Twilio: Anlegerliebling im Abwärtsrausch

Kurse Hand Charts Crash – MR.LIGHTMAN1975 – shutterstock_413650720

Twilio-Aktie: Cloud-Konzern im Abwärtsrausch. Gewinnmitnahmen halten trotz starker Geschäftsentwicklung unverändert an (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

In den vergangenen zwei Jahren kannte der Twilio-Kurs nur eine Richtung – steil nach oben. Konnten Sie sich Ende 2017 noch eine Twilio-Aktie für 23 Dollar ins Depot legen, mussten Sie diesen Juli bereits fast 150 Dollar je Anteilschein auf den Tisch legen. Doch seither befindet sich der Kurs im Korrekturmodus und wurde kräftig durchgereicht. Mit 109 Dollar hat die Aktie seit ihrem Jahreshoch bereits 27% an Wert eingebüßt.

Twilio – vom Nischenplayer zum Wachstumsstar

Twilio wurde im Jahr 2007 gegründet und hat seinen Hauptsitz in San Francisco. Geführt wird das Unternehmen vom Firmenmitgründer und Softwarespezialisten Jeff Lawson. Twilio bietet eine Cloud-basierte Kommunikationsplattform als Service an und ist damit im sogenannten Platform-as-a-Service Geschäft tätig. Mit seinen Softwarelösungen nimmt Twilio nicht Unternehmen direkt, sondern eher Softwareentwickler ins Visier.

Entwickler können mithilfe von Twilio und dessen Programmierschnittstelle Kommunikationsservices direkt in mobile Anwendungen (Apps) integrieren, ohne selbst umständlich einen solchen Service aufbauen zu müssen. Twilio ist damit praktisch das Rückgrat der Kommunikationsfunktion in vielen Apps, die Kunden letztendlich in die Lage versetzen, einfach und schnell über die App via Messaging in Kontakt mit dem Unternehmen (Kundenbetreuern etc.) zu treten.

Alle nutzen es und keiner weiß es

Twilio macht also z.B. einen Telefonanruf oder das Versenden einer SMS verfügbar als Software-Baustein in der Cloud. Doch dies sind nur die einfachsten Funktionalitäten, die Twilio so anbietet mit seiner Kommunikations-Plattform. Mittlerweile sind im Twilio-Produktportfolio viele weitere Kommunikationskanäle auch für Video-, Chat,- oder Social Media verfügbar. Auch wenn sich die wenigsten von Ihnen wahrscheinlich der Tatsache bewusst sind, sie haben wahrscheinlich schon alle einmal die Technologie von Twilio genutzt.

Wer seinem Uber-Fahrer eine Nachricht schreibt, bei seinem Airbnb-Host nach der Adresse fragt oder bei DriveNow eine SMS mit dem Standort seines gemieteten Autos bekommt, der nutzt heute schon, ohne es zu wissen, die Technologie von Twilio.

Netflix Logo RED_shutterstock_1054927745_Kaspars Grinvalds

Dividenden-Bringer und Netflix-Killer?6,7% Dividendenrendite sind ein Wort. Wenn gleichzeitig eine gehörige Portion Zukunft bei einer Aktie mitschwingt, ist das eine Analyse wert. › mehr lesen

Zu den Twilio-Kunden gehören unter anderem WhatsApp als auch der Uber, PayPal, Airbnb, Netflix, die ING Bank und viele mehr. Inzwischen nutzen fast 50.000 Kunden die Web-basierte Kommunikationsplattform von Twilio.

Twilio mit beeindruckenden Wachstumsraten

Mit seinen Produkten hilft Twilio den Firmenkunden ihre Geschäftsprozesse zu erleichtern. Der Erfolg schlägt sich in einer starken Geschäftsentwicklung nieder. Seit 2013 schossen die Umsätze von 49,9 auf zuletzt 650,1 Millionen Dollar in die Höhe. Allerdings steckt der Konzern, nicht zuletzt auf Grund seiner hohen Investitionen in die Weiterentwicklung seiner Produkte (zuletzt 26% der Umsätze) noch tief in der Verlustzone. In 2018 musste Twilio unter dem Strich einen Verlust in Höhe von 121,9 Millionen Dollar verbuchen.

Starkes zweites Quartal

Auch im abgelaufenen zweiten Quartal hielt die hohe Dynamik an. Die Umsätze kletterten um 86% auf 275 Millionen Dollar in die Höhe. Die Analysten waren im Vorfel „nur“ von 264 Millionen Dollar Umsatz ausgegangen. Damit hat Twilio erstmals die jährliche Run Rate von 1 Milliarden Dollar an Umsatz knacken können. Unter dem Strich blieb sogar ein kleiner Gewinn von 3 Cent pro Aktie hängen, was im Rahmen der Erwartungen lag.

Kursziel der Analysten deutlich über aktuellem Niveau

Unterdessen sind die Analysten mehrheitlich positiv gestimmt. Von 24 Experten, die sich mit der Aktie beschäftigen, raten immerhin 20 zum Kauf der Papiere. Die übrigen vier Banker stufen den Titel als Halteposition ein. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 157 Dollar nach dem Kurssturz wieder deutlich über dem aktuellen Kurs von 109 Dollar. Das scheint die Anleger momentan aber wenig zu interessieren, die momentan ihre hohen aufgelaufenen Gewinne zu sichern scheinen.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Alle_Sujets_Portrait_1-31_WEB_Muehlhoff
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.