Tui Aktie verliert ein Drittel an Wert

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Der Reiseveranstalter Tui holt Urlauber zurück und legt sein Touristikgeschäft vorläufig auf Eis. Anleger reagieren alarmiert. (Foto: Fasttailwind / Shutterstock.com)

Die weltweite Coronakrise trifft eine Branche besonders hart: Tourismus und Flugverkehr.

Das wurde heute noch einmal deutlich. Der Reiseveranstalter Tui hat angekündigt, sein Reisegeschäft vorerst weitgehend einzustellen. Neben Flügen sind davon auch Hotelaufenthalte, Kreuzfahrten und Pauschalreisen betroffen. Die Tui-Jets sind derzeit in erster Linie damit befasst, Touristen aus den Urlaubsregionen zurückzuholen.

Anleger alarmiert – Tui Aktie bricht ein

Um die Ausfälle abzufedern, sollen Kosten gesenkt werden. Zudem beabsichtigt das Unternehmen, staatliche Hilfen zu beantragen, um die Krise zu überstehen. Die Geschäftsprognose für das laufende Jahr, die Tui im Februar herausgegeben hatte, wurde ersatzlos zurückgezogen. Angesichts der sich täglich verändernden Situation wagt man keinen Ausblick mehr in die wirtschaftliche Zukunft der kommenden Monate.

Anleger reagierten entsetzt: Die Tui Aktie brach zum Wochenauftakt um rund ein Drittel ein. Seit Anfang des Jahres rauschte der Kurs um drei Viertel in die Tiefe. Neben Tui sind auch Fluggesellschaften besonders betroffen von der Krisenstimmung der Touristikbranche und am Börsenparkett.

Reisebeschränkungen machen Airlines zu schaffen

Vor allem Billig- und Ferienflieger wie Easyjet, Ryanair oder Condor, die in erster Linie Urlauber ans Ziel bringen, müssen ihr Angebot dieser Tage deutlich zusammenstreichen. Aber auch eher businessorientierte Airlines wie die Lufthansa haben ihre Flugpläne reichlich ausgedünnt. Die Frankfurter Kranichairline spricht von einer Dimension von etwa 50 Prozent ihrer Verbindungen, die aktuell wegen der Coronakrise ausgesetzt sind.

Dabei spielt nicht nur rückläufige Nachfrage seitens der Passagiere eine Rolle: Sowohl die Urlaubslaune ist vielen vergangen als auch Ausgangssperren oder behördliche Anordnungen lassen Homeoffice und Videokonferenzen boomen, wohingegen Geschäftsreisen eher abgesagt werden.

Darüber hinaus bestehen für Reisende aus bestimmten Regionen inzwischen staatlich verhängte Einreiseverbote. Deutschland gilt wegen der hiesigen Ausbreitung des Coronavirus inzwischen als befallene Krisenregion und sieht sich mit Reisebeschränkungen etwa nach Marokko oder in die Türkei konfrontiert. Die USA haben ein einmonatiges Einreiseverbot für Reisende aus ganz Europa verhängt, davon ausgenommen sind lediglich rückkehrende US-Staatsbürger.

Zwischen Hoffen und Bangen – BRD erwartet Rezession

Aus Sicht von Klimaschützern und Arbeitsmarktforschern hat die Pandemie damit durchaus ihre positiven Seiten. So gingen die Emissionen bereits messbar zurück aufgrund des geringeren Luftverkehrsaufkommens. Auch eine Abkehr von der Präsenzkultur im Büroalltag wird häufig begrüßt.

Dennoch überwiegen die persönlichen Einschränkungen und gesamtwirtschaftlichen Nachteile eindeutig. Deutschland rechnet nun nicht mehr mit verlangsamtem Wirtschaftswachstum für das laufende Jahr, stattdessen geht man inzwischen von einer Rezession aus, die das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorjahreswert um mehr als 2 Prozent ins Minus drücken dürfte.

Wann sich die Lage entspannt, ist ungewiss – auch aus Sicht der Tourismusunternehmen. Wer für die Sommermonate bereits Reisen gebucht hat, kann diese etwa bei Tui bislang noch nicht kostenlos stornieren. Bislang geht der Konzern davon aus, den Reisebetrieb in einigen Wochen wieder aufnehmen zu können. Ob es tatsächlich rechtzeitig vor Beginn der Reisehochsaison soweit ist, vermag heute jedoch niemand vorauszusehen.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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