Trotz höherer Auslastung fliegt Air Berlin weiterhin Verluste ein

Die harten Sparmaßnahmen greifen langsam, aber der deutsche Ferienflieger verzeichnet weiterhin hohe Verluste. (Foto: Vytautas Kielaitis / Shutterstock.com)

Nun, da die Sommer-Reisesaison langsam dem Ende entgegen geht, trifft es sich gut, dass Reiseveranstalter und Fluggesellschaften ihre Halbjahreszahlen vorlegen und uns einen Über-blick über den bisherigen Geschäftsverlauf geben.

Europas größter Reiseveranstalter Tui Travel, an dem die deutsche Tui mit rund 54% beteiligt ist, berichtet über ein starkes Sommergeschäft und einem gegenüber dem Vorjahr um +18% gestiegenen Gewinn.

Weniger erfolgreich operierte der Reiseveranstalter Thomas Cook mit seiner Flugtochter Condor.

Das britische Unternehmen, mit starkem Standbein im deutschen Reisemarkt, klagt wie die gesamte Branche über hohe Kosten und geringe Auslastungen.

Dennoch konnte das Unternehmen seine Vorjahresverluste deutlich reduzieren und im operativen Geschäft (Reise-veranstaltungen incl. Flugbetrieb) einen minimalen Gewinn von +1 Mio. britischen Pfund (Vorjahr -23 Mio. Verlust) ausweisen.

Verluste im Flugbetrieb belasten die Konzernbilanzen

Der Gewinn hätte deutlich höher ausfallen können, wenn nicht die Konzerntochter Condor, die als drittgrößte deutsche Fluggesellschaft kräftig Verluste einfliegt, die Bilanz entsprechend deutlich belastet hätte.

Verluste im Flugbetrieb verzeichnet auch die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft, die  Air Berlin plc. Der Lufthansa-Konkurrent gab gestern Abend seine Halbjahreszahlen bekannt und konnte erneut nicht recht überzeugen.

Trotz gestiegener Flugzeugauslastungen (84,88%) fielen die Passagierzahlen weiter, das harte Sparprogramm „Turbine“ führte zu Streckenstreichungen und Flugzusammenlegungen und soll zusammen mit der Streichung von 900 Stellen (10% der Belegschaft) bis Ende 2014 bis zu 400 Mio. Euro einsparen helfen.

Der Weg, den das Management um Konzernboss Wolfgang Prock-Schauer beschreitet ist steinig und bislang von mässigem Erfolg gekrönt.

Der Umsatz fiel wegen des verringerten Flugan-gebotes um 2% auf 1,1 Mrd. Euro zurück, der operative Verlust liegt bei 8 Mio. Euro.

Trotz der überschaubaren Verluste im Flugbetrieb fällt die Konzernbilanz nicht berauschend aus, hier verzeichnet das Unternehmen einen Verlust von -38 Mio. Euro. (Vorjahr -100 Mio.) und dies, obwohl nach Aussage des Managements bereits zwei Drittel der Sparziele für dieses Jahr schon erreicht sind.

Kein Wunder, dass nicht nur Branchenkenner vermuten, dem Unternehmen laufen wegen des ausgedünnten Streckennetzes die Passagiere weg und damit die Kosten davon.

Die Freizeitbranche boomtDie Verbraucher sind bereit mehr Geld für ihre Freizeitaktivitäten auszugeben. Davon profitieren neben Fernsehsender auch Reiseunternehmen und Hotels. › mehr lesen

Was die Passagiere mit den Füßen abstimmen und anderweitig ihre Flüge buchen lässt, kommt bei den Aktionäre der Air Berlin plc (WKN AB1000; Ticker AB1) heute am frühen Morgen gut an.

Mit frischen Aktienkäufen lassen sie die Air Berlin-Aktie in den ersten Handelsminuten weiter steigen und setzen damit die gestrige Tagestendenz (+3% Kursanstieg) fort.

Sie zeigen damit Zuversicht, dass der schwache Ausblick, den uns der Point&Figure-Chart der Aktie zuletzt bot, doch täuschen könnte.

15082013_pfh_1_air berlin

(anklicken zum Vergrößern)

Sie sehen es im Chartbild, die letzte O-Säule zeigt einen Kursrückgang um mehr als -7% und deutet eine Umkehr des noch aktuellen Kaufsignals (grüner Kreis) an.

Kann sich die positive Entwicklung der ersten Handelsminuten weiter nach oben fortsetzen, winkt bei Kursen über 2,25 € ein neues, weiteres Point&Figure-Kaufsignal, dass das aktuelle Kursziel bei 2,65 € untermauert.

Doch das es soweit kommt, ist bislang noch keine ausgemachte Sache. Denn nutzen die Spekulanten, die bereits seit Montag zu Kursen um 2,00 € in die Aktie eingestiegen sind, die Gunst der Stunde und angezogenen Kurse, um Kasse zu machen, könnte es durchaus sein, dass sich der Negativtrend des Charts wieder fortsetzt.

Und sehen wir Kurse von unter 2,00 € (rote Unterstützungslinie) und damit unterhalb der grünen  Aufwärtstrendlinie, haben wir gar ein klares Point&Figure-Verkaufssignal für die Air Berlin-Aktie.

Wie häufig an dieser Stelle haben wir also auch bei der Air Berlin-Aktie keine eindeutige Chart-situation. Sofern Sie überlegen, mit den gestrigen Geschäftszahlen in die Aktie zu investieren, rate ich Ihnen zur Vorsicht.

Kaufen Sie nicht um jeden Preis und bitte, achten Sie auf einen entsprechenden Stopp-Loss.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt