Trotz China-Angst: Dividenden bleiben die besseren Zinsen

Aus Sicht der Investoren bleibt das Glas an den Börsen weiterhin halb leer: Werden gute Konjunkturdaten veröffentlicht, sinken die Kurse aufgrund steigender Zins-Ängste.

Fallen die Konjunkturdaten schwach aus, wie heute erlebt, steigt die Angst vor einer konjunkturellen Abkühlung.

Das Ergebnis: Der deutsche Leitindex DAX sackte heute um gut 2% auf 10.015 Punkte ab.

An den Aktienmärkten bleibt die Volatilität hoch. Das bedeutet, dass Sie auch weiterhin mit großen Schwankungen leben müssen.

Nachdem der DAX sehr stark in das neue Börsenjahr gestartet ist (das Glas war damals stets halb voll), sorgten zunächst die Ängste um einen möglichen Euro-Austritt oder -Rauswurf Griechenlands (Grexit) für Turbulenzen an den Börsen.

Nachdem sich die Sorgen um Griechenland weitgehend gelegt hatten, folgte dann mit den Sorgen um die chinesische Konjunktur (das sich abschwächende Wirtschaftswachstum in China) der nächste große Belastungsfaktor.

Das war dann ein Angst-Faktor zuviel für die Unsicherheit hassenden Börsianer. Denn: Je größer die Unsicherheit, desto größer die negativen Auswirkungen an den Märkten.

Viele Börsianer sind in den vergangenen Tagen und Wochen daher vermehrt in den vermeintlich sicheren Hafen der Staatsanleihen geflüchtet.

Das Kuriose dabei ist, dass aktuell die Staaten hoch verschuldet sind und nicht die Unternehmen. Daher handelt es sich aus meiner Sicht auch nur um einen vermeintlich sicheren Hafen.

Daneben ist es so, dass Sie für Anleihen von als relativ sicher geltenden Staaten so gut wie keine Zinsen mehr bekommen. In jeder Krise gibt es auch Gewinner.

Zinsausgaben des Bundes auf 24-Jahres-Tief

Der Bund muss Medienberichten zufolge in den kommenden Jahren so wenig Zinsen zahlen wie seit 1991 nicht mehr.

Das Bundesfinanzministerium rechne für 2015 mit Zinsausgaben von 23,2 Mrd. €, berichtete die „Bild“-Zeitung in ihrer Dienstagsausgabe unter Berufung auf den Finanzplan.

Für das Jahr 2017 seien Zinsausgaben von 22,4 Mrd. € veranschlagt. Erst danach sollen die Ausgaben nach Einschätzung des Finanzministeriums wieder anziehen, heißt es in dem Vorab-Bericht.

So sei 2018 mit 25,6 Mrd. € zu rechnen und im Jahr 2019 mit 27,2 Mrd. € (wobei der Anstieg aus meiner Sicht noch fraglich ist, da niemand weiß, wie lange die EZB die Zinsen Richtung 0% drückt – die Zinswende muss in Europa noch nicht 2016 erfolgen).

Damit ist klar, dass die verschuldeten Staaten die großen Gewinner der aktuellen Nullzins-Politik der Notenbanken sind. Und Deutschland ist dabei einer der besonders großen Gewinner. Doch auch hier gilt: Wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer.

Wer aber sind die Verlierer? Das sind v. a. die Sparer, die sich seit einiger Zeit faktisch enteignen lassen und damit dem Staat dabei helfen, sich zu entschulden.

Denn: Die Sparer, die so niedrige Zinsen erhalten, dass nach Abzug von Steuern und Inflation de facto nicht einmal mehr der Vermögenserhalt möglich ist, lassen sich auf Kosten des Staates enteignen.

Nur wenige Sparer nutzen den Ausweg

Doch es gibt einen Ausweg: Sparer können ihr Vermögen umschichten und beispielsweise in dividendenstarke Aktien investieren, statt auf Zinspapiere mit extrem niedrigen Zinsen zu setzen.

Diesen Ausweg nutzen jedoch nur die wenigsten Deutschen. Denn die Aktienquote in Deutschland erhöhte sich zuletzt trotz der Niedrigzinsen nicht.

Ein Grund dafür ist, dass viele Menschen die Schwankungen an den Aktienmärkten scheuen und aufgrund der aktuell besonders hohen Volatilität lieber sichere kleine Verluste akzeptieren, statt auf wahrscheinliche Gewinne zu setzen.

Wie ich das meine? Ganz einfach: Die Sparer, die eine so niedrige Verzinsung in Kauf nehmen, dass sie unterm Strich enteignet werden, setzen auf sichere Verluste.

Die Alternative wäre, auf dividendenstarke Aktien – und somit auf wahrscheinliche Gewinne – zu setzen.

Dafür müssten die Sparer allerdings die Schwankungen an den Aktienmärkten ertragen. Eine andere Alternative wäre – und dazu rate ich – die Schwankungen einfach Schwankungen sein zu lassen.

Oder anders gesagt: Ignorieren Sie die Schwankungen an den Aktienmärkten!

Die 30 DAX-Unternehmen kommen im Durchschnitt auf eine Dividendenrendite von etwas mehr als 3%. Diese Dividende kann Ihnen nach der Ausschüttung niemand mehr nehmen.

Und wenn Sie die Dividende versteuern und die Inflation abziehen, bleibt unterm Strich immer noch eine positive Rendite übrig.

Wenn Sie gleichzeitig langfristig orientiert anlegen (also über mindestens 5 bis 10 Jahre), ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie neben der Dividendenrendite, die Sie über die Jahre erzielt haben, auch noch auf einen attraktiven Kursgewinn kommen.

In der Langfristbetrachtung (seit der DAX-Gründung im Jahr 1988) kommt der DAX auf eine jährliche Wertsteigerung (Kursgewinne + Dividenden) von rund 8%!

1. September 2015

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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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