Tragischer Fall eines Börsen-Stars

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Raus aus dem Dow Jones, dazu ein Rekordverlust. Bei General Electric sieht es mies aus. Was Anleger jetzt unbedingt wissen müssen. (Foto: Jonathan Weiss / shutterstock.com)

Wenn Stars am Abgrund stehen, wird der Boulevard erst richtig wach. Auch wenn ich diese Form des Journalismus abscheulich finde, verstehe ich doch, dass sich viele Leser von den Geschichten und heimlich gemachten Schnappschüssen in den Bann ziehen lassen. So ähnlich geht es uns, wenn wir die Aktie von General Electric sehen. Das Unternehmen, in etwa mit unserer Siemens vergleichbar, steht seit einiger Zeit am Abgrund. Der Kurs ist im Keller und unsere Prognose noch dazu düster. Doch vielleicht gibt es sogar einen Silberstreif am Horizont? Wir haben die Aktie für Sie unter die Lupe genommen!

Rekordverlust sorgt für Frust

General Electric ist eines der größten Industrieunternehmen der Welt. Die Produktpalette ist sehr breit und umfasst Triebwerke, Ausrüstungen, Industrie- und Materialtechnik, Energietechnik, TV-Stationen, die General Electric Capital Services (Finanzierungen) sowie Versicherungen. Damit hat sich General Electric von einem amerikanischen Elektronikkonzern zu einem weltweit tätigen Konglomerat gewandelt.

General Electric hat für die ersten 9 Monate erwartungsgemäß schlechte Zahlen präsentiert. Fast alle relevanten Kennzahlen haben sich verschlechtert. Nur der Umsatz stieg um fast 2% auf 88,3 Mrd $. Unterm Strich konnte kein Gewinn erwirtschaftet werden. Im Gegenteil:  General Electric musste einen Rekordverlust von 2,50 $ pro Aktie verbuchen. Die Dividenden für das Gesamtjahr wurden deutlich gekürzt. Zudem ist  General Electric 2018 als letztes Gründungsmitglied aus dem prestigeträchtigen Dow Jones ausgeschieden.

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Rette sich, wer kann!

Spätestens jetzt mussten beim Vorstand alle Alarmglocken klingeln. Ein radikaler Konzernumbau muss schnell vorangetrieben werden. Um wieder profitabler zu werden, setzt  General Electric auf umfangreiche Umstrukturierungsmaßnahmen. Dabei sollen zahlreiche unwirtschaftliche Geschäftsbereiche abgespalten oder verkauft werden, um sich so wieder auf die eigentlichen Kernkompetenzen konzentrieren zu können. Genau diese sind bei  General Electric mittlerweile unbekannt.

Der Konzern hat sich in so vielen Geschäftsfeldern ausgebreitet, dass kaum noch Synergieeffekte erzeugt, sondern nur noch erhebliche Kosten produziert werden. Das muss sich schnellstens ändern. Geplant ist der Verkauf der Flugzeugleasing- Sparte an den amerikanischen Finanzinvestor Apollo. Zudem sollen Teile der Industriesparte abgespalten werden. Aus dem digitalen Bereich hat sich  General Electric bereits großflächig zurückgezogen.

Aktuell ist unklar, welche Bereiche überhaupt langfristig und profitabel weitergeführt werden können. Das Unternehmen steht wahrlich am Abgrund. Doch Aktionäre können mit einem Investment auch nicht helfen. General Electric muss sich selbst aus dem Sumpf befreien. Anleger sollten unbedingt an der Seitenlinie bleiben.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.