Trotz Börsenflaute: Übernahme-Volumen in Westeuropa zieht erneut an

Die langjährige Statistik zeigt, dass die Übernahme-Aktivität in guten Börsenphasen höher ausfällt als in schwachen Phasen.

Das ist auch verständlich, denn dann läuft in der Regel auch die Konjunktur besser.

Ein Deal sollte sich dann – zumindest ist das die Überlegung der Käufer – schneller bezahlt machen.

Leider zeigt eine andere langjährige Statistik, dass gerade die Übernahmen, die in guten Börsenphasen ausgehandelt wurden, sich häufig auch als zu teuer entpuppten.

Dies galt insbesondere dann, wenn kurz vor einer Abkühlung der Konjunktur zugekauft wird. Ein Jahr später folgen dann hohe außerplanmäßige Abschreibungen.

Vielzahl der Krisenherde sollte Übernahme-Lust dämpfen….

Aktuell läuft die Konjunktur in Europa jedoch rund. Die Prognosen für das diesjährige Wirtschaftswachstum sind gut, die Indikatoren trotz Eintrübung immer noch vielsprechend.

Das Institut für Wirtschaftsforschung hat heute die Wachstums-Prognose 2016 auf 1,8% angehoben.

Doch es gibt auch eine Menge dunkler Wolken: Der Wachstumsmotor China stottert, Russland- und Brasilien-Rezession, drohender Brexit. Es ist also kein Wunder, dass die Investitions-Zurückhaltung aktuell größer ist als üblich.

Statistik und Logik lassen vermuten, dass aufgrund der unklaren Ausgangslage auch das Übernahme-Geschäft schlecht laufen müsste. Eine aktuelle Übernahme-Statistik des Bureau van Dijk zeigt jedoch, dass dem nicht so ist.

…doch das Übernahme-Volumen legt weiter zu

Das Deal-Volumen in Westeuropa hat im Mai weiter zugelegt. Mit 68,6 Mrd. € lag das Volumen auf dem zweithöchsten Stand 2016. Nur der Februar verzeichnete ein höheres Volumen.

Dort kam es allerdings nicht zu einer außergewöhnlich hohen Anzahl an Deals; vielmehr spülte die Syngenta-Übernahme im Volumen von fast 40 Mrd. € das Übernahme-Volumen nach oben und verzerrte die Statistik.

Auch wenn der Übernahme-Markt robust läuft: Verglichen mit 2015 bleibt das Übernahme-Volumen weiterhin unter dem Durchschnitt des Vorjahres.

2015 wurden im Schnitt mehr als 100 Mrd. Euro im Monat für Übernahmen oder Beteiligungen ausgegeben.

Im November lag das Volumen sogar bei 386 Mrd. €. Dem gegenüber wirken die 68 Mrd. € aus dem Monat Mai sehr gering.

Deal in unruhiger Börsenphase könnte sich als Glücksgriff entpuppen

Die erneute Volumensteigerung ist ein Indiz dafür, dass der Übernahme-Markt in diesem Jahr stark bleibt, auch wenn die Spitzenwerte aus 2015 nicht erreicht werden.

Immerhin kommt der jetzige Volumen-Anstieg trotz schwer prognostizierbarer Zukunft. Es gibt sehr viele Unwägbarkeiten, von denen der wirtschaftliche Verlauf abhängt.

Der Volumen-Anstieg verwundert daher. Vielleicht dachten sich einige Käufer, dass sie gerade deswegen zukaufen sollten und rechnen mit einer deutlichen Marktberuhigung in der zweiten Jahreshälfte.

Dann war ein Deal in der 1. Jahreshälfte vermutlich viel günstiger möglich.

Für diese Mutigen lohnen Zukäufe weiterhin. Denn noch immer ist der Markt rund 20% unter dem Hoch aus Mai 2015.

Dadurch ist es aktuell viel einfacher, die Anleger mit einer schönen Prämie auf den Aktienkurs zur Abgabe ihrer Anteile zu bewegen.

Bewertungs-Rückgänge begünstigen feindliche Übernahmen

Der deutliche Bewertungs-Rückgang macht Unternehmen anfällig für feindliche Übernahmen.

So kämpft in den USA zum Beispiel der Biotech-Konzern Medivation aktuell gegen eine unaufgeforderte Offerte des französischen Pharma-Konzerns Sanofi.

Und abseits der großen Deals versuchen Hedgefonds gleich mehrfach, unterbewertete Unternehmen zu kapern.

Angesichts des Niedrigzinses, niedriger Unternehmens-Bewertungen und robuster Bilanzen, geht der Übernahme-Sensor von einer robusten 2. Jahreshälfte im Übernahme-Geschäft aus.

Vermutlich wird auch in Westeuropa die Anzahl feindlicher Offerten zunehmen.

Egal ob freundlich oder feindlich: Es lohnt sich für Sie im aktuellen Seitwärtsmarkt, auf Übernahme-Kandidaten zu setzen, um von Übernahme-Angeboten zu profitieren.

16. Juni 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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