Trump oder nicht Trump?

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Das ist die entscheidende Frage bei der heutigen US-Präsidentschaftswahl. Anleger hoffen auf Klarheit – und fürchten das Chaos. (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Es ist soweit: Die Wahlnacht 2020 steht unmittelbar bevor, die USA wählen ihren nächsten Präsidenten. Selten war der Wahlausgang im Vorfeld so deutlich prognostiziert – und die Folgen dennoch so ungewiss.

In der Lesart des Amtsinhabers gibt es nur zwei Varianten: Entweder er wird wiedergewählt oder die Wahl wurde manipuliert. Schon in den vergangenen Wochen hat der Präsident, dem selbst einige hochrangige Republikaner die Gefolgschaft verwehren, seine Juristen in Stellung gebracht und den ihm angeblich unbekannten „Proud Boys“ bedeutet, sie sollten sich „bereithalten“.

Diese Vorkehrungen lassen Spielraum für besorgniserregende Spekulationen. Wird der Immobilienpleitier die Wahl anfechten oder gar bürgerkriegsähnliche Zustände auf den Straßen der US-Metropolen befeuern? Oder beides?

Einen sang- und klanglosen Abgang oder eine Gratulation an den Herausforderer im Falle einer Niederlage trauen ihm jedenfalls die wenigsten Beobachter zu.

Biden und Harris – kontrastreiches Duo

Joe Biden ist nicht beliebt. Er ist kein Herzenskandidat, er ist ein Kompromiss. Ein alter, weißer Mann aus eben jenem politischen Establishment, das vor vier Jahren so hart abgestraft wurde. Immerhin, mit Kamala Harris hat er einen Coup gelandet. Sie ist als versierte Juristin und schwarze Frau Mitte fünfzig das Gegengewicht im demokratischen Tandem.

Zudem profilierte sich Harris während der Kandidatensuche als scharfe Kritikerin Bidens. Dass er ausgerechnet sie als Vize nominierte, zeugt von einer Kritikfähigkeit und einem Respekt gegenüber anderen Meinungen, die dem bisherigen Amtsinhaber vollständig abgehen. Der Kontrast könnte kaum größer sein.

Die Amerikaner stimmen nicht nur über ihren künftigen Oberbefehlshaber ab. Es geht um viel mehr. Der Ausgang dieser Wahl wird darüber entscheiden, ob sich der Riss innerhalb der US-amerikanischen Gesellschaft weiter vertieft und die Lager zerklüftet, oder ob Hoffnung besteht für einen Kitt und eine Versöhnung.

Auch außenpolitisch werden Weichen gestellt: Bleibt es bei der Abkehr von internationalen Abkommen und Organisationen? Oder kehren die USA zurück in ihre Rolle als oberster Hüter westlicher Werte, als wichtigster Verbündeter seiner Alliierten?

Anleger vor US-Wahl zunehmend zuversichtlich

Die Märkte reagieren bereits im Vorfeld nervös auf die laufende Präsidentschaftswahl. Da zugleich das Repräsentantenhaus und Teile des Senats gewählt werden, ist auch bei einem Machtwechsel im Weißen Haus nicht gesichert, dass es zu einem umfassenden Paradigmenwechsel kommt, zumindest innenpolitisch. Ein demokratischer Präsident neben einem mehrheitlich republikanischen Kongress würde in der aufgeheizten Stimmung nach jahrelangen Grabenkämpfen neue Herausforderungen mit sich bringen.

Das Worst Case Szenario bleibt jedoch ein Wahlsieg Joe Bidens, der durch den Vorgänger nicht anerkannt und angefochten wird. Andeutungen in diese Richtung gab es im Vorfeld zur Genüge. Das politische Chaos, das dadurch ausgelöst werden könnte, bis hin zu einem monatelangen Machtvakuum der weltgrößten Volkswirtschaft inmitten einer globalen Pandemie wäre nicht nur aus Sicht der internationalen Partner eine Katastrophe. Auch an den Finanzmärkten ist dieses Szenario gefürchtet.

So dominierte in der vergangenen Woche die Nervosität am Parkett und sorgte für teils herbe Kursverluste. Zumindest in Frankfurt kehrte mit dem November jedoch der Optimismus zurück: Seit Freitag hat der Dax bereits rund 5 Prozentpunkte zugelegt. Anleger hoffen darauf, dass der Wahlausgang jene Klarheit zurückbringt, die während des Wahlkampfs zunehmend verloren ging.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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