Toyota trotzt Trump – ein bisschen

Donald Trump ist noch nicht vereidigt und doch demonstriert er bereits seine Macht:

Die Automobilindustrie zittert – der designierte US-Präsident, der am 20. Januar offiziell in sein neues Amt eingeführt wird, nimmt sich einen Hersteller nach dem anderen vor.

Dabei setzt Trump nicht auf umständliche Hinterzimmer-Diplomatie; 140 Zeichen, hinausgetwittert in die Welt, reichen aus, um millionenschwere Großprojekte zu stoppen.

Der US-Automobil-Hersteller Ford wollte einen Produktions-Standort in Mexiko eröffnen, ruderte nach Drohungen Trumps jedoch zurück.

Auch der japanische Weltmarktführer Toyota geriet zuletzt ins Visier des neuen Präsidenten, will sich jedoch so leicht nicht unterkriegen lassen.

An seinen Plänen, ein zweites Werk in Mexiko zu eröffnen, hält Toyota fest – obwohl Trump den Japanern für diesen Fall mit einer „großen Grenzsteuer“ gedroht hatte.

Die Antwort aus Tokio: Milliarden-Investitionen in den USA.

Die Welt zittert vor Trump

Damit wird deutlich, wie groß die Angst ist vor dem zukünftig mächtigsten Mann der Welt – und wie leicht es ihm scheinbar gelingt, Investitionen und Arbeitsplätze in die USA zu holen.

Die Frage ist, wie lange das gutgehen wird.

Das große Problem mit Trump liegt darin, dass er sich um nichts schert: nicht um diplomatische Beziehungen, nicht um politische Gepflogenheiten.

In der Vergangenheit war lautes Poltern im Wahlkampf durchaus üblich.

Doch wenn es dann ernst wurde mit der Vereidigung, verabschiedeten sich die Präsidenten vom Wahlkampf-Getöse und bekleideten das Amt mit der angemessenen, eben präsidialen Würde.

Doch wer gehofft hatte, Trump würde sich nach dem Wahlkampf von einer sanfteren oder zumindest weniger aufbrausenden Seite zeigen, wurde spätestens in dieser Woche eines Besseren belehrt.

Bei seiner 1. offiziellen Pressekonferenz seit der Präsidentschaftswahl im November zeigte Trump sich dünnhäutig angesichts kritischer Fragen.

Er entzog einem CNN-Reporter gar das Wort und blieb hinsichtlich seiner Wahlversprechen genauso oberflächlich wie eh und je.

Twitter-Politik sorgt für Unsicherheiten

Konkrete Pläne, wie er seine vollmundigen Ankündigungen umsetzen oder finanzieren will? – Fehlanzeige! Es scheint, als wäre Trump nach wie vor überfordert mit dem, was da auf ihn zukommt.

nd das könnte sich als fatal erweisen, sowohl für die internationalen diplomatischen Beziehungen als auch für die Weltwirtschaft.

Das Beispiel der Automobilindustrie ist nur eines unter vielen, Trump hat ebenso Giganten im Silicon Valley wie Amazon oder Apple scharf attackiert.

Fest steht, es wird ungemütlich, wenn in den nächsten vier Jahren 140 Zeichen genügen, um über Milliarden-Investitionen von Großunternehmen zu entscheiden.

Trumps Temperament und seine Rücksichtslosigkeit waren im Wahlkampf hinreichend zu beobachten – und es steht zu befürchten, dass er genau so weitermacht.

Für Anleger bedeutet das vor allem steigende Unsicherheit, denn man weiß nie, mit welcher Laune Mr. Trump am nächsten Tag aufwachen und welchen Tweet er als nächstes absetzen wird.

Der US-Präsident ist verfassungsrechtlich mit einer enormen Machtfülle ausgestattet.

Mit republikanischen Mehrheiten in Senat und Kongress an seiner Seite wird Donald Trump der mächtigste US-Präsident seit Langem.

Was das bedeutet, wird früher oder später wohl auch an den Börsen noch für ein böses Erwachen sorgen.

13. Januar 2017

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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