Twitter-Aktie: Übernahme-Gerüchte ade – Aktie im Sinkflug

Das war es dann wohl mit dem kurzfristigen Hype um den Kurznachrichtendienst Twitter:

Um immerhin knapp 80% hatten sich die Papiere von Juni bis Oktober verteuert.

Rapide schoss die Aktie bis auf fast 25 Dollar in die Höhe und erreichte damit einen Marktwert von über 17 Mrd. Dollar.

Aber damit nicht genug: Die Gerüchteküche warf zu Beginn diverse Bieter in den Ring.

Zugleich wurde gemunkelt, dass der Aufsichtsrat einen Kaufpreis von mindestens 30 Mrd. Dollar für den defizitären Kurznachrichtendienst sehen möchte.

Viel ist hiervon nicht mehr übriggeblieben. Der Kurs sackte um über 30% in den Keller. Immer mehr der interessierten Bieter treten den Rückzug an.

Der letzte Bieter springt ab

Langsam wird es dünn auf der Bieterseite. Angeschaut haben sich Twitter viele Firmen. Namhafte Großkonzerne wie Apple, Google und Disney erteilten Twitter allerdings frühzeitig eine Absage.

Hartnäckig war hingegen der Firmenchef von Salesforce, Marc Benioff, der in öffentlichen Interviews die Spekulationen mehrfach anheizte.

Doch damit ist jetzt Schluss. Denn am Freitag warf mit dem Cloud-Anbieter der letzte verbliebene Bieter das Handtuch:

Der US-Spezialist für Cloud-Software steckt mitten in einer Wachstums-Flaute und die Anleger zweifeln die Geschäfts-Perspektiven des Konzerns an.

Da sollte der Kauf das strukturelle Wachstum ankurbeln. Aber ob der Kauf des tief in den roten Zahlen steckenden Kurznachrichtendienstes sich wirklich gelohnt hätte, ist mehr als fraglich.

Horrende Verluste trotz Megawachstum

Das Kursplus von mehr als 5% der Salesforce-Aktie zeigt Ihnen deutlich, was die Anleger des Cloud-Dienstleisters von einem potenziellen Zusammenschluss gehalten haben.

Denn begeistert zeigte sich hier im Vorfeld der Spekulationen niemand. Warum auch?

Die Integration des Kurznachrichtendienstes wäre eine Mammut-Aufgabe und eine große Belastung für die ohnehin angespannte Bilanz geworden.

Bei einem kolportierten Übernahmepreis von mehr als 30 Mrd. Dollar hätte es Jahre gedauert, bis sich der Deal gerechnet hätte – wenn überhaupt.

Denn Sie müssen wissen: Zwar begeisterte Twitter mit einem kräftigen Umsatz-Wachstum in den vergangenen Jahren, aber der Sprung in die Gewinnzone ist bislang missglückt.

Während die Erlöse von 28 Mio. Dollar (2010) auf 2,21 Mrd. Dollar (2015) regelrecht explodierten, häuften sich die Verluste an. Alleine im letzten Jahr lag der Verlust bei 521 Mio. Dollar in 2015.

Damit hat Twitter in den zurückliegenden 3 Jahren mehr als 1,7 Mrd. Dollar verbrannt.

Twitter wieder auf sich alleine gestellt

Jetzt steht wohl fest, dass es Twitter ohne einen großen Partner schaffen muss. Unterdessen setzt Firmenchef Jack Dorsey auf die verstärkte Integration von Videoinhalten.

Damit will Dorsey Twitter stärker zu einem Ort entwickeln, an dem sich die Nutzer über aktuelle Ereignisse informieren.

So werden seit Kurzem einige Spiele der Football-Liga NFL auf Twitter übertragen. Zugleich wird die Livestreaming-Plattform Periscope für Übertragungen in professioneller Qualität geöffnet.

Eines ist aber klar: Der Konzern ist bei den Anlegern in der Bringschuld. Solange nicht der nachhaltige Sprung in die Gewinnzone klappt, wird die Aktie Spielball der Spekulanten bleiben.

17. Oktober 2016

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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