Trump packt neue Zölle aus – Dax unter 13.000 Punkten

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Helle Aufregung in Frankfurt: Nicht etwa die neue SPD-Spitze, sondern ein alter Bekannter sorgt für Unruhe am Parkett. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Es war nicht die Meldung aus dem Berliner Politikbetrieb, die Anleger an diesem Montag umtrieb. Die überraschende Wahl des Duos Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken zur neuen SPD-Spitze schlug zwar in Berlin hohe Wellen, ließ den Frankfurter Börsenbetrieb aber ziemlich kalt.

Dass der zaghafte Anstieg des Dax in den Mittagsstunden dennoch jäh unterbrochen wurde und das Barometer tief ins Minus rutschte und letztlich 2 Prozent tiefer unterhalb der Marke von 13.000 Zählern den Handelstag beendete, hatte seine Ursache am anderen Ende der Welt.

Einmal mehr war es US-Präsident Donald Trump, der für Unruhe an den Aktienmärkten sorgte. Er verhängte in den Morgenstunden Washingtons sofortige Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus Argentinien und Brasilien – als Strafmaßnahme gegen die aus seiner Sicht künstlich und zu Lasten der USA geschwächten Landeswährungen beider Staaten.

Drohen nun auch Zölle gegen Deutschland?

Deutsche Anleger rüttelte das vor allem deswegen auf, weil die Zölle völlig überraschend verhängt wurden. Zwar ist man es inzwischen grundsätzlich gewohnt, dass Trump unberechenbar ist und jeder seiner Tweets ein mittelschweres politisches oder ökonomisches Beben auslösen kann, doch nachdem es in den vergangenen Wochen vergleichsweise ruhig geblieben war und selbst im Handelsstreit mit China eine Annäherung realistisch erschien, waren die Risiken aus Sicht der Anleger für eine Weile in den Hintergrund gerückt.

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Doch mit der adventlichen Besinnlichkeit und der Rallystimmung zum Jahresende ist es nun erst einmal vorbei. Denn wenn Trump von heute auf morgen Zölle gegen Argentinien und Brasilien verhängt – warum sollte nicht die Europäische Union oder auch die deutsche Automobilindustrie sein nächstes Ziel sein? Laut nachgedacht hat Trump über diese Optionen schon seit langem, gerade in den Chefetagen von BMW, Daimler und Volkswagen sorgte das für Unbehagen. Die drei großen deutschen Autokonzerne schickten bekanntlich vor rund einem Jahr eine ranghohe Delegation eigens nach Washington, um über Investitionen in neue US-Standorte zu sprechen und den Präsidenten zu besänftigen.

Unsicherheit zurück am Parkett

Bislang sind die angedrohten Strafzölle ausgeblieben, doch das kann sich offensichtlich jederzeit ändern. Dass der Dax zudem seine Unterstützungslinie bei 13.041 Zählern unterschritten hat und am Montag mit nur noch 12.964 Punkten aus dem Handel ging, macht eine schleunige Erholung auch technisch unwahrscheinlicher. Zwar lässt sich noch keine klare Tendenz ablesen, doch die Verunsicherung ist zurück am Parkett.

Unsichere Zeiten stehen zudem auch in Berlin und London bevor: Das neue SPD-Führungsduo stellt mehr oder weniger offen den Fortbestand der Regierungskoalition in Frage und in Großbritannien sprechen die Umfragen für einen deutlichen Sieg von Premierminister Boris Johnson bei den vorgezogenen Parlamentswahlen in der kommenden Woche. Beides dürfte die Märkte nachhaltig beschäftigen.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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