TransEnterix-Aktie: Hersteller von Operationsrobotern setzt zum Höhenflug an

TransEnterix-Aktie: Newcomer auf dem Gebiet der Operationsroboter setzt zum Höhenflug an. Aktie schießt nach Zahlen in die Höhe. Bewertung trotz enormen Wachstum überzogen (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Vielleicht haben Sie schon einmal von dem US-Konzern Intuitive Surgical gehört. Der Konzern ist der unangefochtene Weltmarktführer, wenn es um robotergestützte Operationen geht. Mit seinem Da-Vinci-Roboter werden in den USA beispielsweise bereits über 80% aller Prostata-OPs durchgeführt. Die Geschäftsentwicklung des Konzerns ist einzigartig. In den vergangenen 15 Jahren explodierten die Umsätze um mehr als 4.000% auf zuletzt 3,1 Milliarden Dollar. Seit über 11 Jahren erzielt der Konzern eine Gewinnspanne jenseits der 20%-Marke und ist damit hochprofitabel.

Dies ruft immer wieder Wettbewerber auf den Plan, die sich ebenfalls in dem Markt positionieren möchten. Das ist auch mehr als einleuchtend. Die Experten rechnen damit, dass der Markt für robotergestützte Operationen auf 20 Milliarden Dollar in 2021 anwächst. Für Sie zum Vergleich: In 2014 lag das Marktvolumen bei gerade mal 3 Milliarden Dollar.

TransEnterix – David gegen Goliath

Einer dieser potenziellen Rivalen ist die US-Firma TransEnterix. Viele Kritiker von Intuitive Surgical führen die Firma an, um vor möglichen Wettbewerb zu warnen. Aber der Vergleich hinkt etwas. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte TransEnterix zwar ein Umsatzplus von 366% – aber von einer extrem geringen Basis aus. Unter dem Strich erwirtschaftete TransEnterix gerade einmal einen Umsatz von 7,1 Millionen Dollar.

Dabei fiel übrigens ein Verlust in Höhe von 144,8 Millionen Dollar an. Auch in der Historie suchen Sie Gewinne bei dem bereits 1988 gegründeten Unternehmen vergeblich. Alleine in den vergangenen fünf Jahren verbrannte das Start Up als 377 Millionen Euro.

Börsenwert von 430 Millionen Dollar vollkommen überzogen

Trotz des bislang sehr verhaltenen Erfolgs wird TransEnterix an der Börse mit 430 Millionen Dollar bewertet. Offenbar rechnen die Anleger mit einer ähnlich beeindruckenden Geschäftsentwicklung wie sie der Marktführer Intuitive Surgical in den letzten Jahren hingelegt hat. Doch lassen Sie uns in das erste Quartal blicken: Insgesamt erreichte TransEnterix einen Umsatz von 4,8 Millionen Dollar. Dieser teilte sich wie folgt auf: 3,5 Millionen Dollar wurden mit dem Verkauf der Roboter erzielt (3 Stück im ersten Quartal), 1,1 Millionen Dollar mit Instrumenten (Operationsbesteck) und 200.000 Dollar mit Servicedienstleistungen.

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Damit konnte die Technologiefirma die Erwartungen der Analysten übertreffen. Diese waren im Vorfeld nur von 3,8 Millionen Dollar Umsatz ausgegangen. Der Quartalsverlust von 11,3 Millionen Dollar war hingegen nur minimal besser als erwartet. Die Anleger feierten die Ergebnisse dennoch und trieben den Kurs um fast 20% nach oben. Auf Sicht der letzten drei Monate haben die Papiere knapp 50% zugelegt.

Cash-Bestand von 94 Millionen Dollar sollte bis 2019 reichen

Bei den hohen Verlusten der vergangenen Jahre lohnt es sich auch, einen Blick in die Bilanzen zu werfen, um möglichen Kapitalbedarf zu identifizieren. Momentan liegt der Cash-Bestand von TransEnterix noch bei 94,4 Millionen Dollar. Laut Firmenchef Tood M. Pope sollte das Geld noch reichen, um das Unternehmen bis 2019 zu finanzieren.

Weiteres Wachstum erwartet

Für das laufende Geschäftsjahr erwarten die Analysten einen Umsatz von 20,6 Millionen Dollar, der sich in 2019 nochmals auf 41,3 Millionen Dollar verdoppeln sollte. Für weiteres Wachstum könnte eine Zulassung der US-Gesundheitsbehörde FDA sorgen. Im Januar hat TransEnterix bei der FDA eine Erweiterung des Einsatzbereichs für sein Robotersystem beantragt. Sollte diesem Gesuch stattgegeben werden, würde sich das potenzielle Marktvolumen für den Roboter verdoppeln.

Fazit: TransEnterix ist ein spannendes Technologieunternehmen, dass sich versucht, im Wachstumsmarkt für Operationsroboter zu positionieren. Dabei setzt der Konzern mit seinen Robotern auf innovative Funktionen. Neuartige Kamerasysteme, ein haptisches Feedback für den operierenden Arzt und die Möglichkeit, die Operationsroboter einfach von einem OP-Zimmer ins nächste zu bewegen sind einige davon. Zugleich sind die Systeme günstiger gepreist als die Roboter von Intutive Surgical.

Ob es dem Unternehmen allerdings gelingt, in seine mehr als ambitionierte Bewertung hineinzuwachsen, darf bezweifelt werden. Die Bereitschaft, von Intuitive Surgical-Kunden zu einem neuen System zu wechseln, dürfte ausgesprochen gering sein. Zugleich läuft TransEnterix die Zeit davon. Sollten die Verluste nicht schnell eingedämmt werden, muss sich der Konzern neues Kapital beschaffen. Vor diesem Hintergrund eignet sich die Aktie nur für sehr spekulative Investoren, die von einem Best-Case-Szenario ausgehen.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.