Tipp: So kaufen Sie Aktien mit Rabatt

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„Aktienkauf mit Rabatt“, ein Tipp von unserem Optionen-Profi Rainer Heißmann, der bares Geld wert ist. (Foto: eyeofpaul/AdobeStock)

Eine Aktie kostet 70 Euro; Sie können exakt dieselbe Aktie aber auch für 67 Euro kaufen. Welche nehmen Sie? Eine unsinnige Frage? Nun:

Ich schätze, dass 99% aller Aktionäre die Aktie für 70 Euro kauft. Einfacher Grund: Sie kennen den Aktienkauf mit Rabatt nicht.

Aktienkauf mit Rabatt: So geht’s

Sie wollen 100 Aktien kaufen. Wenn die Aktie zum Beispiel 70 Euro kostet, bezahlen Sie für 100 Aktien 7.000 Euro. Das geht besser und billiger. So kaufen Sie diese 100 Aktien mit Rabatt:

Verkaufen Sie einen Kontrakt mit 100 Put-Optionen auf diese Aktie mit dem Basispreis 70 Euro und einer Laufzeit von rund 3 bis 8 Wochen. Sie verkaufen damit Optionen, die Sie nicht im Depot haben und eröffnen damit ein Stillhalter-Geschäft. Das ist mit weniger Risiko verbunden, als wenn Sie 100 Aktien kaufen.

Je nach Aktie und Put-Optionen bekommen Sie für diesen Kontrakt mit 100 Put-Optionen beispielsweise 300 Euro. Nach dem Verkauf der Put-Optionen sind Sie Stillhalter und warten ab.

Fällt die Aktie im Kurs, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Put-Optionen ausgeübt werden. Das heißt, Sie müssen die Aktien für 70 Euro pro Aktie kaufen. Das wollten Sie ja sowieso.

Sie bezahlen also 7.000 Euro für 100 Aktien. Sie haben aber 300 Euro durch den verkauften Kontrakt Put-Optionen eingenommen. Ihre Gesamtinvestition liegt bei 6.700 Euro statt 7.000 Euro beim Direktkauf von Aktien. Das ist der Aktienkauf mit Rabatt.

Bleibt die Aktie bei dem Kurs von 70 Euro oder der steigt etwas höher, werden die Put-Optionen nicht ausgeübt. Die 300 Euro sind zu 100% Ihr Gewinn. Sie lassen diese Put-Optionen verfallen und realisieren damit einen Gewinn von 300 Euro, entsprechend 100% der vereinnahmten Prämie.

Anschließend verkaufen Sie erneut Put-Optionen auf diese Aktie und starten „das Spiel“ von vorne. Auf diese Weise nehmen Sie immer wieder Geld durch verkaufte Put-Optionen ein, solange, bis Sie den Aktienkauf mit Rabatt umgesetzt haben.

Der Hintergrund für den Aktienkauf mit Rabatt

Beim Verkauf von Put-Optionen zur Trade-Eröffnung als Stillhalter haben Sie die Verpflichtung, Aktien zum Basispreis der Put-Optionen zu kaufen.

Das sind Stillhalter-Geschäfte

Optionen bieten eine Besonderheit. Sie können diese verkaufen, auch wenn sie die Optionen nicht im Depot halten. Sie sind dann Stillhalter der Option. Im fiktiven Depot / Konto eines Stillhalters sieht es dann zum Beispiel so aus:

10.000 Euro = Saldo des Kontos zum Start

Der Stillhalter verkauft einen Kontrakt Optionen, den er nicht im Bestand hat. Sagen wir, der Kontrakt kostet 300 Euro. Der Stillhalter nimmt diese 300 Euro ein.

+ 300 Euro = Buchung im Konto

10. 300 Euro = Saldo des Kontos nach Verkauf der Optionen

Im Depot sieht der Stillhalter danach den „Bestand“: minus 1 Kontrakt Optionen. Der Anleger hat die Option verkauft und dafür Geld erhalten. Dadurch ist er zum Stillhalter geworden.

Stillhalter-Geschäfte sind nur mit Optionen möglich

Stillhalter-Geschäfte sind nur mit Optionen möglich. Mit Optionsscheinen, CFDs, Zertifikaten und allen anderen Emittenten-Produkten können Sie diese Strategie nicht umsetzen. Die Emittenten dieser Papiere lassen diese gewinnbringenden Geschäfte nicht zu. Ein wichtiger Grund, Optionen statt Optionsscheine etc. zu handeln.

Stillhalter: Chancen und Risiko beim Verkauf von Put-Optionen

Als Stillhalter von Put-Optionen haben Sie die Verpflichtung, Aktien zum Basispreis der Put-Optionen zu kaufen, egal wie der Kurs steht. Wenn Sie also einen Kontrakt mit 100 Put-Optionen und dem Basispreis 70 Euro verkaufen, müssen Sie den Basiswert (hier 100 Aktien) für 70 Euro je Aktie kaufen, auch wenn der Aktienkurs gefallen ist.

Risiko: Das ist sicher ein Risiko; aber: Das ist das Risiko eines jeden Aktionärs. Hat ein Aktionär die Aktie zum Kurs von 70 Euro gekauft, hat er nach dem Kauf auch das Risiko des Kursverlustes.

Stillhalter: Risiko kleiner als beim Aktionär:

Das Risiko des Stillhalters mit Put-Optionen ist aber kleiner als das des Aktionärs, denn: Beide haben das Kursrisiko. Das ist dasselbe.

Der Stillhalter hat aber die Prämie von (hier im Beispiel) 3 Euro je Aktie eingenommen. Er hat also im Grunde nur 70 Euro abzüglich der 3 Euro = 67 Euro je Aktie bezahlt.

Chance: Die Chancen besteht also 1. darin, dass die Aktien günstiger gekauft werden als beim Direktkauf und 2., dass die vereinnahmte Prämie zu 100% als Gewinn verbucht wird. So oder so, der Stillhalter steht sich immer besser der Anleger, der Aktien direkt kauft. Er hat die Aktie mit Rabatt gekauft.

Tipp zur Königsklasse

Diese Vorgehensweise ist für alle Aktien möglich, auf die es Optionen gibt. Das sind in Europa zumindest die Aktien, die im EuroStoxx50 und im DAX notieren. In den USA ist dieser „Aktienkauf mit Rabatt“ für einen sehr großen Teil aller Aktien möglich. Die Schweizer nennen diese Strategie die Königsklasse.

Zum guten Schluss: Red Adair, der US-amerikanische Feuerwehrmann und Spezialist für brennende Ölquellen, der heute vor 99 Jahren, also am 18.06.1915, zur Welt kam, sagte von sich selbst, er habe eine

„Erfolgsliste, die bei 100% liegt“.

Das werden Sie (und ich) an der Börse nie erreichen. Dass Sie diesem Ziel aber an der Börse so nah wie möglich kommen, wünsche ich Ihnen. Ich bemühe mich, mit meinen Kommentaren dazu beizutragen. In der Hoffnung, dass es gelingt, sende ich beste Grüße.

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

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Rainer Heißmann
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen. Mit Heißmanns Börsenkommentar bringt er wochentäglich die Börse auf den Punkt. Seine Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie jedem verständlich und nachvollziehbar werden.

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