Trivago-Aktie: Reisekonzern schleppt sich aufs Parkett

Vor wenigen Tagen wagte die Online-Reiseplattform den Sprung aufs Parkett.

Der Börsengang war mit Spannung erwartet worden, verlief zum Schluss aber eher schleppend:

Sowohl die Preisfeststellung als auch das bei den Anlegern eingesammelte Geld blieben hinter den Erwartungen zurück.

Trivago muss erst einmal kleinere Brötchen backen

Lange stand es in der Schwebe, ob der Börsengang der Online-Hotelsuchmaschine Trivago noch in diesem Jahr klappt.

Aber dann hat der Eigentümer, der Reise-Riese Expedia, aufs Tempo gedrückt und die Transaktion doch noch durchgezogen – allerdings mit mäßigem Erfolg.

Ursprünglich sollte die Preisspanne bei 13 – 15 Dollar festgesetzt werden. Heraus kam allerdings nur ein Emissions-Preis von 11 Dollar.

Zugleich blieb die Online-Reisefirma auf einigen Aktien sitzen: Statt der geplanten gut 400 Mio. Dollar nahm das Düsseldorfer Unternehmen nur 287 Mio. Dollar ein.

Startup mit beeindruckender Wachstums-Geschwindigkeit

Das Geschäftsmodell von Trivago ist schnell erklärt:

Über die unterschiedlichen Trivago-Plattformen können Reisende aus über einer Million Hotels von 250 Buchungs-Portalen auswählen.

Umsätze erzielt Trivago durch Provisionen, die das Unternehmen von den Anbietern der Kapazitäten erhält.

Seit 2012 versechsfachten sich die Umsätze des Düsseldorfer Konzerns auf einen Jahresumsatz von 493 Mio. €. Immerhin ein Zuwachs von 60% gegenüber dem Vorjahr.

Damit ist Trivago eines der erfolgreichsten deutschen Startups der letzten 10 Jahre.

Gewinne Fehlanzeige

In den vergangenen Jahren musste Trivago erheblich in Marketing investieren, um den Bekanntheitsgrad und damit die Attraktivität für die Kunden (Hotels) zu steigern – mit Erfolg.

Heute können Sie in 55 Ländern Ihren Urlaub über Trivago buchen. Daher verwundert es auch nicht, dass rund 85% der erzielten Erlöse wieder in Werbekampagnen geflossen sind.

So ist auch der Sprung in die Gewinnzone noch nicht erreicht. In den ersten 9 Monaten dieses Jahres verbrannte der Reisekonzern bei Erlösen von 657,4 Mio. Dollar immerhin noch 57,8 Mio. Dollar.

Anleger befürchten Klumpen-Risiken

Anleger hatten sich skeptisch gezeigt:

Sie bemängelten die hohe Abhängigkeit des Trivago-Geschäfts von der amerikanischen Muttergesellschaft Expedia und einigen anderen Kunden.

Denn immerhin erzielten die Düsseldorfer mit der Muttergesellschaft Expedia zuletzt 35% des gesamten Geschäfts. Für weitere 43% zeichnete der Rivale Priceline (Booking.com) verantwortlich.

Zugleich versuchen immer mehr Hotels die Kunden auf ihre eigenen Buchungsseiten umzuleiten, damit sie sich die Provisionen an die Suchmaschinen ersparen.

Online-Reisemarkt legt weiter kräftig zu

Auch wenn Trivago etwas Gegenwind spürt – grundsätzlich stehen die Perspektiven für den Reisemarkt nicht schlecht:

Laut Experten sollen die weltweiten Erlöse von 565 Mrd. Dollar im Jahr 2016 auf 818 Mrd. Dollar bis 2020 steigen.

Davon dürfte insbesondere das Online-Geschäft profitieren. Denn immer mehr Reisen werden über das Internet gebucht.

Mittlerweile machen die Onlinebuchungen 22% aller Buchungen aus – nächstes Jahr gehen Analysten sogar schon von 30% aus.

Gründer geben Anteile ab

Mit dem Börsengang sinkt der Anteil der Firmengründer von 36,5% auf 31,6%. Die Muttergesellschaft Expedia hält weiterhin 62% aller Papiere.

Auch wenn die Gründer Anteile abgeben, so wollen sie dennoch an Bord bleiben und den Konzern langfristig voranbringen.

Der überwiegende Teil des eingenommenen Geldes soll als Liquiditäts-Polster dienen. Andererseits sollen dadurch auch mögliche Technologie-Zukäufe realisiert werden.

21. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

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