TLG und Aroundtown: Gewerbeimmobilienkonzern bringen Fusion auf die Zielgerade

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TLG Immobilien und Aroundtown: Milliardendeal in der Immobilienbranche nimmt Züge an. Aktientausch soll Weg zur Übernahme ebnen. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die Konsolidierung auf dem deutschen Immobilienmarkt setzt sich ungebremst fort. Zumindest wenn es nach TLG Immobilien und Arountown geht, den beiden Spezialisten für Gewerbeimmobilien: Die geplante Milliardenfusion der beiden Konzerne nimmt nämlich langsam Gestalt an. Dabei ist vorgesehen, dass Aroundtown den TLG-Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten wird. Das Angebot soll noch in diesem Jahr vorgelegt werden. Bezahlt werden sollen die TLG-Anteilseigner mit Aroundtown-Aktien. Sollte das Vorhaben gelingen, würde europaweit der größte Anbieter von Bürohäusern entstehen.

Vorstand und Aufsichtsrat unterstützen Umtauschofferte

Konkret sieht die Fusionsvereinbarung folgendes vor: Jeder TLG-Aktionär soll 3,6 Aroundtown-Aktien je TLG-Papier erhalten. Das freiwillige Übernahmeangebot wird voraussichtlich keiner Mindestannahmeschwelle unterliegen, teilten die Konzerne mit. Das Vorgehen wird sowohl vom Aufsichtsrat als auch vom Vorstand der TLG Immobilien unterstützt. Zudem hat der Großaktionär Ouram Holding, hinter dem der aus Israel stammende Immobilieninvestor Amir Dayan steht, sich verpflichtet, seinen Anteil von 28 % anzudienen.

Schwerpunkt bei Büros

Mit dem Zusammenschluss entsteht der größte gewerbliche Vermieter Deutschlands. In Europa wäre der fusionierte Konzern die Nummer 2 hinter Unibail-Rodamco-Westfield und bezogen auf alle Immobilienkonzerne, also einschließlich des Wohnungssektors, die Nummer 3.

Das kombinierte Vermögen geben die beiden Konzern mit mehr als 25 Milliarden Euro an. Den Schwerpunkt des Immobilienportfolios bilden Bürogebäude (47 %) und Hotels (21 %), außerdem gehören Logistikzentren und Einzelhandelsgeschäfte zum Bestand.

Mehr als die Hälfte des Portfolios entfallen auf Berlin, Frankfurt, Dresden, Leipzig, München, London, Hamburg und Amsterdam. Aroundtown ist über die 39% -Beteiligung an Grand City Properties auch im Wohnungssektor aktiv. Die gemeinsame Pipeline für Immobilienentwicklungen wird mit fast 2 Milliarden Euro taxiert.

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Hohe Synergien erwartet

TLG wirbt um die Fusion mit der Aussicht auf steigende Einnahmen. Das operative Ergebnis, im Branchenjargon „Funds From Operations“ (FFO) genannt, soll sich in den ersten fünf Jahren jährlich um 92 bis 139 Millionen Euro erhöhen. 2018 lag der FFO von TLG und Aroundtown bei 709 Millionen Euro. Dazu sollen vor allem hohe Synergien beitragen. Die operativen Synergien aus Einsparungen durch den gemeinsamen Betrieb und eine gemeinsame Unternehmenszentrale, Überschneidungen im Portfolio, Kostenoptimierungen und Skaleneffekte, veranschlagen Aroundtown und TLG auf 24 bis 34 Millionen Euro im Jahr.

Vorteile bei Finanzierungsbedingungen

Zudem erhofft sich TLG Immobilien erhebliche Vorteile bei den Finanzierungsbedingungen. Die Finanzierungsseite soll 86 bis 105 Millionen Euro zu den Synergien beitragen. Seit Längerem schon strebt Aroundtown ein Kreditrating von A- an – aktuell liegt das Rating bei BBB+. Die Idee dahinter ist so einfach wie einleuchtend: Die Finanzierungsstruktur wird sich mit einem größeren Portfolio verbessern. Ein gemeinsames Unternehmen dürfte sich im Nachgang günstiger am Kapitalmarkt finanzieren können.

Konzern ergänzen sich regional

Darüber hinaus führen Befürworter des Deals die gute regionale Ergänzung der beiden Firmen an. Sie müssen wissen: Aroundtown ist stark auf Großstädte fokussiert und setzt dort auf eine Mehrwert- Strategie. Das bedeutet, dass über die Verringerung von Leerständen über Modernisierungen und Mieterhöhung die Objekte rentabler gestaltet werden. TLG Immobilien besitzt neben dem Schwerpunkt Berlin Immobilien in ostdeutschen Städten wie Leipzig und Dresden.

Sollte der Deal zustande kommen, dann wäre die Aktie auf Grund sogar ein möglicher DAX-Kandidat.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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