Twitter-Aktie: Vom Sorgenkind zum Anlegerliebling

Twitter: Kurznachrichtendienst mit schwarzen Zahlen. Anleger zeigen sich begeistert und treiben Aktie nach oben (Foto: Allmy / Shutterstock.com)

Starke Nerven brauchen Anleger, die bereits zum Börsengang im Herbst 2014 bei der Twitter-Aktie zugegriffen haben. Nach kräftigen Kursgewinnen von fast 200% in gerade einmal sechs Wochen setzte zunehmend Ernüchterung ein. Denn mit schwachen Ergebnissen und hohen Verlusten wurde die Twitter-Aktie regelrecht bis auf 14 Dollar durchgereicht. Das Kursminus zum Allzeithoch betrug knapp 80%. Nach einer eineinhalb jährigen Seitwärtsphase hat sich nicht nur die charttechnische Situation stabilisiert. Auch mit seinen Geschäftszahlen konnte der Kurznachrichtendienst erstmals punkten.

Das bleibt nicht ohne Auswirklungen auf den Aktienkurs, der sich in den letzten Monaten verdoppelt hat. Alleine bei Vorlage der Quartalszahlen am Donnerstag ging es trotz schwachem Marktumfeld um 12% nach oben.

Twitter im Porträt

Twitter Inc. ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das unter gleichem Namen im Internet ein soziales Netzwerk betreibt, auf dem man Kurznachrichten veröffentlichen kann. Die Länge der Kurznachrichten (Tweets), die man über Twitter veröffentlichen kann, ist auf maximal 280 Zeichen begrenzt. Das Internetunternehmen generiert einen Großteil seines Umsatzes über Online-Werbung.

Twitter-Aktie – berechtigterweise ein Kellerkind

Keine Frage, Twitter ist in der heutigen Zeit kaum mehr wegzudenken und die Entwicklung der Firma ist durchaus beeindruckend. Immerhin explodierten die Erlöse regelrecht von 28 Millionen Dollar in 2010 bis auf 2,44 Milliarden Dollar im vergangenen Geschäftsjahr. Doch unterdessen türmten sich riesige Verluste auf – alleine seit 2013 über 2,2 Milliarden Dollar. Lange Zeit war vollkommen unklar, ob das soziale Netzwerk es wirklich schafft, in die Gewinnzone zu kommen.

Soziales Netzwerk verdient zum ersten Mal Geld

Worauf die Investoren lange warten mussten, ist nun endlich passiert. Im abgelaufenen Quartal konnte der Kurznachrichtendienst einen ersten Achtungserfolg im Turnaround-Kampf erzielen. Nach drei Quartalen im Rückwärtsgang konnte Twitter wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren. Viele wichtiger aber: Erstmals in der kompletten Unternehmensgeschichte verdiente Twitter Geld.

Aber nun zu den Details: Der Umsatz kletterte im abgelaufenen vierten Quartal um 2% auf 732 Millionen Dollar. Eigentlich für ein Technologieunternehmen viel zu wenig, aber die Anleger hatten offenbar noch weniger erwartet. Dabei war die USA der mit Abstand wichtigste Markt. Auch wenn dort nur 68 Millionen der Nutzer leben (20%), erzielte Twitter dort mit 342 Millionen Dollar 46% seiner Gesamtumsätze.

Dabei konnte Twitter einen Meilenstein erreichen. Erstmals in seiner 12-jährigen Unternehmensgeschichte konnte ein Gewinn von 91 Millionen Dollar eingefahren werden.

Twitter spart sich in die schwarzen Zahlen

Ein Blick auf die Nutzerzahlen zeigt Ihnen schnell, das wirkliches Wachstum nicht in Sicht ist. So stagnierte die Nutzerzahl im vierten Quartal bei 330 Millionen. Vielleicht erahnen Sie es bereits, wie Twitter der Sprung in die Gewinnzone gelungen ist. Möglich war dies vor allem durch Kostensenkungen.

So wurden die Entwicklungskosten deutlich von 202 auf nur noch 134 Millionen Dollar runtergefahren. Ohne Aktienoptionen für Mitarbeiter aus diesem Bereich sanken die Forschungskosten um satte 35% auf nur noch 78,3 Millionen Dollar. Auch das Marketingbudget wurde um 30% auf nur noch 163,5 Millionen Dollar in 2017 zusammengestrichen.

Firmenchef setzt auf Künstliche Intelligenz

Unterdessen versucht Twitter-Mitgründer Jack Dorsey,  den Dienst einfacher nutzbar zu machen und so das Wachstum anzukurbeln. Eine seiner Maßnahmen war die Längen-Einschränkung für einen Tweet auf 280 Zeichen zu verdoppeln. Als nächsten Schritt will Dorsey mit Hilfe künstlicher Intelligenz und lernender Maschinen die Auswahl der Twitter-Beiträge an die Interessen jedes einzelnen Nutzers anpassen. Als Zugpferd dafür soll Twitter Sport-Events dienen, über die es online einen regen Austausch gibt.

Ob die Maßnahmen ausreichen, den Kurznachrichtendienst nachhaltig auf die Erfolgsspur zu bringen, werden die folgenden Quartale zeigen. Die Anleger zeigen sich schon mal begeistert und schütten reichlich Vorschusslorbeeren aus.

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

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