Tupperware-Aktie: Börsenwert schmilzt nach Gewinnwarnung drastisch zusammen

Kurse Hand Charts Crash – MR.LIGHTMAN1975 – shutterstock_413650720

Die Tupperware-Aktie knickt nach Bilanzunregelmäßigkeiten und Gewinnwarnung um mehr als 50% ein. Wie es nach dem Kurssturz jetzt weitergeht. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Wer von Ihnen kennt sie nicht – die praktischen mehrheitlich aus Kunststoff bestehenden Küchen- und Haushaltsartikel, mit denen der US-Konzern Tupperware groß geworden ist. Neben der peppigen Optik schwören viele Nutzer auf die Qualität und Langlebigkeit der Produkte.

Entsprechend positiv entwickelten sich über lange Jahre die Geschäfte des US-Konzerns. Doch seit einigen Jahren knirscht es im Getriebe. Das bestätigt auch ein Blick auf den Aktienkurs. Die Zeiten der hohen Gewinne für die Aktionäre sind längst passe. Seit Oktober letzten Jahres haben die Papiere mehr als 80% an Wert verloren. Allein in dieser Woche ging es um mehr als 50% bergab, nachdem die Vorlage der 2019er Geschäftszahlen wegen Unregelmäßigkeiten verschoben werden musste.

Die Tupperware-Aktie notiert mit 3,11 Dollar mittlerweile Lichtjahre von ihrem Allzeithoch aus dem Dezember 2013 entfernt, als die Anteilscheine noch für 96 Dollar den Besitzer wechselten. Nach der rasanten Talfahrt der Papiere ist der Börsenwert auf mickrige 153 Millionen Dollar zusammengeschmolzen.

Tupperware im Portrait

Auch wenn Sie den Konzern vielleicht nicht im Detail kennen, die Produkte des US-Unternehmens haben Sie bestimmt in Ihrem Haushalt. Aber wussten Sie eigentlich, dass es sich bei Tupperware um ein richtiges Traditionsunternehmen handelt?

Die Gesellschaft wurde 1938 von Earl Silas Tupper, dem Sohn eines Farmers und einer Wäscherin, gegründet. Beim Chemiekonzern DuPont lernte Tupper den Kunststoff Polyethylen kennen und die zukunftsträchtigen Eigenschaften dieses Materials schätzen. Im Gegensatz zu den in den damaligen Haushalten noch üblichen Werkstoffen Metall, Glas und Porzellan waren Gegenstände aus Kunststoff unzerbrechlich, flexibel, leichtgewichtig und einfacher herzustellen. Das Material ließ sich beliebig einfärben und war weitgehend geschmacks- und geruchsneutral.

Mit Tupperpartys zum Erfolg

Der Durchbruch ließ allerdings noch auf sich warten. Vor 1951 waren die Plastikschüsseln des Konzerns richtige Ladenhüter. Das änderte sich schlagartig mit der Umstellung des Vertriebsmodells. Denn Tupperware gilt als der Erfinder von Verkaufspartys im Wohnzimmer. Der Erfolge war durchaus beeindruckend. Zu seinen Hochzeiten (2013) liefen bei Tupperware 2,67 Milliarden Dollar an Umsatz durch die Bücher. Unterm Strich blieben dabei 274 Millionen Dollar an Gewinn hängen. Damit erreichte der US-Konzern damals eine Gewinnmarge von 10,26%.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr dürfte der Umsatz nur noch bei knapp 2 Milliarden Dollar und damit 12 bis 14% unter dem Vorjahresniveau gelegen haben. Beim Gewinn rechnet Tupperware mit einem Rückgang zwischen 60 und 70%.

Mit dem Rücken zur Wand

Das Zahlen sind erschreckend: Seit nunmehr acht Quartalen in Folge sinken die Umsätze. Die Firma steht mit dem Rücken zur Wand. Die Veröffentlichung des Geschäftsberichts für das abgelaufene Jahr musste wegen Ungereimtheiten verschoben werden. Millionenschwere Sonderbelastungen sind die Folge. Zudem warnt der Konzern vor schleppenden Geschäften in Brasilien, China, den USA und Kanada.

Trend zum Onlinegeschäft verschlafen

Lange Zeit setzte der Konzern auf seine klassischen Verkaufswege über Tupperpartys bevor sich Tupperware zaghaft für den Onlinevertrieb öffnete. Zuletzt verschob sich auch der Produktmix. Statt nur noch Kunststoffboxen, verkauft die Firma inzwischen immer mehr Wasserfilter, Kosmetik- und Körperpflegeprodukte. Dennoch ist Tupperware weit abgeschlagen und kämpft gegen billigere Konkurrenzprodukte.

Hohe Verschulung + massiver Umsatzrückgang

Auch für das laufende Jahr versprüht das Management wenig Zuversicht – ein Ende der Abschwächung ist nicht in Sicht. Beim Umsatz rechnet der Konzern mit rund 1,6 Milliarden Dollar, was einem Rückgang um nochmals 20% entspricht. Beim Gewinn je Aktie sollen zwischen 1,16 und 1,23 Dollar hängen bleiben und damit deutlich weniger als die Analysten bislang erwartet hatten (2,66 Dollar je Aktie).

Zugleich sitzt der Konzern auf einem gigantischen Schuldenberg von über 1 Milliarde Dollar. Es ist also höchste Zeit, dass der ehemalige Kult-Konzern ein Mittel findet, um seine schrumpfende Geschäftsentwicklung aufzuhalten.

Dupont Logo RED_shutterstock_279429353_ricochet64

Juni 2020: Die 5 größten Aktien-Positionen des Top-Investors David EinhornDavid Einhorn: Auf diese 5 Aktien verteilt Top-Investor Einhorn über 60% seines gesamten Portfolios. Sein Top-Pick ist ein Immobilienspezialist aus den USA › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Alle_Sujets_Portrait_1-31_WEB_Muehlhoff
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.