Tom-Tailor-Aktie: Modefirma zapft den Kapitalmarkt an

Die Angeschlagene Modekette Tom Tailor will ihre Neuausrichtung vorantreiben. Alle Einzelheiten dazu erfahren Sie in diesem Beitrag. (Foto: Casimiro PT / shutterstock.com)

Die Mode-Branche gilt als hartes Pflaster:

Immenser Wettbewerb durch Mode-Riesen wie Inditex und H&M, immer mehr Bestellungen im Internet und Wetter-Kapriolen forderten in den vergangenen Jahren ihren Tribut.

So verhielt es sich auch bei der Hamburger Modefirma Tom Tailor:

  • viel zu volle Lager mit unverkäuflicher Ware,
  • neu eröffnete, verlustträchtige Geschäfte in Übersee
  • sowie ein schleppender Online-Umsatz
  • und veraltete Technik in der Zentrale.

Beim Hamburger Modekonzern Tom Tailor hat es in den vergangenen Jahren viele Versäumnisse und falsche Entscheidungen gegeben.

Es ist also kein Wunder, dass der Aktienkurs regelrecht zusammenstürzte:

Vom Mai 2013 an kollabierten die Papiere um 83% bis auf 3,11 € im Juni 2016, bevor eine kräftige Gegenbewegung einsetzte.

Die Neuausrichtung des Konzerns weckte die Hoffnung der Anleger, die den Kurs innerhalb weniger Monate bis auf über 9 € nach oben trieben, bevor wieder Ernüchterung einsetzte.

Nach den jüngsten Zahlen notiert die Aktie mit 7,60 € wieder deutlich schwächer.

Der Grund für den jüngsten Kursrutsch liegt in der gerade bekanntgegebenen Kapital-Erhöhung, die von den Anlegern nicht gut aufgefasst wurde.

Kapital-Erhöhung ein weiterer Schritt in der Neuausrichtung

Die angeschlagene Modekette Tom Tailor will mit einer Barkapital-Erhöhung einen weiteren Schritt in der angepeilten Neuausrichtung machen.

Firmenchef Thomas Dressendörfer will die positive Marktstimmung nutzen, um die Kapitalbasis weiter zu stärken.

Insgesamt wollen die Hamburger knapp 9,87 Mio. Aktien ausgeben. Unterm Strich könnten damit Tom Tailor rund 61,2 Mio. € zufließen.

Tom Tailor im Porträt

Der Konzern ist ein führendes deutsches Mode-Unternehmen. Trotz der Wurzeln in der Herrenmode steht die Damen-Oberbekleidung mittlerweile für nahezu 60% des Umsatzes.

Mit der Bekleidung im Freizeit-Bereich sollen Kunden bis 45 Jahre angesprochen werden. Im mittleren Preissegment erzielt die Firma rund 60% des Konzern-Umsatzes.

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Tom Tailors Wurzeln liegen hingegen im Großhandel, der immer noch mehr als 50% des Marken-Umsatzes erzielt.

Seit dem Börsengang im Jahr 2010 wurde allerdings die Expansion des eigene Einzelhandels (>400 Läden) stark beschleunigt.

Der im Jahr 2012 übernommene Einzelhändler Bonita offeriert Kombi-Mode für Menschen ab 40 Jahren.

Mehr als 90% des Umsatzes werden in der Damen-Oberbekleidung erzielt, obwohl Bonita mittlerweile auch eine Herren-Kollektion anbietet.

Bonita betreibt mehr als 1000 Geschäfte (durchschnittliche Ladengröße unter 100 m²), die sich v. a. im deutschsprachigen Raum befinden.

Turnaround noch lange nicht in trockenen Tüchern

Jetzt soll ein weiteres Maßnahmen-Paket (Reset) die Ertragskraft nachhaltig verbessern.

Dabei legt die Konzernführung den Fokus zukünftig auf das Großhandels-Geschäft und die Kernmarken TOM TAILOR, BONITA Women und BONITA Men werden eingestellt.

Bis zu 300 Läden sollen geschlossen werden. Aus nicht profitablen Märkten wie Südafrika und Frankreich verabschieden sich die Hamburger ebenso.

Die Restrukturierung führte zu einer Sonderbelastung von 75 Mio. € und war hauptverantwortlich für die miese Bilanz im abgelaufenen Geschäftsjahr.

Unter dem Strich verbuchten die Hamburger einen Verlust in Höhe von 77 Mio. €. Damit schloss Tom Tailor 3 der vergangenen 4 Jahre im roten Bereich ab.

Umsatz stagniert im 1. Quartal

Zum Jahresstart zeigt sich die Situation weiter durchwachsen. Der Umsatz stagnierte mit 219 Mio. € auf dem Niveau des Vorjahres.

Allerdings müssen Sie wissen, dass im 1. Vierteljahr bereits 39 Filialen (von 1449) geschlossen wurden. Tom Tailors Großhandels-Geschäft hat in Q1 hingegen seine Stabilität bewiesen.

Unter dem Strich stand aber erneut ein Verlust von 6,5 Mio. €, auch wenn dieser um 26% geringer ausfiel als im Vorjahres-Quartal.

Jetzt muss der Modespezialist zeigen, dass die Neuausrichtung gelingt. Vorher dürften Erholungs-Bewegungen im Aktienkurs eher dem Prinzip Hoffnung zuzuschreiben sein.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.