Trotz Handelsspannungen: Übernahme-Volumen in Westeuropa zieht weiter an

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Das Übernahme-Geschäft boomt. Es könnte das beste Jahr aller Zeiten werden, doch ein politisches Restrisiko bleibt. (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Die langjährige Statistik zeigt, dass die Übernahme-Aktivität in guten Börsenphasen höher ausfällt als in schwachen Phasen. Das ist auch verständlich, denn dann läuft in der Regel auch die Konjunktur besser.

Ein Deal sollte sich dann – zumindest ist das die Überlegung der Käufer – schneller bezahlt machen. Leider zeigt eine andere langjährige Statistik, dass gerade die Übernahmen, die in guten Börsenphasen ausgehandelt wurden, sich häufig auch als zu teuer entpuppten.

Dies galt insbesondere dann, wenn kurz vor einer Abkühlung der Konjunktur zugekauft wird. Ein Jahr später folgen dann hohe außerplanmäßige Abschreibungen.

Wachsende Unsicherheit könnte Lust auf Deals im weiteren Jahresverlauf dämpfen

In den zurückliegenden Wochen haben die Handelsspannungen zwischen den USA auf der einen und China sowie Europa auf der anderen Seite weiter zugenommen. Der befürchtete protektionistische Wirtschaftskurs des US-Präsidenten Donald Trump ließ lange Zeit auf sich warten – jetzt ist er da.

Dementsprechend nervös reagiert die Börse: DAX und Co. gerieten zu Wochenbeginn aus Angst vor einer weiteren Eskalation im Handelsstreit unter Druck und eine weitere Prognose ist schwierig.

Sollte die Investitionsbereitschaft aufgrund der mit dem Handelsstreit verbundenen Unsicherheit zurückgehen, könnte das den Indizes rund um den Globus zusetzen.

Noch ist es nicht soweit, die konjunkturelle Lage kann als sehr robust bezeichnet werden -doch die Risiken nehmen zu. Das wiederum könnte dann auch dazu führen, dass die Bereitschaft für Übernahmen und Fusionen im weiteren Jahresverlauf nachlässt.

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Übernahme-Volumen in Westeuropa höher als in Nordamerika

Aktuell brummt das Übernahme-Geschäft. Ich hatte Ihnen in einer früheren Ausgabe vom weltweiten Übernahme-Volumenanstieg in Höhe von 26% im ersten Quartal berichtet. Neue Daten des Übernahme-Instituts Bureau van Dyck zeigen, dass die Lust auf Deals auch im Mai nicht nachließ.

Im Gegenteil: Das Übernahme-Volumen in Nordamerika und Westeuropa legte im Jahresvergleich weiter zu. Besonders stark stieg das Volumen in Westeuropa. Dort lag das Übernahme-Volumen sogar höher als in den USA, dem Mutterland der Übernahmen und Fusionen.

Vieles spricht für das beste Übernahme-Jahr aller Zeiten – doch Restrisiko bleibt

Im Mai wurden in Westeuropas Deals im Volumen von 180 Mrd. Euro angekündigt. Dies ist der bislang höchste Wert in 2018 und in den vergangenen 12 Monaten. Gegenüber dem starken April legte das Volumen um 21% zu, gegenüber dem Mai 2017 sogar um 62%.

Damit bleibt das Übernahme-Geschäft voll auf Rekord-Kurs. Sollten sich die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen nicht entschieden verändern und die konjunkturelle Lage stabil bleiben, dürfte die Volumen-Bestmarke aus 2015 getoppt werden.

Sehr häufig gilt in politisch unsicheren Phasen die alte Börsenweisheit: Politische Börsen haben kurze Beine. Sehr viel spricht dafür, dass dies 2018 einmal mehr gilt, doch das unterstellt Akteure, die sich der Tragweite ihres Handelns bewusst sind.

In der aktuellen Situation besteht jedoch zumindest die Gefahr, dass nicht jeder Spieler rational handelt oder aus den falschen Gründen Entscheidungen trifft, die großen Schaden anrichten. Kommt es dazu, könnte die Übernahme-Rekordjagd 2018 abrupt enden.

Denn die eingangs erwähnte langfristige Studie zu Übernahmen kurz vor einer konjunkturellen Abkühlung ist auch den Firmenbossen bekannt.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.