Trotz Niedrigzinsen: Dieser Versicherer steigert Gewinn und Dividende

Die verkürzte Börsenwoche – an Karfreitag bleiben in Deutschland die Märkte geschlossen – startete heute verhalten. Ein ständiges Auf und Ab spiegelte die wechselhafte Stimmung wieder. Deutlich höher als erwartet ausgefallenen Steuereinnahmen stand unter anderem ein wieder fallender Ölpreis gegenüber.

Auf größeres Interesse stießen heute die Papiere von Talanx. Der Versicherungskonzern sieht nach dem eingeleiteten Abschied aus der klassischen Lebensversicherung wieder optimistischer in die Zukunft. Die Erwartungen für 2016 erhöhte Vorstandschef Herbert Haas.

Im vergangenen Jahr erzielte Talanx, zu der Marken wie die HDI Versicherung gehören, den zweithöchsten Gewinn ihrer Geschichte. Das lag vor allem am Rekordgewinn beim Rückversicherer Hannover Rück, an dem Talanx die Mehrheit der Anteile hält. Zudem lief auch das Erstversicherungsgeschäft deutlich besser als erhofft.

Gewinn steigt um 15 Prozent

Insgesamt stieg der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) um rund 15 Prozent auf 2,18 Mrd. Euro – Experten hatten mit weniger gerechnet. Unter dem Strich ging der Gewinn zwar um knapp fünf Prozent auf 734 Mio. Euro zurück, doch damit fiel er deutlich höher aus als befürchtet. Talanx hatte wegen hoher Abschreibungen im Deutschland-Geschäft im vergangenen Sommer die Zielmarke auf 600 bis 650 Mio. Euro gesenkt.

Positiv machte sich bemerkbar, dass es laut Talanx „nur vereinzelt zu größeren Naturkatastrophenereignissen kam“. Lediglich eine von Menschen ausgelöste Katastrophe schlug sich negativ nieder: Die Explosionen in der chinesischen Hafenstadt Tianjin kosteten den Versicherer konzernweit 154 Mio. Euro.

„Das Jahr 2015 haben wir genutzt, die notwendigen strategischen Weichenstellungen vorzunehmen“, sagte Haas. Unter anderem hatte Talanx den Unternehmenswert des deutschen Lebensversicherungsgeschäfts im vergangenen Sommer auf Null abgeschrieben und den Ausstieg aus der klassischen Lebensversicherung mit Garantiezins beschlossen.

Investitionen in Digitalisierung und Automatisierung

Weiterhin wird der Versicherer mit den Niedrigzinsen kämpfen müssen. Haas erwartet, dass die Rendite auf die Kapitalanlagen des Konzerns nach 3,6 Prozent im Vorjahr nun nur noch mindestens 3 Prozent erreicht. Für 2016 erwartet Konzernchef Haas unter dem Strich einen Gewinn von rund 750 Mio. Euro. Bislang hatte er lediglich „mehr als 700 Mio. Euro“ als Ziel angegeben.

In diesem Jahr will Haas das Privat- und Firmenkundengeschäft weiter gründlich umbauen und vor allem in die Digitalisierung und Automatisierung investieren. So soll neue Software helfen, die Kosten in der Schaden-, Unfall- und Lebensversicherung von Privat- und Firmenkunden in Deutschland bis zum Jahr 2020 um 240 Mio. Euro zu senken.

Und so soll auch künftig genügend für die Aktionäre abfallen: Talanx will die Ausschüttungsquote stabil bei 35 bis 45 Prozent des Nettogewinns halten. Im Mai erhalten die Talanx-Anleger eine um fünf Cent auf 1,30 Euro je Aktie erhöhte Dividende.

21. März 2016

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Philipp Ley
Von: Philipp Ley. Über den Autor

Philipp Ley ist ausgebildeter Wirtschaftsjournalist mit Stationen u. a. bei n-tv, Financial Times Deutschland, Rheinischen Post und der Aktien-Analyse. In den vergangenen zwölf Jahren hat er zudem als Kommunikations- und Investor-Relations-Berater zahlreiche Geschäftsberichte erstellt: für kleinere aufstrebende Unternehmen ebenso wie für Börsenschwergewichte.

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