Tom Tailor: Ein Jahr nach der Übernahme frohlocken die Aktionäre

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Im vergangenen Jahr hat das Hamburger Mode-Unternehmen Tom Tailor die Übernahme der Mode-Marke Bonita für 220 Mio. Euro bekannt gegeben. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Im vergangenen Jahr hat das Hamburger Mode-Unternehmen Tom Tailor die Übernahme der Mode-Marke Bonita für 220 Mio. Euro bekannt gegeben. Der Übernahme-Sensor hat bereits frühzeitig darauf hingewiesen, dass der Zukauf strategisch extrem gut ist.

Denn mit Bonita spricht die eher für junge Erwachsenen-Mode bekannte Mode-Marke eine deutlich größere Kundengruppe an. Bonita hatte sich mit 900 Damen- und 60 Herren-Bekleidungsfilialen auf die zahlungskräftige Kundschaft jenseits der 45 konzentriert.

Das Unternehmen gehörte zudem zu den profitabelsten Unternehmen in der Branche. Wenn ein Margen-stärkeres Unternehmen hinzukommt, dann steigt auch die Gesamtmarge.

Bonita-Übernahme trägt erste Früchte: Geduld zahlt sich aus

Eine Übernahme bedeutet immer zunächst, dass der Käufer ein „Übergangsjahr“ einleitet, in dem höhere Kosten anfallen. Sie können sich vorstellen, dass sich die knapp 1000 Bonita-Filialen nicht über Nacht integrieren lassen.

Auch müssen die Prozesse in der Zentrale angepasst werden, die Logistik neu gesteuert werden und neue Zuständigkeiten verteilt werden. Das kostet Zeit und Geld.

Doch nach der Saat folgt erfahrungsgemäß die Ernte. Bei Tom Tailor sind die Früchte besonders groß. Das Unternehmen hat gestern Vorab-Zahlen bekannt gegeben und konnte damit die Erwartungen des Marktes schlagen.

Umsatzwachstum: Tom Tailor widersetzt sich dem Markttrend

Tom Tailor erwirtschaftete entgegen der Umsatzentwicklung im deutschen Textilmarkt ein Unternehmens-übergreifendes Plus von 6,2% im dritten Quartal 2013. Bonita war mit einem Umsatzanstieg von 5,3% maßgeblich am Erfolg beteiligt. Die endgültigen Zahlen folgen Anfang November.

Das Unternehmen hat das schwache erste Halbjahr abgeschüttelt. Grund für die Schwäche war jedoch nicht, dass es außergewöhnliche Übernahme-bezogene Probleme gab, sondern dass das Wetter schlecht war. Dies setzte die gesamte Branche unter Druck. Jetzt steigen Umsatz und Marge.

Aktie stieg seit Bonita-Übernahme um 45%

Der Aktienkurs von Tom Tailor hat eine Berg- und Talfahrt hinter sich. Seit Beginn des Jahres ist der Kurs nur um wenige Cent gestiegen, obwohl der Gesamtmarkt stark zulegte. Anders sieht die Performance seit der Bonita-Übernahme aus.

Von Ende Juni 2012 bis heute stieg die Aktie um 45%.

Analysten trauen dem Unternehmen eine Gewinnverdopplung im kommenden Jahr zu und noch einmal 40% Gewinnanstieg in 2015.

Treffen die Prognosen zu, ist die Aktie nicht teuer. Auch im Vergleich mit den direkten Konkurrenten ist Tom Tailor günstiger bewertet. Bis zum durchschnittlichen Kursziel fehlen noch rund 15% (keine Kaufempfehlung!).

Modebranche und Private Equity: Nicht jeder Retter führt gutes im Schilde…

In der Modebranche wurden im ersten Quartal 2013 eine Reihe von Deals eingefädelt. Meistens haben dabei Private Equity-Unternehmen zugegriffen. Die Branche ist seit Jahren prädestiniert für schuldenfinanzierte Buyouts.

Gerade wenn ein Unternehmen unter Druck steht, tauchen häufig Finanzinvestoren auf, um den gesunden Kern wieder „flott zu machen“ und das Unternehmen später mit Gewinn weiter zu verkaufen.

Nicht immer ist dann eine Übernahme gewollt. Des Öfteren waren Finanzinvestoren in der Modebranche eher Blutsauger als Retter. Verallgemeinern sollten Sie das jedoch nicht – jeder Fall ist da anders.

…doch sollte vorurteilsfrei geprüft werden

Wenn mit Vorurteilen und nicht sachlich die Angebote geprüft werden, dann kann das auch zu gravierenden Fehlentscheidungen führen, die auf Kosten der Aktionäre und des Unternehmens gehen.

Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Surfermarke „Billabong“. Da war das Management in Sorge, von Finanzinvestoren über den Tisch gezogen zu werden.

Nachdem utopische Preise verlangt wurden, sprang der Finanzinvestor ab. Seitdem kreist der Pleitegeier über dem Unternehmen.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.