Time Warner-Fusion mit AOL: Der größte M&A-Flop aller Zeiten

Das Übernahme-Geschäft bietet Privat-Anlegern große Chancen.

Kommt es zu einem Deal, muss der Bieter es den Aktionären des Übernahme-Kandidaten schmackhaft machen, seine Anteile abzugeben.

Das geht nur über den Preis. Im Schnitt liegt daher ein Übernahme-Angebot rund 30% über dem Kurs vor Aufkommen entsprechender Gerüchte.

Nach oben hin ist das Fenster allerdings auch deutlich größer. So kann eine Übernahme-Prämie im Technologie- oder Biotech-Bereich auch schon einmal 3-stellig ausfallen.

Während für die Aktionäre des Übernahme-Kandidaten mit der Überweisung des Kaufpreises häufig die Investition endet, beginnt sie erst für die Aktionäre des Bieters.

Viel wird dabei versprochen. Kosten-Einsparungen und neue Wachstums-Chancen, die den Aktionären die Taschen füllen werden.

Leider kann ein Unternehmen nicht immer das Versprochene einhalten – und gerade bei Übernahmen in der Hochkonjunktur droht Flop-Gefahr.

Während es den Aktionären des Übernahme-Kandidaten egal sein kann, ob sich ein Deal auszahlt oder nicht (diese haben ja schon ihr Geld), nimmt das Risiko einer Übernahme für die Aktionäre des Käufers also zu.

Chrysler-Flop: Daimler-Aktionäre nach 30 Jahren ohne Kursgewinn

Wie viel Geld dabei vernichtet werden kann, zeigen verschiedene gescheiterte Ehen.

Die Chrysler-Übernahme durch Daimler Benz im Jahr 1998 im Volumen von 36 Mrd. Dollar ist dabei ebenso zu erwähnen wie der selbstzerstörerische Pfleiderer-Expansionskurs 2007.

Der mündete letztendlich in der Insolvenz.

Beides waren gut gemeinte Ideen, aber am Ende ein sehr teures Desaster – auch für die Aktionäre:

Wer kurz nach der Chrysler-Übernahme Daimler-Aktien kaufte, hat mit der Investition – von Dividenden abgesehen – nach 30 Jahren nichts verdient.

Bei dem großen Daimler-Rivalen BMW konnte selbst unter ungünstigsten Voraussetzungen der Einsatz wenigstens verdoppelt werden.

Gleiches gilt für die VW-Aktionäre, obwohl die Aktie vom Hoch bei 250 € gut 40% zurückgekommen ist.

AOL-Time-Warner-Fusion vernichtet 270 Mrd. Dollar Börsenwert

Absolut betrachtet stellt jedoch ein Deal alle anderen Übernahme-Flops in den Schatten. Dieser Katastrophen-Deal dürfte auch nur sehr schwer zu toppen sein.

Denn die unglaubliche Summe von 270 Mrd. Dollar (Die Zahl schwankt je nach Berechnung) wurde bei der Fusion von AOL und Time Warner vernichtet.

Quasi zum Höhepunkt der Dotcom-Blase gaben am 10.01.2000 die beiden Firmen ihren Zusammenschluss bekannt.

Der bis dahin größte Deal der Wirtschafts-Geschichte wurde von Investoren und Analysten frenetisch gefeiert.

Verizon besiegelt AOL-Time-Warner-Scheidung für „mickrige“ 4,4 Mrd. Dollar

Doch die Freude hielt sich nicht lange:

  • Mit dem Platzen der Dotcom-Blase schwand auch die Euphorie über den Deal und die Aktie rauschte in den Keller.
  • Von den in Aussicht gestellten Synergien wurde nur ein kleiner Bruchteil gehoben.
  • Die vom Time Warner-Chef versprochenen „grenzenlosen Chancen“ entpuppten sich als ein grenzenloses Desaster.

Bereits 2002 musste eine Abschreibung von 99 Mrd. Dollar vorgenommen werden, und in der Folge kam es dann noch immer schlimmer:

AOLs Geschäftsmodell geriet aufs Abstellgleis und die Konkurrenz überrundete den Internet-Dino mühelos.

2015 kam die Scheidung. AOL – im Jahr 2000 noch mit mehr als 160 Mrd. Dollar bewertet – ging für 4,4 Mrd. Dollar an Verizon.

Noch heute ist der Börsenwert meilenweit von dem 2000er-Wert bei rund 350 Mrd. Dollar entfernt.

Time Warner bringt zwar immer noch 77 Mrd. Dollar auf die Waage, doch bis zum Hoch fehlen stolze 273 Mrd. Dollar.

Wie Sie vom Übernahme-Geschäft profitieren? Setzen Sie auf das Ziel – nicht auf den Bieter

Natürlich sind solche Milliarden-Gräber weniger wahrscheinlich als eine lohnende Übernahme oder Fusion.

Doch wer auf Nummer sicher gehen will, positioniert sich nicht beim Bieter, sondern beim Übernahme-Kandidaten.

Denn dann geht im Falle eines Deals das Risiko auf den Käufer über und der Aktionär des Übernahme-Kandidaten kommt in den Genuss der Prämie auf den Aktienkurs.

26. Oktober 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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