Tom Tailor-Großaktionär schnappt sich Club Med

Die Hängepartie um den französischen Freizeitanbieter Club Med könnte nach 19 Monaten Bieterkampf in dieser Woche zu Ende gehen. Am Freitag gab der italienische Bieter Global Resorts bekannt, dass die bisherige Offerte nicht weiter aufgestockt wird.

Damit dürfte der Weg für eine Übernahme durch die Fosun-Gruppe frei sein. Der chinesische Finanzinvestor hat mit seiner 1,1 Mrd. US-$ das finanziell attraktivste Angebot auf den Tisch gelegt.

Da im Vorfeld das Management des Übernahme-Kandidaten mit niedrigeren Angeboten zufrieden war, wird erwartet, dass die Club Med-Manager in den kommenden Tagen den Aktionären die Angebotsannahme empfehlen.

Chinesischer Warren Buffett in Europa auf Einkaufstour

Hinter Fosun steckt der chinesische Milliardär Guo Guangchang, der in US-Medien auch als „chinesischer Warren Buffett“ bezeichnet wird. In Deutschland ist der Investor vielen Privatanlegern nicht bekannt.

Sie könnten vielleicht seine Beteiligungsgesellschaft Fosun kennen, die in Europa bereits bei mehreren Deals mit von der Partie war. In Deutschland ist Fosun 2014 zum Großaktionär von Tom Tailor aufgestiegen.

Fosun: Erst mit dem achten Angebot erfolgreich

Unter den Aktionären dürfte die Zustimmung zum Angebotspreis groß sein. Fosun bietet nach 7 Angebotsaufstockungen 24,60 Euro je Aktie. Die Erstofferte im Mai 2013 lag noch bei 17 Euro je Aktie.

Diese Offerte wurde zurückgewiesen, doch bei 17,50 Euro je Aktie stimmte Club Med zu. Dass Fosun aber dennoch 24,60 Euro je Aktie bieten musste um jetzt den Zuschlag zu erhalten, lag am Übernahme-Interesse der italienischen Holding-Gruppe Global Resorts, die auch im Tourismus-Geschäft aktiv ist.

Global Resorts bot zuletzt 24 Euro je Aktie. Der Preisunterschied zum Fosun-Angebot ist nicht sehr groß. Nicht selten gewinnt auch eine finanziell niedrigere Offerte, wenn der Übernahme-Kandidat bessere Zukunftsmöglichkeiten bei dem Bieter sieht – also den Unternehmenswert dort besser steigern kann.

In diesem Fall dürfte jedoch Fosun der klare Gewinner des Bieterkampfes sein. Zu einem früheren Zeitpunkt hieß es bereits, dass das Fosun-Konzept überzeugender sei. Zusammen mit dem finanziell höheren Angebot also eine runde Nummer.

Anstelle eines Verlusts: Aktionäre des Übernahme-Kandidaten kassieren bis zu 100% Gewinn

Am Markt scheint sich mittlerweile rumgesprochen zu haben, dass der Deal so gut wie gelaufen ist. In Erwartung einer Fortsetzung des Bieterkampfes notierte die Aktie in der Vorwoche noch über dem Angebotspreis – fällt heute jedoch auf Angebotshöhe zurück.

Die Enttäuschung über das Ende des Bieterkampfes dürfte sich bei fast allen Aktionären in Grenzen halten. Vor dem Erstangebot notierte die Club Med-Aktie bei 12 Euro. Investoren hatten wenig Freude an der Investition. Club Med konnte nicht die Ziele erreichen, die sich das Management vorgenommen hatte.

Jetzt liegt der Gewinn bei vielen Investoren zwischen 50% (anstelle eines Verlusts) und 100%. Die Aktie würde auf Basis der Geschäftszahlen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht bei über 20 Euro liegen.

Dank der Übernahme erhalten die Aktionäre also einmal mehr einen Aktienkurs, den das Papier an der Börse per heute nicht erreicht hätte und dank des Bieterkampfes ist der Angebotspreis sogar weit oberhalb des Preises vergleichbarer Deals.

Dass der Deal für Fosun womöglich überteuert ist, kann den Übernahme-Spekulanten egal sein.

5. Januar 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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