Tui Aktie nach Quartalsbilanz tiefrot

TUI Reisebüro RED – shutterstock_655903261 Vytautas Kielaitis

Die Tui Aktie verliert fast ein Drittel an Wert nach Vorlage der Q1-Bilanz: Kein Wunder, denn 2 von 3 Problemen dürften bleiben. (Foto: Vytautas Kielaitis / Shutterstock.com)

Herber Rückschlag zum Jahresauftakt: Der Reiseveranstalter Tui hat im vergangenen Quartal seine Verluste deutlich ausgeweitet.

Zwar ist es in der Branche nicht unüblich, dass in den Wintermonaten rote Zahlen geschrieben werden – die Hauptreisezeit im Sommer spült die Gewinne in die Kassen. Doch gleich mehrere Trends der vergangenen Monate lassen Tui nun auch weniger optimistisch auf den restlichen Verlauf des bis Ende September dauernden Geschäftsjahres blicken.

Problem Nummer eins: Mittelmeer boomt, Kanaren bleiben leer

Da wäre zunächst einmal die Verschiebung der Reiseziele. Nachdem europäische Urlauber die Türkei sowie nordafrikanische Touristenregionen rund um das Mittelmeer in den vergangenen Jahren aufgrund politischer Krisen und andauernder Unruhen gemieden hatten, steigt dort nun wieder die Nachfrage. Die Preise sind zwischenzeitlich deutlich gefallen – gut für die Sonnenanbeter, schlecht für Tui.

Denn im Umkehrschluss werden andere Reiseziele deutlich seltener gebucht, darunter beispielsweise die Kanarischen Inseln vor der afrikanischen Atlantikküste, die bekanntlich zu Spanien gehören und zeitweise von der Mittelmeerkrise profitieren konnten. Allerdings haben dort die Preise in den vergangenen Jahren angezogen. Inzwischen übersteigt das Angebot die Nachfrage, viele Betten bleiben leer oder werden lediglich als günstige Last-Minute-Angebote verkauft. Das schlägt sich in den Margen der Reiseveranstalter nieder.

Die Erholung der billigen Reiseziele rund ums Mittelmeer zulasten teurerer Alternativen dürfte sich auch 2019 fortsetzen.

Problem Nummer zwei: Rekordsommer macht Balkonien verlockender

Das zweite Problem war der außergewöhnlich lange und sonnige Sommer 2018, der viele Europäer dazu veranlasste, die Ferien zuhause oder in der näheren europäischen Umgebung zu verbringen. Fernreisen waren weniger stark gefragt. Immerhin ist hier nicht unbedingt mit einer unmittelbaren Wiederholung im laufenden Jahr zu rechnen, wenngleich man über die Wetterentwicklung im Sommerhalbjahr freilich nur spekulieren kann.

TUI Flugzeug RED – shutterstock_485404405 Fasttailwind

Die 7 größten Reiseveranstalter in DeutschlandDer Reisemarkt in Deutschland ist von einem harten Preiskampf geprägt, die größten Reiseveranstalter setzen aber Milliarden um. › mehr lesen

Problem Nummer drei: Verunsicherung rund um den Brexit

Ebenfalls Raum für Spekulationen lässt die Entwicklung rund um den Brexit. Rund 6 Wochen vor dem Austrittstermin Ende März steht noch immer nicht fest, wie das britische Dilemma ausgehen wird, ob es tatsächlich zum Brexit kommt und wenn ja, unter welchen Bedingungen.

Dies alles verunsichert britische Touristen, die stärker als sonst auf den Geldbeutel schauen, wenn es um die Reiseplanung geht. Hinzu kommt die Schwäche des britischen Pfunds, die sich ebenfalls in der jüngsten Quartalsbilanz von Tui niederschlägt. Mit einer Erholung an dieser Front ist vorläufig nicht zu rechnen, vielmehr dürfte sich das Brexit-Drama im Jahresverlauf noch weiter verschärfen.

Tui Aktie nach Q1-Bilanz tiefrot

Insofern ist es kaum verwunderlich, dass Tui seine Jahresprognose gekappt hat. Anstelle des bislang angestrebten 10prozentigen Zuwachses beim Ebitda rechnet der Konzern nun lediglich mit einem Ergebnis von 1,18 Milliarden Euro, also auf Vorjahresniveau.

Der Umsatz war im Zeitraum von Oktober bis Ende Dezember zwar um 4,4 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro gestiegen, der bereinigte Verlust vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen hat sich jedoch nach 36,7 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf nun 83,6 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Analysten hatten lediglich mit einem Verlust von 76 Millionen Euro gerechnet.

Die Tui Aktie schmierte daraufhin ab und verlor innerhalb einer Woche fast ein Drittel ihres Wertes. Zuletzt kostete das Papier nicht einmal mehr 10 Euro.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.