Tupperware: Spezialist für Haushaltsartikel nach gekappter Prognose im Sinkflug

Tupperware-Aktie: Küchenspezialist dampft Prognose ein und schickt Aktie auf Talfahrt. Lesen Sie, wie der US-Konzern wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren will (Foto: ricochet64 / shutterstock.com)

Ein Rat von vielen Anlageexperten lautet, nur in Geschäftsmodell zu investieren, die man auch versteht. Der Argumentation dahinter ist so simpel wie einleuchtend. Denn nur, was man versteht, kann man auch einschätzen und bewerten. Dass diese Herangehensweise aber kein Garant für Kursgewinne ist, zeigt Ihnen das Beispiel von Tupperware.

Der allseits bekannte Hersteller von Küchen- und Haushaltsutensilien ist seit geraumer Zeit im Sinkflug. Alleine seit Jahresbeginn rauschte der Kurs um 35% in den Keller. Mit der Vorlage der Quartalszahlen und der neuen Prognose beschleunigte sich der Abwärtstrend nochmals deutlich.

Tupperware im Portrait

Auch wenn Sie den Konzern vielleicht nicht im Detail kennen, die Produkte des US-Unternehmens haben Sie bestimmt in Ihrem Haushalt. Aber wussten Sie eigentlich, dass es sich bei Tupperware um ein richtiges Traditionsunternehmen. Handelt?

Die Gesellschaft wurde 1938 von Earl Silas Tupper, dem Sohn eines Farmers und einer Wäscherin, gegründet. Beim Chemiekonzern DuPont lernte Tupper den Kunststoff Polyethylen kennen und die zukunftsträchtigen Eigenschaften dieses Materials schätzen. Im Gegensatz zu den in den damaligen Haushalten noch üblichen Werkstoffen Metall, Glas und Porzellan waren Gegenstände aus Kunststoff unzerbrechlich, flexibel, leichtgewichtig und einfacher herzustellen. Das Material ließ sich beliebig einfärben und war weitgehend geschmacks- und geruchsneutral.

Mit Tupperpartys zum Erfolg

Der Durchbruch ließ allerdings noch auf sich warten. Vor 1951 waren die Plastikschüsseln des Konzerns richtige Ladenhüter. Das änderte sich schlagartig mit der Umstellung des Vertriebsmodells. Denn Tupperware gilt als der Erfinder von Verkaufspartys im Wohnzimmer. Der Erfolge war durchaus beeindruckend. Zu seinen Hochzeiten (2013) liefen bei Tupperware 2,67 Milliarden Dollar durch die Bücher.

Unterm Strich blieben dabei 274 Millionen Dollar an Gewinn hängen. Damit erreichte der US-Konzern damals eine Gewinnmarge von 10,26%. Doch seit einigen Jahren stockt es im Getriebe. Bei einem Jahresumsatz von 2,25 Milliarden Dollar in 2017 fiel sogar ein Verlust in Höhe von 265 Millionen Dollar an.

Anzahl von Shops soll deutlich erhöht werden

In Zukunft will der Konzern aber nicht nur auf die Tupperpartys setzen. Das Geschäft soll mit eigenen Studios gestärkt werden. Die Studios sollen vor allem die Kundenbindung erhöhen. Die Kunden können dort ausgewählte Produkte kaufen. Möglich sind auch Live-Vorführungen wie etwa Kochschulen zu Demonstrationszwecken. Alleine in Deutschland soll bis zu 500 Läden entstehen. Für Sie zum Vergleich: In China betreibt der Konzern bereits über 5.600 Geschäfte. Zugleich dreht der Konzern an der Kostenschraube. Im Herbst schloss das Unternehmen seine Fabrik in Frankreich und trennte sich von 235 Mitarbeitern.

Aktie nach gekappter Prognose im Sinkflug

Bislang zeigen die Bemühungen an die Erfolge der Vergangenheit anzuknüpfen, wenig Wirkung. Für das erste Quartal erwartet der Konzern einen Umsatzrückgang um 2% im Jahresvergleich. Das Ergebnis ohne Sonderfaktoren soll auf 0,87 bis 0,92 Dollar je Aktie sinken. Für Sie zum Vergleich: Bislang war Tupperware noch von 1,01 bis 1,06 Dollar je Anteilsschein ausgegangen.

Gründe für das schlechtere Abschneiden gibt es offenbar viele. So sorgten niedrigere Umsätze in Indonesien und Probleme in der Lieferkette, die sich auf die Produktverfügbarkeit in Brasilien auswirkte, für kräftigen Gegenwind. Zugleich waren die Belastungen durch die Werkschließung in Frankreich höher als erwartet. Auch für den weiteren Jahresverlauf zeigt sich Firmenchef Rick Goings zurückhaltend. Sinkende Umsätze im laufenden Quartal und eine Stagnation im zweiten Halbjahr sorgten für Unmut unter den Anleger.

Analyten wittern Kurspotenzial

Allerdings hat sich die Aktie zuletzt deutlich vergünstigt. Auf Basis der Analystenschätzungen (erwarteter Gewinn für das nächste Geschäftsjahr: 5,02 Dollar je Aktie) handelt die Aktie nur noch mit dem 8-Fachen der prognostizierten Gewinne. Ob dies ausreicht für eine Bodenbildung zu sorgen, wird sich aber erst zeigen müssen. Zumindest sehen die Analysten mit einem durchschnittlichen Kursziel von 50,60 Dollar deutliches Potenzial (akt. Kurs: 41,60 Dollar).

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.