Trump: Die große Lüge von der starken Wirtschaft

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Wie schwach ist die US-Wirtschaft wirklich? Doch nicht alles Rosa? Trump fordert Zinssenkungen und Quantitative Easing. Die FED muss den Geldbeutel aufmachen. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

Trump setzt die US-Notenbank immer wieder unter Druck. Er will eine Zinssenkung um 100 Basispunkte und am liebsten Quantitative Easing. Die FED soll also auch noch Anleihen kaufen, während sie die Zinsen um 1 Prozent senkt. Wann gibt es das Helikoptergeld für alle?

Die USA sind offenbar doch nicht so stark, wie es immer wieder gepredigt wird. Kommt bald eine Rezession? Die Menschen spüren es offenbar schon, der Konsum geht zurück. Auch das soll wiederum verhindert werden, indem jetzt die Mehrwertsteuer gesenkt wird – so die Pläne. Weniger Steuern, günstigere Produkte und mehr Umsatz. So kann man kurzfristig die Wirtschaftszahlen auch schönen. Fragen Sie mal den Automarkt in China – da lief es ähnlich:

Einmal kurz Rabatte und alle kaufen sofort, die es eh geplant hatten. Manche auch etwas früher, einfach aufgrund des guten Deals. Doch was ist dann? Dann folgt die Sintflut, denn danach bricht der Konsum umso krasser ein. Schließlich ist es nach den Rabatten wieder teurer und vor allem hat dann schon jeder das gekauft, was er kaufen wollte. Wir holen somit nur noch weiter aus, damit der nächste Crash noch größer wird und die Wirtschaft noch mehr schrumpfen kann.

Es gibt keine Rezession – die ist verboten

Witzigerweise hält sich aber keine Rezession daran. Wenn es soweit ist, kommt sie einfach. Sie kann zwar wie jetzt versucht wird, künstlich hinausgezögert werden. Aber mit welchem Effekt? Dann kommt sie einfach ein paar Monate später. Das Timing ist für Trump jetzt nicht einfach. Er will bis zur Wiederwahl die Märkte oben halten. Deshalb auch der Druck auf die FED.

Die Strafzölle auf Chinaware ist damit inoffiziell auch vom Tisch. Wieso sollte Trump die Produkte für Amerikaner noch teurer machen, wenn die sowieso schon weniger einkaufen? China sitzt in der Situation einfach am längeren Hebel und ist gut aufgestellt.

Kommt der große Knall noch vor der US-Wahl?

Diese Frage wird sich Trump auch ständig stellen. Er ist lange genug dabei, dass er weiß, was auf uns und die Märkte zukommt. Mit massiven Ausgaben kann die US-Notenbank sicherlich noch eingreifen, aber nicht ewig. Ewig muss es auch gar nicht sein. Schließlich ist die nächste Wahl bereits in einem Jahr. Bis dahin kann noch der Anschein gewahrt werden, dass alles in Butter ist.

Doch will Trump wirklich in seiner 2. Amtszeit eine Rezession haben? Oder glaubt er ernsthaft, er kann das Thema noch weitere vier Jahre aufschieben und es dann seinem Nachfolger in die Schuhe schieben? So oder so, Trump ist mächtig unter Druck. Würde er seinen Erfolg nicht nur an den Zahlen der Wallstreet messen, gäbe es einen Ausweg.

Apropos Ausweg: Wenn es zu Hause nicht funktioniert, wird ja meist ein Land im Osten angegriffen. Vielleicht wird hier Iran noch eine Rolle spielen. Denn wer kümmert sich schon um etwas wie eine Rezession, wenn es einen neuen Krieg im Fernsehen zu sehen gibt?

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.