Trendumkehr bei den Strom-Erzeugern

Bei den europäischen Versorgern zeichnet sich eine Erholung ab:

Die Großhandels-Preise für Strom sind nach jahrelanger Talfahrt wieder gestiegen; sie kletterten von 20 auf über 30 € je MWh.

Von ihrem Hoch von 85 € je MWh aus dem Jahr 2008 sind sie jedoch noch weit entfernt. Damit haben sich auch die Gewinn-Aussichten für die Stromkonzerne verbessert.

Mittel- bis langfristig rechnen Experten mit weiter steigenden Kursen, da die schrittweise Stilllegung der Atom-Reaktoren in Deutschland die Kapazitäts-Reserven verringert.

Hinzu kommt, dass sich die eingeleiteten Restrukturierungs-Maßnahmen und Kosten-Senkungen anfangen auszuzahlen.

Verändertes Investitions-Verhalten der Konzerne

Auch das Investitions-Verhalten hat sich verändert:

Statt konventioneller Strom-Erzeugung liegt bei den meisten Unternehmen der Schwerpunkt in regulierten Bereichen wie den Übertragungs-Netzen und erneuerbaren Energien.

Die oftmals staatlich garantierten Preise geben Planungs-Sicherheit.

Exemplarisch für diesen Umbau steht Iberdrola. Der Konzern investiert in genannten Feldern bis 2020 rund 25 Mrd. €. Iberdrola bleibt einer unserer Favoriten unter den Versorgern.

Auch Enel treibt die Nachhaltigkeit seines Geschäftsmodells und den Ausbau der erneuerbaren Energien stark voran.

Allerdings schränkt die Netto-Verschuldung von 38,2 Mrd. € den Handlungs-Spielraum ein und erfordert einen weiteren Konzern-Umbau.

EDF geht einen anderen Weg und setzt weiterhin auf Atomstrom.

Das Großprojekt Hinkley Point hat mit einer Kosten-Explosion und Bauzeit-Verlängerungen zu kämpfen. Aber auch in Frankreich werden viele der Reaktoren einer Revision unterzogen.

Umsatz und Gewinn schrumpfen. Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien wird die Strom-Erzeugung volatiler und macht Kapazitäts-Reserven (Gas und Wasser) notwendig.

Von dem wachsenden Bedarf an Kraftwerken zur Netz-Stabilisierung profitieren EVN und Verbund.

Atomsteuer gekippt

Die Kurse der beiden deutschen Versorger E.ON und RWE haben im Jahresverlauf neue Zwischenhochs erreicht.

Nach den Rekord-Verlusten im vergangenen Jahr gab es wieder positive Nachrichten für die gebeutelten Versorger:

Das Bundesverfassungsgericht hatte die Brennelemente-Steuer im Juni mit folgender Begründung für verfassungswidrig erklärt:

„Außerhalb der durch das Grundgesetz vorgegebenen Kompetenz-Ordnung haben Bund und Länder kein Steuer-Erfindungs-Recht.“

Die Brennelemente-Steuer sei keine Verbrauchs-Steuer. Die Rückzahlung kommt den beiden Versorgern gelegen.

Der nach der Katastrophe von Fukushima beschlossene Atom-Ausstieg hat tiefe Löcher in die Bilanzen gerissen, das Eigenkapital schrumpfen lassen und die Netto-Verschuldung in die Höhe getrieben.

Dank der Atomsteuer-Rückzahlung in Höhe von 2,85 Mrd. € und einer Kapital-Erhöhung von 1,35 Mrd. € konnte E.ON die Netto-Verschuldung um rund 5 Mrd. € auf 21,5 Mrd. € senken.

Blick nach vorne ist positiv

Da es operativ auch wieder besser läuft, soll die Ausschüttungs-Quote ab kommendem Jahr auf 65% angehoben werden.

Gleichzeitig will Konzernchef Teyssen die Überschüsse für eine „Wachstums- und Investitions-Offensive“ nutzen, die Anfang 2018 näher umrissen werden soll.

RWE hat die Rückerstattung (rund 1,7 Mrd. €) ebenfalls zum Großteil für den Schulden-Abbau genutzt. Gleichzeitig wurde den Aktionären eine Sonderdividende in Höhe von 1 € je Aktie in Aussicht gestellt.

Für das Gesamtjahr rechnet CEO Schmitz mit einer leichten Ergebnis-Verbesserung. Kleinere, externe Wachstums-Schritte schließt er nicht mehr aus.

9. November 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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