Twitter-Aktie im Rückwärtsgang: Oops!

Die Übernahme-Gerüchte um das soziale Netzwerk Twitter werden lauter:

Gut 1 Woche nachdem die Übernahme-Story Fahrt aufnahm, heißt es nun, dass Twitter bis Ende dieses Monats eine Entscheidung darüber fällt, ob man einen Verkaufs-Prozess einleiten werde.

Die Nachricht befeuerte die Spekulationen, dass Twitter zu einem attraktiven Preis übernommen wird und ließ die Aktie weiter steigen. Auf Wochensicht legte das Papier gute 5% auf 24,87 Dollar zu.

Wer mit exzellentem Timing auf eine Trendwende oder eine Übernahme setzte, lag gestern Abend 70% im Plus.

Vergessen sind die Geschäftszahlen, die eigentlich zeigen, dass Twitter mit Wachstums- und Profitabilitäts-Problemen zu kämpfen hat.

Kleine Chance ganz groß: Die rosarote Brille

An der Börse sieht man nicht immer was man sehen müsste, sondern oft nur das, was man sehen will. Die Übernahme-Meldungen zu Twitter überschlugen sich.

Aus potenziellen Interessenten wurden kurzerhand feststehende Bieter. Der Kurs machte einen Sprung und galoppierte danach weiter.

Alle wollten die Übernahme-Chance für sich nutzten und vergaßen dabei das Wichtigste:

  1. Wie wahrscheinlich ist ein Deal?
  2. Welcher Preis könnte gezahlt werden?
  3. Was ist wenn der Deal nicht stattfindet?

Sind die 3 wahrscheinlichsten Bieter doch nicht interessiert?

Heute zeigt sich, dass die Übernahme-Chance Twitter auch Risiken besitzt.

Die Gerüchte, dass der potenzielle Interessent Google nun doch nicht als Bieter feststeht und Apple als Twitter Bieter „wenig wahrscheinlich“ ist, lassen die Aktie im Frankfurter Mittags-Handel um über 10% einbrechen.

Sollten die Gerüchte stimmen, wäre das in der Tat nachteilig für eine mögliche Übernahme. Erst gestern wurden Google und Apple vom früheren Yahoo-Interimschef Ross Levinsohn als die wahrscheinlichsten Bieter gehandelt.

Nun stellt sich die Frage, wie wahrscheinlich die anderen sicher geglaubten Bieter sind. Disney könnte ebenfalls raus sein, heißt es heute Mittag, und Microsofts Interesse galt von Anfang an als zweifelhaft.

Salesforce bleibt greifbare Übernahme-Chance: Investoren reagieren mit Verkäufen

Bleibt also nur noch Salesforce und der erweiterte B-Favoritenkreis mit Verizon und Finanz-Investoren:

Salesforce könnte Twitter wirklich am Ende übernehmen. Gestern Abend vermied der Salesforce-Chef Marc Benioff es, vor Analysten das Thema vom Tisch zu räumen.

Einen Deal wird aber auch er nur wollen, wenn der Preis stimmt – und mit hoher Wahrscheinlichkeit dann auch als Aktientausch. Salesforce-Investoren sind von der Idee nicht begeistert.

Die Gefahr, dass Salesforce bieten könnte, hat die Aktie 8% nach unten geschickt – denn Salesforce ist genau wie Twitter nicht profitabel. Analysten warnen vor einem Desaster mit 30 oder 40% Kursverlust.

Chance-Risiko-Profil trotz 11%-Rückgang weiterhin ungünstig

Wenn die heutigen Gerüchte stimmen, hat die Chance auf einen Übernahme-Gewinn mit Twitter abgenommen. Denn je weniger Interessenten, desto tiefer der Preis.

Wenn der dann wahrscheinlichste Bieter Aktien anbietet, die womöglich nach Deal-Bekanntgabe stark unter Druck geraten, besteht die Gefahr, dass die vorher gebotene Prämie wieder weg ist.

Hinzu kommt die Gefahr, dass es gar keinen Verkaufs-Prozess gibt und die Aktie die Übernahme-Spekulations-Gewinne wieder abgibt. Diese Risiken müssen bei einer Investitions-Beurteilung berücksichtigt werden.

Twitter ist zwar weiterhin Übernahme-Kandidat, doch auch nach dem vorbörslichen 11%-Minus drängt sich kein Kauf auf.

6. Oktober 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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