 2 Unternehmen umworben wird und schon heute gibt der Übernahme-Kandidat einen einvernehmlichen Deal bekannt.

Den Zuschlag erhielt Charter Communications. Der kleinere Konkurrent des zweitgrößten Kabelnetzbetreibers legt für TWC 55 Mrd. Dollar auf den Tisch. Das Angebot ist knapp 10% höher als vom Markt erwartet wurde.

Charter drückt aufs Tempo und lockt mit unerwartet hoher Offerte

Dass Charter Communications sich großzügiger als erwartet zeigte, ist alleine dem Luxemburger Telekom-Konzern Altice zu verdanken. Nachdem der Konzern in der vergangenen Woche die Übernahme von Suddenlink bekannt gab, sickerte auch ein Interesse an TWC durch. Insidern zufolge traf sich der Großaktionär sogar bereits mit der Führungsriege.

Für Charter Communications natürlich höchst unschön. Nachdem der Kabelnetzbetreiber bereits im Vorjahr gegen Comcast im Bieterwettstreit unterlag, wollte der Konzern auf keinen Fall eine neue Niederlage kassieren.

Deswegen machte Charter über Pfingsten Druck und legte das großzügige Angebot vor. Für Altice ging das ganze offenbar zu schnell. Wichtige Ergebnisse der TWC-Buchprüfung fehlten offenbar, vielleicht fehlte auch eine Deal-Finanzierungung, um zumindest eine schnelle Entscheidung zu verhindern.

Jetzt ist die Tinte trocken und wenn auch noch die Wettbewerbsbehörden ihren Segen geben, wird der Deal wie vereinbart stattfinden. Anders als bei dem Comcast-/TWC-Deal wird dieses Mal mit keinen größeren Problemen gerechnet.

Vorherige Äußerungen der Wettbewerbsbehörden lassen auf eine Genehmigung ohne großen Widerstand schließen.

Charter zukünftig fast mit Platzhirsch Comcast auf Augenöhe

Charter Communications erklärte im Zuge des Deals, dass auch die schwebende Übernahme des Konkurrenten Bright House im Volumen von rund 10 Mrd. $ weiterverfolgt wird.

Nach den beiden Deals vervierfacht sich die Anzahl der Charter-Kunden auf 24 Millionen. Damit liegt der Konzern nur noch 3 Mio. Kunden unter Branchenprimus Comcast.

Das neue Unternehmen wird New Charter heißen und vom amtierenden Charter Chef Tom Rutledge geleitet werden.

Der Markt steckt sowohl in Europa als auch in den USA seit mehreren Jahren in einer umfassenden Konsolidierungsphase. Über Größe und über den Ausbau der Angebotspalette wollen die Konzerne die Wettbewerbsfähigkeit verbessern.

Aktionäre des Übernahme-Kandidaten mit schnellen 25% Gewinn

Die großen Gewinner des Deals sind die Aktionäre des Übernahme-Kandidaten. Charter bietet für eine TWC-Aktie 100 $ Cash und 0,5409 eigene Aktien. Basierend auf den Freitagsschlusskurs hat die Offerte einen Wert von 195,71 $.

Noch vor 2 Wochen konnte die Aktie zu 155 $ gekauft werden. Wer die Aktie ins Depot holte, wird sie mit gut 25% Gewinn weiterreichen können.

Und die Charter Communications-Aktionäre? Die sind trotz des unerwartet hohen Preises verhalten optimistisch. Die Aktie notiert aktuell im schwachen Marktumfeld leicht im Plus. In den kommenden Tagen wird sich voraussichtlich klarer abzeichnen, wie der Deal einzuordnen ist.

26. Mai 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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