TUI: Reisekonzern mit Kapitalerhöhung

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Der Reisekonzern TUI führt eine Kapitalerhöhung durch. Erfahren Sie hier die wichtigsten Details und Hintergründe dazu. (Foto: Vytautas Kielaitis / Shutterstock.com)

Gestern hatte ich Ihnen hier im Schlussgong von dem Gartengerätespezialisten Einhell berichtet, einem großen Corona-Profiteur. Heute blicken wir auf ein Unternehmen, das deutlich unter den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie litt und noch leidet.

Die Rede ist vom weltweit größten Reisekonzern TUI, der kürzlich eine Kapitalerhöhung beschlossen hat, auf die ich nun im Detail eingehen möchte. Zunächst möchte ich auf einige allgemeine Punkte eingehen, die Sie zum Thema Kapitalerhöhungen wissen sollten und zu den Gründen für eine Kapitalerhöhung.

Was Sie allgemein zu Kapitalerhöhungen wissen sollten

Unter Kapitalerhöhung werden sämtliche Kapitalmaßnahmen verstanden, die auf eine Erhöhung des Eigenkapitals von Unternehmen abzielen und sowohl als Innenfinanzierung (durch einbehaltene Gewinne) als auch im Wege der Außenfinanzierung (durch externe Mittel -> z.B. durch neue Aktien wie jetzt bei TUI) durchgeführt werden können.

Kapitalerhöhungen beruhen zumeist auf betriebswirtschaftlichen Ursachen und betreffen überwiegend Kapitalgesellschaften, weil deren Kapitalbedarf hoch ist und deren Haftungsmasse im Regelfall auf das Vermögen der Gesellschaft beschränkt ist.

Generell wird dabei zwischen der effektiven und der nominellen Kapitalerhöhung unterschieden. Allen Kapitalerhöhungen ist gemeinsam, dass sie vorher durch die Hauptversammlung zu beschließen sind und erst rechtswirksam werden, wenn sie in das Handelsregister eingetragen worden sind.

Warum führen Unternehmen Kapitalerhöhungen durch

Kapitalerhöhungen sind aus betriebswirtschaftlichen Gründen erforderlich, wenn Investitionen geplant sind (Sachinvestitionen oder Beteiligungserwerb) und deren bisherige Deckungsquote durch Eigenkapital erhalten bleiben soll.

Ohne besondere Investitionspläne kommt es zu Erhöhungen des Eigenkapitals, wenn aus Bonitätsgründen (hier zur Steigerung der Kreditwürdigkeit) eine Steigerung der Eigenkapitalquote zur Verbesserung der Bilanzstruktur erforderlich ist, oder der Anteil des Fremdkapitals gesenkt werden soll, um die Zinsbelastungen zu reduzieren.

Bei TUI wird frisches Kapital benötigt, da die Bilanz infolge der erheblichen Corona-bedingten Belastungen in Schieflage geraten ist. Zudem wird sich der deutsche Staat über die Kapitalerhöhung an TUI beteiligen. Blicken wir nun konkret auf den Ablauf der Kapitalerhöhung bei TUI.

Wie funktioniert die Kapitalerhöhung bei TUI

Im Rahmen der Kapitalerhöhung bei TUI können die Aktionäre für je 29 TUI-Aktien, die sich in ihrem Besitz befinden, zusätzlich 25 neue TUI-Aktien kaufen. Der Bezugspreis der neuen Aktien beträgt 1,07 Euro. Die Bezugsrechte wurden Ihnen – sofern Sie TUI-Aktionär sind – bereits vor einigen Tagen eingebucht.

Das bedeutet: Die TUI-Aktionäre unter Ihnen haben im Augenblick zwei TUI-Wertpapiere im Depot. Die Aktien und die Bezugsrechte. Die Bezugsrechte können Sie ausüben und dabei – wie schon geschrieben – für 29 vorhandene TUI-Aktien zusätzlich 25 neue TUI-Aktien erwerben oder Sie können die Bezugsrechte über die Börse verkaufen.

Wenn Sie die Bezugsrechte ausüben wollen (= die jungen TUI-Aktien für je 1,07 Euro kaufen möchten), müssen Sie Ihren Broker bzw. Ihre Depotbank darüber informieren. Falls Sie sich für die andere Variante entscheiden: Sie können die Bezugsrechte bis zum 22. Januar handeln (warten Sie aber nicht bis zum letzten Tag). Am 29. Januar soll die Kapitalerhöhung dann planmäßig abgeschlossen werden. Wenn Sie bei TUI an bessere Zeiten nach den Lockdowns glauben, sollten Sie an der Kapitalerhöhung teilnehmen.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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