Trotz Übernahme-Offerte: Blackberry rauscht weiter abwärts

Ein seltener Fall von wachsender Übernahme-Prämie erleben gerade die Investoren des kanadischen Smartphone-Herstellers Blackberry. Prinzipiell könnte man sich freuen, wenn die Übernahme-Prämie steigt, doch leider ist das in diesem Fall genau anders rum.

Denn die Prämie steigt, weil die Blackberry-Aktie weiter an Boden verliert. Aktuell fällt das Papier in einem guten Marktumfeld um 1,4% auf 7,90 US-$. Das sind 12,2% weniger als die potenzielle Übernahme-Offerte von Fairfax Financial.

Investoren sehen schwindende Übernahme-Chance – Watsa will beruhigen

Der hohe Abschlag zum Angebot signalisiert, dass inzwischen mehr Investoren befürchten, dass der Deal nicht zu Stande kommt. Immerhin ist das Übernahme-Angebot noch nicht bindend und Fairfax kann jederzeit ohne Strafzahlung den Deal platzen lassen.

Der Kursrückgang ist auch dem Fairfax-Chef Prem Watsa aufgefallen.

Er versucht den Investoren die Angst zu nehmen und argumentiert in die Richtung gehend, dass er in den vergangenen 28 Jahren nie nachverhandelt hätte, um den Preis zu drücken. Auch habe er die volle Absicht Blackberry zu übernehmen.

Suche nach Partnern wird schwieriger

Das Watsa an den Deal festhalten will, ist ehrenhaft und schön – Problem nur, dass der fallende Kurs die Deal-Finanzierung beeinflusst. Fairfax will Medienberichten zufolge noch andere Finanzinvestoren mit ins Boot nehmen.

Offenbar ist Fairfax jedoch noch nicht auf großes Interesse gestoßen. Wenn die Aktie jetzt trotz des Angebots weiter in den Keller rauscht, dürfte das Interesse auch gering bleiben. Ist hier schon die Abschreibung von morgen eingeplant?

Wie will man rechtfertigen, dass investiert wurde, obwohl der Markt klar signalisiert hat, dass die Aktie ohne Deal ziemlich sicher keine 9 Dollar wert ist?

T-Mobile USA verbannt Blackberry in den Online-Shop

Der Kursrückgang ist nicht direkt die Folge, dass der Markt annimmt, aus der Übernahme wird nichts. Dies ist der zweite Schritt.

Der Auslöser für die gewachsene Skepsis war die Ankündigung von T-Mobile USA, dass die Blackberry-Phones aus den Regalen genommen werden sollen.

Die Geräte können zwar noch online geordert werden, doch wenn die Kunden im Laden die Auswahl zwischen einem Smartphone haben, dass sie vor Ort testen können und den Blackberry-Fotos am Computer des Verkäufers, dann stärkt das nicht gerade die Wettbewerbsposition.

National Bank-Analyst: „Aktionäre sollten das Geld nehmen und rennen“

Der Übernahme-Sensor hat inzwischen noch größere Bauchschmerzen, ob der Deal planmäßig über die Bühne geht. Mit jedem Cent den die Aktie verliert, sinkt die Übernahme-Chance und wird die Partnersuche schwieriger.

Die Kursentwicklung zeigt mir, dass mehrere Investoren einen guten Moment sehen, um das sinkende Schiff zu verlassen.

Offenbar hören Anleger auf die Worte von National Bank-Analyst Kris Thompson: „It’s still a long shot that new owners can turn the company around, so shareholders should take the money and run.

26. September 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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