Trump kritisiert Fed – und feiert EZB

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Wechselt Draghi von der EZB zur Fed? Wenn es nach Trump ginge, am liebsten ja. Der US-Präsident wünscht sich den Niedrigzins zurück. (Foto: Paul Brady Photography / shutterstock.com)

Eine Woche, zwei Notenbanken – und zwei Richtungen, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Während die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin an ihrer Nullzinspolitik festhält, ab November die Ende letzten Jahres ausgelaufenen Anleihekäufe wieder aufnimmt und den Strafzins für Bankeinlagen von 0,4 auf 0,5 Prozent erhöht hat, steuert die Federal Reserve (Fed) am anderen Ende des Atlantiks in die entgegengesetzte Richtung.

Die US-Notenbank hat bereits vor längerer Zeit damit begonnen, ihre jahrelange Niedrigzinspolitik zu beenden und das Zinsniveau schrittweise wieder anzuheben. Dieser Linie blieben die Währungshüter rund um Fed-Chef Jerome Powell auch bei ihrer jüngsten Sitzung treu.

Trump wünscht sich Draghi an Fed-Spitze

US-Präsident Donald Trump macht unterdessen keinen Hehl daraus, welche Geldpolitik er bevorzugt. Er bezeichnete die eigenen Notenbanker via Twitter als „naiv“ und forderte eine Umkehr zum Null- oder Minuszins – um sodann die US-Staatsschulden zu refinanzieren

In einem weiteren Tweet wünscht sich der Präsident gar den scheidenden EZB-Chef Mario Draghi an die Spitze der Fed. Draghi wird in Kürze von der ehemaligen Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, in der EZB-Führung abgelöst. Lagarde hat bereits angedeutet, den Kurs ihres Vorgängers fortführen zu wollen.

Deutsche Banken kritisieren EZB-Beschlüsse

Doch während Trump tobt und sich die europäische Geldpolitik auch für die USA wünscht, zeigten sich deutsche Geldinstitute enttäuscht bis alarmiert von der neuerlichen Bestätigung der expansiven Geldpolitik seitens der EZB. Die positiven Effekte dieser Maßnahmen hätten sich inzwischen abgenutzt, stattdessen überwögen die Risiken, so die Kritik.

Gerade deutsche Banken haben in der Vergangenheit, ähnlich wie private Sparer, ihre Erträge vor allem aus Zinsgeschäften gezogen. Das funktioniert seit geraumer Zeit kaum noch, da die Inflationsrate das Zinsniveau zunehmend übersteigt.

Zudem warnen Beobachter vor möglichen globalen Effekten: Auch andere Wirtschaftsräume könnten wieder zum Niedrigzins zurückkehren, parallel zur Liquiditätsschwemme der Notenbanken würde sich dadurch die Geldentwertung beschleunigen. Ankurbeln der Realwirtschaft? Fehlanzeige. In Europa mehren sich stattdessen die Anzeichen für eine Rezession.

Weltwirtschaft im Ausnahmezustand

Mehr als zehn Jahre nach dem Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts und der darauffolgenden weltweiten Finanzkrise haben die Währungshüter noch immer kein Allheilmittel gefunden, um mit den Folgen umzugehen.

Stattdessen sieht sich die Weltwirtschaft mit immer neuen ökonomischen Risiken konfrontiert, nicht zuletzt dem Handels- und Zollstreit zwischen den USA und China, die sich gegenseitig seit geraumer Zeit mit horrenden Strafzöllen überziehen. Europäische Produkte sind bislang in vergleichsweise geringem Umfang betroffen, doch erfahrungsgemäß kann sich unter einem US-Präsidenten Trump auch das schnell ändern, der bekanntlich immer wieder gegen die deutsche Automobilindustrie wettert.

Seinem Wunsch nach Niedrigzinsen wird die Fed indes wohl ebenso wenig nachkommen wie die EZB dem Ansinnen deutscher Banken und Finanzexperten nach einer allmählichen  Rückkehr zum Normalzinsniveau. Die Weltwirtschaft befindet sich auf absehbare Zeit weiterhin im Ausnahmezustand.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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