Twitter: Auch Salesforce ohne Übernahme-Interesse

Die Übernahme-Chance Twitter hat Ende vergangener Woche den nächsten Dämpfer erhalten: Mit Salesforce hat sich auch der letzte heiß gehandelte Interessent aus dem Rennen verabschiedet.

Der einzige jetzt noch kursierende Name ist Verizon. Andere Investoren die den Absprung nicht geschafft haben, hoffen noch auf die Private Equity-Branche.

Beides ist allerdings maximal lauwarm. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es auch diesmal nichts mit einer Twitter-Übernahme.

Übernahme-Gerüchte um Twitter nicht neu

Twitter ist Dauer-Übernahme-Kandidat.

Gerüchte werden schon seit mehreren Jahren herumgereicht – immer hieß es, dass diesmal die Situation anders sei und das diesmal wirklich ein Deal in der Pipeline ist.

Kurze Zeit später bröckelte dann die Chance – und damit auch der Aktienkurs. Wer als Trittbrettfahrer bei den letzten 3 „heißen“ Twitter-Gerüchten dabei war, hat 3 mal eine kalte Dusche erhalten.

Diesmal wurden Apple, Disney, Microsoft und Salesforce als wahrscheinliche Interessenten gehandelt, geblieben ist am Ende keiner.

Schlüssige Übernahme-Story nicht ausreichend für eine Investition

Das Problem bei Twitter ist, dass das Unternehmen Übernahme-Kandidat ist, weil die operative Entwicklung schwach ist. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen die Markterwartungen häufig verfehlt.

Gleichzeitig ist der Aktienkurs um über 50% zurückgefallen.

Wer lange Zeit keine eigene Lösung findet, der sucht häufig dann den Schulterschluss mit einem passenden größeren Konzern – oder sucht die Rettung abseits der Börse mit Hilfe der Profis aus der Private Equity-Branche.

Wenn dann die Gerüchte auftauchen, ergibt sich ein schlüssiges Bild. Das Risiko der schwachen Geschäfts-Entwicklung wird vergessen.

Nicht selten nimmt ein Investor an, dass die Aktie sogar günstig ist, weil der Kurs aufgrund der schwachen Geschäfts-Entwicklung bereits stark zurückkam.

Behalten Sie die Risiken im Blick

Dass es dann doch noch günstiger geht, zeigt sich, wenn die Übernahme-Chance bei angeschlagenen Kandidaten verfliegt. Bei Twitter ging es in wenigen Tagen in 3 Schritten über 30% nach unten.

Inzwischen notiert das Papier noch tiefer als bei Aufkommen der Übernahme-Gerüchte. Und in der kommenden Woche wird Twitter die Geschäftszahlen für das 3. Quartal vorlegen.

Sollte sich da zeigen, dass die Geschäfte abermals schlechter laufen als erwartet, dann kann es auch schnell noch viel tiefer gehen.

Gute Übernahme-Kandidaten brauchen keinen Deal

Bei angeschlagenen Übernahme-Kandidaten ist also Vorsicht geboten. Sicher gibt es auch bei solchen „gestressten“ Übernahmen attraktive Investitionsziele.

Doch dann sollte die Übernahme-Wahrscheinlichkeit auch hoch sein und – besonders wichtig – die Chance noch nicht voll im Aktienkurs eingepreist sein.

Die besten Übernahme-Kandidaten sind natürlich die, bei denen Sie nicht auf einen Deal zu hoffen brauchen;

Kandidaten, die mit funktionierendem Geschäftsmodell erfolgreich sind und deswegen das Interesse der Großen auf sich ziehen.

Dann bestehen gute Chancen auf hohe Übernahme-Prämie – und Kurssteigerungen, falls es vorerst nicht zu einem Deal kommt.

17. Oktober 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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