Trügt das Verhältnis zwischen Macron, Merkel und Schulz?

Emmanuel Macron spart nicht mit Kritik – v. a. an Deutschland, das für die Harmonisierung der Eurozone blechen soll. Hier mehr dazu: (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Emmanuel Macron ist der neue Präsident Frankreichs, der nicht nur sein eigenes Land, sondern auch Teile der Europäischen Union umbauen will.

Setzen sich die Franzosen gegen die Deutschen durch?

Wir haben Ihnen aufgezeigt, weshalb es zu einem 1. Affront zwischen Berlin und Paris kommen könnte:

Während die Bundesregierung die EZB-Anleihekäufe bis zum Ablauf der Frist am 1. Januar 2018 vollends beenden will, wollen die Franzosen sie bis zu den Wahlen in Italien im nächsten Frühjahr weiterlaufen lassen.

Sehr wahrscheinlich wird sich die französische Haltung durchsetzen. Und deshalb wird es spätestens dann wohl zu einem handfesten Krach mit den Deutschen kommen.

Trügt das herzliche Verhältnis zwischen Macron, Merkel und Schulz?

Jetzt jedoch betonte Macron, wir sagten es bereits, dass die Drähte zu Angela Merkel und zum SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz sehr herzlich wären.

Ferner betonte der neue Bonaparte, dass es nicht voran gehe würde, wenn Frankreich und Deutschland nicht an einem Strang zögen.

Das gelte insbesondere für die Wirtschafts- und Sicherheits-Politik in der EU. Deutschland würde erwarten, dass Frankreich endlich strukturelle Reformen einleite.

Solange diese hinausgezögert werden, könnten die Franzosen nicht auf das Vertrauen der Deutschen hoffen, die in diesem Punkt bereits 2003 und 2007 enttäuscht worden seien.

Knallharte Deutschland-Kritik von Macron

Das alles scheint sich doch schon einmal gut anzuhören – zumindest in den Ohren der Bundesregierung  – finden Sie nicht auch?!

Eigentlich schon, wenn darauf nicht gleich harte Kritik folgen würde.

Denn Macron machte gleich darauf unmissverständlich klar, dass Deutschlands wirtschaftliche Stärke in der jetzigen Ausprägung nicht tragbar sei.

Die Deutschen würden von dem Ungleichgewicht in der Eurozone profitieren und sehr hohe Handel-Üüberschüsse erzielen.

Diese wären weder für die deutsche, noch für die Wirtschaft der Eurozone gut. Hier müsse ein Ausgleich geschaffen werden.

Macrons EU-Vergemeinschaftungs-Ideen

Ohnehin müsse, so Macron weiter, die Eurozone in den nächsten 10 Jahren die Harmonisierung der Wirtschafts-, Finanz- und Sozial-Politik anpacken.

Ihm zufolge gehört dazu eine Angleichung des Arbeitsrechts, der sozialen Mindest-Standards und der Finanz-Politik.

Außerdem zähle die Schaffung einer Art Korridor für Unternehmens-Steuersätze, um einen wirklich gemeinsamen Markt zu erreichen, dazu.

Harmonisierung der EU auf Kosten Deutschlands?

Macron setzt dabei auf eine gemeinsame Investitions-Politik und ein gemeinsames Budget für die Eurozone, kontrolliert von einem Eurozonen-Parlament.

Und ausgeführt soll das Ganze werden von einem Eurozonen-Wirtschafts- und Finanzminister.

Sprich: Macron will eine gemeinsame Wirtschafts-Regierung in der EU, die alle Probleme und Schwierigkeiten von Paris über Berlin bis nach Athen unter einen Hut bringt.

Und wer soll dafür aufkommen? – Die finanzstarken EU-Länder, allen voran natürlich Deutschland – und damit Sie als Steuerzahler.

Die EU kann vollends zerbrechen – die ersten Anzeichen sind längst da

Trotz aller Kritik für seine Pläne glaubt Emmanuel Macron, dass sich die EU selbst blockiert und sei in einer „Logik der stillschweigenden Selbstdemontage“ gefangen.

Er verweist darauf, dass sich beispielsweise die Briten von einem gemeinsamen Haus abgewandt und die Polen sich radikalisiert hätten; mit einer Regierung, die die europäischen Werte nicht teile.

Die schwache und kränkelnde Europäische Union

Emmanuel Macron sagte ferner, dass die EU heute schwächer sei als noch vor der Krise.

In diesem Punkt stimmen Viele dem neuen französischen Präsidenten allerdings voll und ganz zu.

Sie dürfen also gespannt sein, ob und wie die Pläne Macrons nicht nur in Frankreich, sondern auch in Europa umgesetzt werden – und wie viel Sie letztlich dafür bezahlen müssen.

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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.