Tumult auf der Bayer-Hauptversammlung: Nicht jeder will BaySanto

Aktuell findet in Bonn die Hauptversammlung des Leverkusener Chemie-Konzerns Bayer statt.

Nachdem die Aktie in den vergangenen 6 Monaten über 20% zugelegt hatte und das Management mit Gewinnanstieg und Prognose-Anhebung gestern zu überzeugen wusste, hätte das Aktionariat durchaus zufrieden sein können.

Doch bereits am Vormittag kommt es zu Tumult auf der Hauptversammlung sowie vor dem Versammlungsort; verschiedene Gruppen machen ihrem Ärger über die Monsanto-Übernahme Luft.

Übernahme wird als wertsteigernd betrachtet….

Hintergrund: Der Leverkusener Chemie- und Pharma-Riese Bayer hat sich 2016 mit dem US-Agrarchemie-Konzern Monsanto auf eine 66 Mrd. Dollar schwere Übernahme verständigt.

Die Übernahme hat zum Ziel, den weltgrößten Agrarchemie-Konzern zu schmieden und wird von vielen Analysten – rein wirtschaftlich betrachtet – als langfristig äußerst positiv gewertet.

…doch es geht nicht immer nur ums Geld

Der Deal mit Monsanto war allerdings von Anfang an umstritten.

Umweltschützer befürchten z. B. ein Ende der Artenvielfalt, Landwirte fürchten sich aufgrund der Branchen-Konsolidierung vor steigenden Preisen für Saatgut und Pflanzenschutz.

Problematisch ist zudem, dass der Anreiz für Innovationen sinkt, was gerade mit Blick auf den Klimawandel gefährlich werden könnte.

Übernahme-Gegner sehen auch wirtschaftliche Probleme bei der größten Übernahme eines deutschen Konzerns.

Monsantos extrem schlechter Ruf, der auf Bayer abfärben könnte, gehört zu den größten Sorgen. Andere Sorgen sind der Wegfall von Arbeitsplätzen sowie der hohe Übernahme-Preis.

Das Bayer-Management hält dagegen.

Bayer verstärkt sich in einem Geschäftsbereich, der aufgrund des Bevölkerungs-Wachstums und dem Trend zu mehr tierischen Produkten langfristig hohe Wachstumsraten verspricht.

Der Deal trage dazu bei, dass die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung sichergestellt werde. Die Übernahme sei für die Aktionäre erheblich wertsteigernd.

Wenn sich Bayer nicht an der Branchen-Konsolidierung beteiligen würde, bestehe die Gefahr, gegenüber der Konkurrenz ins Hintertreffen zu geraten.

Deal-Abschluss bis Ende des Jahres erwartet – doch Zeitplan besitzt viele Unwägbarkeiten

Unterdessen teilte Bayer mit, dass die Monsanto-Übernahme im Zeitplan liege. Der Deal-Abschluss wird weiterhin für Ende 2017 erwartet.

Bei Milliarden-Deals ist es nicht unüblich, dass über 1 Jahr vergeht, bevor die Übernahme in trockenen Tüchern ist.

Wettbewerbs-Behörden rund um den Globus müssen die Monsanto-Übernahme freigeben – und das kann dauern…

Es ist auch noch gar nicht sichergestellt, ob der Deal planmäßig klappt. Bayer wird sich auf den Verkauf verschiedener Produktgruppen eingestellt haben. Doch richtig planbar ist nicht, was die Behörden verlangen.

Eine größere Baustelle auf dem Weg zur Deal-Genehmigung könnten die EU-Behörden werden:

Einige Beobachter werteten es als positiv, dass die Zusammenschlüsse von Syngenta/ChemChina und Dow Chemical/DuPont relativ unkompliziert verliefen. Doch das ist ein Trugschluss.

Die EU-Kommissarin Margrethe Vestager wies bei der Genehmigung der Syngenta-Übernahme ausdrücklich darauf hin, dass bei dem Genehmigungsverfahren Bayer/Monsanto die neue Wettbewerbs-Struktur zugrunde gelegt werde.

Für Bayer dürfte es also nicht einfacher, sondern schwieriger sein, das OK zu erhalten.

Vorstellbar ist – aber nicht sehr wahrscheinlich –, dass die Übernahme-Gegner von heute auf der Hauptversammlung 2018 den Deal-Abbruch bejubeln.

28. April 2017

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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