Tom Tailor: Wenn man denkt, es geht nicht schlimmer…

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Der Mode-Händler Tom Tailor muss ein weiteres Mal in diesem Jahr seine Prognose zusammenstreichen. Aktie mit zweistelligem Minus. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

In den vergangenen Tagen und Wochen häuften sich die Umsatz- und Gewinnwarnungen bei deutschen Unternehmen. Das bedeutet: Immer mehr Unternehmen mussten ihre eigenen Prognosen für das laufende Geschäftsjahr und teilweise auch schon für das nächste Geschäftsjahr zusammenstreichen; so auch bei dem Mode-Händler Tom Tailor.

Besonders bitter hier ist, dass das Unternehmen erst im September dieses Jahres die eigene Prognose kassiert hatte – und nun also ein weiteres Mal. Die Reaktion des Marktes: Die Tom-Tailor-Aktie gab zweistellig nach, notiert aber immer noch leicht über dem Niveau, das sie nach Vorlage der Zahlen für das 3. Quartal 2018 im November markiert hatte.

Seit Januar dieses Jahres hat die Aktie fast 80% (!) an Wert verloren. Zuvor war das Papier von Sommer 2016 bis Januar 2018 von rund 3 Euro auf etwa 11,50 Euro gestiegen. Insgesamt zeigt die Tendenz aber schon seit einigen Jahren nach unten. Schauen wir uns nun die aktuellen Zahlen und den Ausblick im Detail an.

Niedrigere Margenerwartung und schwache Zahlen

Im Gesamtjahr werde nun nach Angaben des Unternehmens eine Marge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA-Marge) von 6 bis 6,5% erwartet. Zuvor hatte Tom Tailor die EBITDA-Marge bereits von 10 auf 7,5 bis 8,5% kürzen müssen.

Tom Tailor kämpft mit den anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen des Textilmarktes, heißt es zu Beginn der Mitteilung zu den jüngsten Zahlen. Der für die gesamte Textilindustrie herausfordernde lange und heiße Sommer (und der damit verbundene Frequenzrückgang in den eigenen Läden) ist einer der Gründe für die schwierigen Gesamtbedingungen, so das Unternehmen.

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Auch die damit einhergehenden umfangreichen Rabattaktionen im Markt stellten Tom Tailor im 3. Quartal vor Herausforderungen. Darüber hinaus belasten Verzögerungen bei der Modernisierung der Marke. Dieser Negativtrend wirkte sich besonders auf die Tochtergesellschaft Bonita aus. Unter dem Strich rutschte Tom Tailor zuletzt in die roten Zahlen.

Die Marke Bonita wurde von Tom Tailor im Jahr 2012 gekauft und sollte dem Unternehmen den Zugang zu Kunden jenseits der 40 verschaffen. Inzwischen soll Bonita aber verjüngt werden, was allerdings länger dauert als gedacht. Während sich die Kernmarke Tom Tailor im Branchenvergleich relativ gut hält, sind die Bonita-Zahlen extrem schwach und belasten zunehmend das gesamte Unternehmen.

Bonita solle nun restrukturiert, stabilisiert und für „alle wertschaffenden Optionen“ vorbereitet werden. „Dazu gehört auch ein möglicher Verkauf“, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Hamburg mit.

Abschließend meine Einschätzung zur Tom-Tailor-Aktie: Die Aktie ist meines Erachtens derzeit nur für kurzfristig orientierte Anleger (Trader) geeignet. Bevor ich als Langfristanleger hier einsteigen würde, müssten zunächst die zahlreichen operativen Probleme gelöst werden. Speziell die Baustelle Bonita muss erst abgearbeitet werden, bevor man sich mit dem Kauf der Aktie intensiver beschäftigen kann.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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