Transatlantische Börsenfusion scheitert: Hongkonger Börse tritt bei LSE-Übernahme den Rückzug an

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Megadeal der Börsenbetreiber scheitert: Hongkonger Börse tritt bei Übernahme der LSE den Rückzug an (Foto: spatulatail / shutterstock.com)

Die Entscheidung ist mit Spannung erwartet worden. Der asiatische Börsenplatz HKEx hatte bis Mittwoch Zeit, sein Angebot für die Londoner Börse aufzustocken. Die Fusion der größten Börsenplätze Asiens und Europa wäre ein gigantischer Deal geworden. Doch jetzt hat die Hongkonger Börse (HKEx) den Zusammenschluss mit der London Stock Exchange (LSE) auch wegen des Widerstands der Briten abgeblasen. Damit ist der Plan von einem weltweit führenden Finanzmarktkonzern geplatzt.

Die Aktionäre fassten die Meldung unterschiedlich auf. Während in einer ersten Reaktion die Papiere der Londoner Börse um 6% absackten, kletterten die Aktien der Hongkonger Börse um mehr als 2% nach oben.

Hongkonger Börse scheitert mit Übernahmeversuch

In einer kurzen Pflichtveröffentlichung gab die Hongkonger Börse jetzt bekannt, doch kein öffentliches Pflichtangebot für die Aktionäre der Londoner Börse vorzulegen. Zugleich beteuerte die Unternehmensführung, dass der Deal strategisch Sinn gemacht hätte, man aber auf Grund des immensen Widerstands von den Plänen abrückt.

Deal von gigantischer Dimension

Dabei wäre der Deal beeindruckend gewesen. Die milliardenschwere Offerte hätte die London Stock Exchange mit 29,6 Milliarden britischen Pfund ohne Schulden (etwa 33 Milliarden Euro) bewertet. Eine Fusion hätte nicht nur einen weltweit führenden Finanzmarktkonzern entstehen lassen. Eine Übernahme hatte auch die Londoner Börse für asiatische Märkte geöffnet und die Rolle der britischen Hauptstadt als Finanzzentrum unterstrichen. Vor allem die Kunden hätten laut Unternehmensangaben von mehr Innovationen, Risikomanagement und Handelsmöglichkeiten profitieren sollen.

Scheitern nicht ganz unerwartet

So beeindruckend der Deal auch gewesen wäre, ganz unerwartet kommt sein Scheitern nicht. Die Führung der Londoner Börse hatte gleich zu Beginn das Angebot zurückgewiesen. Neben dem zu geringen Preis prangerten die Verantwortlichen auch strategische Punkte an. Zugleich dürften regulatorische und politische Gründe ebenfalls eine Rolle gespielt haben.

Zudem hatte die HKEx ihr Angebot für die LSE mit der Bedingung verknüpft, dass sie ihre Refinitiv-Übernahmepläne aufgibt. Hierzu war die Londoner Börse allerdings nicht bereit. Die LSE bestätigte am Dienstag, dass sie auf dem Weg zur Übernahme gute Fortschritte mache. Die Transaktion soll in der zweiten Jahreshälfte 2020 abgeschlossen werden.

Londoner Börse zeigt sich erleichtert

Die Londoner Börse dürfte erleichtert sein über das Abrücken des chinesischen Interessenten. Die Londoner beauftragten gleich nach Erhalt des Angebots gleich eine ganze Reihe von Investmentbanken – Goldman Sachs, Morgan Stanley und Robey Warshaw sowie Barclays und RBC Europe – um sich gegen die Hongkonger Börse zu wehren.

Nun wird sich zeigen, ob die Londoner Börse auch in Zukunft ihre Eigenständigkeit bewahren kann. Oft war über ein Zusammengehen mit der CME Group oder der Intercontinental Exchange bereits spekuliert worden. Die Chancen auf einen Deal dürften aber eher kleiner werden, sofern der milliardenschwere Refinitiv-Kauf erfolgreich in trockene Tücher gebracht wird. Denn spätestens dann ist die Londoner Börse auf Augenhöhe mit ihren Konkurrenten und dürfte für eine einfache Übernahme eine Nummer zu groß geworden sein.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.