Traditionsmarke Loewe meldet Insolvenz an – Aktie stürzt ab

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Der Fernseher-Hersteller Loewe steht vor dem Aus. Die Produktion in Deutschland ist gegen die Konkurrenz aus Asien nicht mehr konkurrenzfähig. (Foto: Lester Balajadia / shutterstock.com)

Es ist noch gar nicht so lange her, da standen in deutschen Wohnzimmern auch Fernseher aus deutscher Produktion. Namen wie Nordmende, Graetz oder auch Grundig gehörten dazu. Diese Namen sind mit Ausnahmen von Grundig schon vom Markt verschwunden. Die Marke Grundig existiert zwar weiter – wurde aber 2008 vom türkischen Hersteller Beko übernommen.

Eine der letzten verbliebenen deutschen TV-Hersteller Loewe muss nun auch Insolvenz anmelden. Das Traditionsunternehmen hatte mit der Positionierung im hochpreisigen Marktsegment über viele Jahre hinweg treue Kunden. Doch der Druck durch die Konkurrenz wurde einfach zu groß. Samsung aus Südkorea ist hier mittlerweile klar die Nummer eins.

Und in den beiden vergangenen Jahren hat es einen dramatischen Preisverfall bei den Flachbildfernsehern gegeben: Topmodelle kosten jetzt nur noch 700 bis  800 Euro. Vor zwei Jahren lagen hier die Preise noch bei 1.500 Euro und mehr.

Loewe-Fernseher fangen jedoch erst bei weit mehr als 1.000 Euro an. Daran sehen Sie schon: Dies schränkt die Zielgruppe schon ein. Und genau dieses Image sorgte vor knapp zwei Jahren noch einmal für viel Fantasie bei der Aktie.

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Damals hieß es kurzzeitig, dass Apple an einer Übernahme von Loewe interessiert sei, um sein Apple-TV Projekt voranzutreiben. Doch es waren tatsächlich nicht mehr als Gerüchte, die damals die Aktie massiv antrieben. Heute nun hat das Unternehmen Insolvenz angemeldet. Und damit setzt sich der Kurssturz der vergangenen Monate weiter fort und das Unternehmen bringt es nur noch auf einen Börsenwert von knapp 20 Mio. Euro.

Loewe-Chef bleibt zuversichtlich: Verschiedene Investoren stehen bereit

Aber Loewe-Chef Harsch blickt trotz dieses massiven Schritts mit etwas Zuversicht auf die weitere Entwicklung: So ist er davon überzeugt bis Ende Oktober einen Kaufinteressenten präsentieren zu können. Dabei gilt aber: Ein Kauf von Loewe ist eine Sache – aber ob es dann auch für die Produktion weitergeht, kann man derzeit überhaupt noch nicht sagen.

Laut Angaben des Unternehmens ist das operative Geschäft jetzt erst einmal bis Ende des Jahres gesichert. Eine Perspektive sieht auf jeden Fall anders aus. Damit sieht es so aus, dass schon bald die Fernsehproduktion in Deutschland der Vergangenheit angehören wird. Noch hält mit Metz ein weiterer Hersteller in Deutschland durch – aber auch das Unternehmen hat mit massiven Problemen zu kämpfen.

Zudem verfügt das mittelständische Unternehmen mit der Herstellung von Blitzgeräten und anderen Lichtsystemen noch über ein zweites Standbein, was aber nur ein Viertel des Umsatzes ausmacht. Loewe hat dieses zweite Standbein nicht und steht jetzt vor dem Aus. Ein weiterer bekannter Markenname droht zu verschwinden als Opfer der Globalisierung.


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Heiko Böhmer
Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

Ob DAX-Titel, Rohstoff oder Emerging Marktes-Aktie: Heiko Böhmer bringt Ihnen in seinem täglichen Newsletter diese Themen näher. Neue Trends findet er dabei vor allem auf den vielen Reisen zu Finanzmessen im In- und Ausland, über die er in seinem Newsletter ausführlich berichtet.