Trump-Affäre bewegt die Märkte

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Das Börsengeschehen ist zurzeit höchst volatil – nicht zuletzt dank der politischen Unsicherheiten in Sachen Brexit und Trump. (Foto: Raihana Asral / Shutterstock.com)

Politische Börsen haben kurze Beine, heißt es stets – doch dieser Tage sind es, wieder einmal, die politischen Turbulenzen, die Anleger in Atem halten und die Kurse der großen Indizes bewegen.

Politische Verwerfungen sorgen für Verunsicherung

In Europa ist es vor allem die nach wie vor völlig unklare Entwicklung in Sachen Brexit, die für Verunsicherung sorgt. Ohne zu wissen, was auf sie zukommt, fällt es den Unternehmen nachvollziehbarerweise schwer, sich vernünftig auf den Tag X vorzubereiten – dass dieser tatsächlich am 31. Oktober eintritt, daran glaubt außer Boris Johnson eigentlich kaum noch jemand.

Von dem Angriff auf die Ölanlage in Saudi Arabien hat sich der Ölpreis inzwischen einigermaßen erholt. Er war unmittelbar nach dem Anschlag in die Höhe geschnellt, allerdings nur kurzzeitig. Zwar dürfte ein beachtlicher Teil der globalen Ölproduktion für längere Zeit ausfallen, doch angesichts hoher Lagerbestände und nicht ausgeschöpfter Kapazitäten in anderen Förderländern wie Russland erscheint das für den Gesamtmarkt verkraftbar.

Nun also doch: Impeachment gegen Trump eingeleitet

Die dritte große Unbekannte, die derzeit die Märkte beschäftigt, ist die Affäre um US-Präsident Donald  Trump. In seiner an Skandalen nicht gerade armen Amtszeit ist mit den aktuellen Enthüllungen um ein Telefonat Trumps mit dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj ein Punkt erreicht, an dem die Demokraten den Schritt des Amtsenthebungsverfahrens wagen.

Oftmals wurde die Einleitung dieses sogenannten Impeachments in den vergangenen Jahren gefordert, doch jedes Mal kam Trump mit seinen Eskapaden weitgehend ungeschoren durch. Das jetzige Verfahren jedoch birgt für die Demokraten in erster Linie ein hohes Risiko – denn die Erfolgschancen sind gering.

Keine Alternative in Sicht

Ein Jahr vor der nächsten Präsidentschaftswahl erscheint es unwahrscheinlich, dass die Republikaner Trump den Rücken kehren. Selbst wenn viele seiner Parteifreunde unzufrieden und wenig einverstanden sind mit Trumps Amtsführung – würde man dessen Anhängerschaft unter den Wählern verprellen, hätten die Demokraten wohl gute Chancen aufs Weiße Haus im kommenden Jahr.

Wenden sich die Republikaner aber nicht von Trump ab, wird ein Impeachment spätestens an der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit scheitern die es braucht, um den Präsidenten tatsächlich aus dem Amt zu jagen. Ob es den Demokraten gelingen wird, auch aus einem gescheiterten Verfahren politisch Profit zu schlagen, ist ungewiss.

Dafür bräuchte es eine kluge PR und einen charismatischen Kandidaten. Bislang ist aber weder bei den Demokraten noch bei den Republikanern eine Führungspersönlichkeit in Sicht, die es im kommenden Jahr mit Trump aufnehmen und gewinnen könnte.

Zollstreit mit China bald beigelegt?

In Sachen Zollstreit mit China immerhin deutete der Präsident in den vergangenen Tagen eine mögliche Annäherung an. Ein Deal stehe möglicherweise kurz bevor – wie viel von solcherlei Ankündigungen jedoch zu halten ist, kann man bei einem Akteur wie Trump nie so ganz wissen.

Und so bleibt für die Märkte in diesen Tagen vor allem eines: die Ungewissheit. Anleger reagierten unterschiedlich auf die politischen Entwicklungen der vergangenen Woche. An europäischen Märkten herrschte eher vorsichtige Zurückhaltung, an der Wall Street wechselte die Stimmung zwischen Hoffen und Bangen.

Mit Blick auf das drohende Abrutschen in eine Rezession dürften auch die kommenden Wochen von Volatilität geprägt sein.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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