Trotz Terrorgefahr ist die Reiselust ungebrochen

Während die Türkei und Nordafrika immer stärker von Touristen gemieden werden, florieren die Geschäfte in Italien, Spanien oder Portugal. (Foto: Philip Lange / shutterstock.com)

Angesichts der jüngsten Terror-Anschläge und der politischen Auseinandersetzungen mit der Türkei könnte man meinen, dass die europäische Reiselust im Keller wäre.

Schaut man aber auf die Verkehrszahlen der europäischen Flughäfen, zeigt sich ein gegenteiliges Bild: Die Reiselust der Europäer ist ungebrochen.

Allerdings verlagern sich die Reisetrends: Während die Türkei und Nordafrika immer stärker von Touristen gemieden werden, florieren die Geschäfte in Italien, Spanien oder Portugal.

Auch bei den Fernreisen konnte ein deutliches Plus erzielt werden.

Flughafen-Betreiber profitieren von ungebrochener Reiselust

Klare Profiteure von dieser Entwicklung sind Fraport und die Flughafen Wien AG:

Beim Flughafen Wien stieg der Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr um 13,5% auf 742 Mio. €. Der Gewinn konnte dabei um 3% zulegen.

Bei Fraport sah es ähnlich aus: Hier mussten zwar kleinere Umsatz-Rückgänge verkraftet werden, dafür stieg der Gewinn aber um über 1/3 auf 375 Mio. €.

Beide Flughafen-Betreiber möchten jetzt noch kundenfreundlicher werden. Besonders auffällig sind die jüngsten Bemühungen von Fraport:

Der Frankfurter Konzern möchte zusammen mit seinen strategischen Partnern die Digitalisierung der Flugreise vorantreiben und gleichzeitig ein umfassendes Dienstleistungs-Angebot in der Luft und nach der Landung garantieren.

Wir sind gespannt, ob sich aus diesem Konzept ein echtes Alleinstellungsmerkmal entwickeln wird.

Digitalisierung fordert Opfer

Die Digitalisierung hat in der Medien-Branche für eine strukturelle Veränderung gesorgt. Dieser Paradigmen-Wechsel schlägt sich jetzt bis auf die Dienstleistungs-Branche durch:

Junge Start-up-Firmen machen den eingefleischten Konzernen die Marktpositionen streitig. Schmerzlich musste das jetzt der Marktbeobachter GfK begreifen.

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Kleinere Unternehmen bieten dynamischere und kostengünstigere Alternativen zu der teuren Marktforschung von GfK an.

Der Konzern zog die Notbremse und hat erstmals seit 80 Jahren keine Dividende an seine Aktionäre ausgeschüttet.

Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich in der sogenannten „FinTech“-Branche ab.

Unter diesem Oberbegriff werden alle digitalen Finanz- und Kapitalmarktdienstleistungen zusammengefasst.

Junge Firmen bieten hier innovative Lösungen an, die sogar den Banken Kopfzerbrechen bereiten. Auch die nachgelagerten Finanz-Dienstleister haben hiermit ein Problem.

Zu nennen wären H&R Block, Moody’s und Paychex. Alle 3 Konzerne haben eher durchwachsene Zahlen präsentiert und müssen sich jetzt auf einen viel härteren Wettbewerb einstellen.

Wie dieser ausgehen wird, ist noch völlig unklar. Jedenfalls hat sich das Wettbewerbs-Umfeld erfrischend dynamisiert.

Daher können wir bald Innovationen und Konsolidierungen erwarten.

Gewagter Zusammenschluss geglückt

Allerdings können Konsolidierungen und Zusammenschlüsse auch Vorteile bringen. Bestes Beispiel ist der jüngste Erfolg von dorma+kaba.

Durch den Zusammenschluss von Dorma und der Kaba Holding haben die Kunden jetzt nur noch einen Ansprechpartner, der ganze Komplett-Lösungen im Bereich Sicherheit und Zutritts-Lösungen anbieten kann.

Sie müssen also nicht mehr die vielen verschiedenen Wettbewerber miteinander vergleichen, sondern können direkt einen Gesamtpreis aushandeln.

Die Ergebnisse geben dem Konzern Recht.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.