Treffer versenkt: Aktionäre torpedieren die Hapag-Lloyd-Aktie

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Hapag-Lloyd kappt die Gewinnerwartungen, die Aktie verliert daraufhin mehr als ein Fünftel ihres Wertes - unruhiges Fahrwasser steht bevor. (Foto: Travel mania / shutterstock.com)

Was für eine Reaktion: Nach der drastischen Gewinnwarnung von Deutschlands größter Containerreederei befinden sich die Aktien von Hapag-Lloyd im freien Fall: Mehr als 20 % sind die Aktien seit vergangenem Freitag eingebrochen. In einem sich eintrübenden konjunkturellem Umfeld sind weitere Tiefststände sind nicht mehr ausgeschlossen.

Containerschifffahrt auf rauer See

Ursächlich für die Gewinnwarnung war ein Mix aus gestiegenen Treibstoffkosten und rückläufigen Charterraten. Was den pessimistischen Ausblick nochmals verstärkt hat, ist, dass sich die Frachtraten in der zweiten Jahreshälfte kaum erholen würden. Dies zu kompensieren wäre auch trotz eingeleiteter Kostensenkungsmaßnahmen kaum möglich, so die Reederei.

An Überkapazitäten im Frachttransport leidet die Branche schon seit langem. So lag die Frachtrate bei Hapag-Lloyd mit 1.029 Dollar je TEU (die Abkürzung für Twenty-foot Equivalent Unit, einem Maß für Kapazitäten von Containerschiffen) nach drei Monaten deutlich unterhalb des Vorjahresniveaus von 1.056 Dollar je Standardcontainer. Hierfür war der unverändert intensive Wettbewerb verantwortlich, aber auch die Integration der UASC, einer kleineren Reederei aus dem arabischen Raum, mit dem sich Hapag-Lloyd 2017 zusammengeschlossen hat.

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Nun stellt Hapag-Lloyd für das Gesamtjahr 2018 ein EBITDA in einem Korridor von 900 Mio. bis 1,15 Mrd. Euro in Aussicht. Beim EBIT rechnet die Reederei mit einer Bandbreite zwischen 200 und 450 Mio. Euro landen. Noch Mitte Mai hatte Vorstandschef Rolf Habben Jansen in einem Interview die Jahresziele “deutlich steigender Gewinne“ bekräftigt und dabei auch die sich im weiteren Jahresverlauf erholenden Frachtraten ins Kalkül gezogen. Ob nun zusätzliche Maßnahmen für Kostensenkungen ergriffen werden müssen – vor kurzem war ein Stellenabbau in der Konzernzentrale verkündet worden –, ließ der Konzernchef zunächst offen.

Schifffahrt in der Krise

Nach Jahren mit Überkapazitäten lässt die Erholung bei den Frachtraten weiter auf sich warten. Dabei hatte die Zurückhaltung der Reedereien bei Schiffsneubestellungen für kurze Zeit auf steigende weltweit Frachtraten hoffen lassen. Nun jedoch kommen Risiken aus der aggressiven Handelspolitik der Trump-Regierung etwa gegen den Iran hinzu.

Dass die Aktien nach der Gewinnwarnung unter massivem Verkaufsdruck gerierten, ist aber nicht allein auf das verloren gegangene Vertrauen zurückzuführen. Schließlich steht die ganze Branche unter Druck und macht nicht gerade den Eindruck, viel gegen die äußeren Umstände tun zu können. Dabei steht für Hapag-Lloyd viel auf dem Spiel. Denn das Hamburger Unternehmen ist hochverschuldet und ist auf Gewinne angewiesen, um seinen Schuldenberg abzutragen. Ansonsten müssten der SDAX-Titel seine Dividende kappen, für die Aktionäre sicherlich ein weiterer Nackenschlag.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.