Twitter schluckt Newsletter-Plattform Revue

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Der Kurznachrichtendienst Twitter setzt seine Shoppingtour fort: Die Revue-Übernahme soll weitere Einnahmequellen erschließen. (Foto: Allmy / Shutterstock.com)

Die Social Media – Plattform Twitter ist weiter auf Einkaufstour und hat gerade den dritten Zukauf in diesem Jahr bekanntgegeben. Die Microblogging-Plattform will die Newsletter-Plattform Revue schlucken und damit Kreativschaffende fördern. Tatsächlich könnten sich durch die Übernahme neue Einnahmequellen für Twitter selbst, aber eben auch für sogenannte Content Creator ergeben. Diese können auf der Plattform kostenlos und einfach redaktionelle Newsletter starten und veröffentlichen.

Twitter im Portrait

Bevor ich auf den jüngsten Deal eingehe, noch ein paar Worte zum Geschäftsmodell des US-Konzerns Twitter: Das Unternehmen bietet eine Kommunikationsplattform, die auf digitalen Kurznachrichten basiert. Ursprünglich war jede Mitteilung (Tweet), die über den Dienst veröffentlicht wird, maximal 140 Zeichen lang und sofort für jedermann sichtbar. In die Texte können zudem Bilder und Videos eingebettet werden. Für die Nutzung des Services stehen mittlerweile zahlreiche Apps und Add-ons beispielsweise für Web-Browser zur Verfügung, die die abonnierten Tweets übersichtlich darstellen. Inzwischen wurde die Zeichen-Grenze gelockert und es sind Nachrichten mit bis zu 280 Zeichen möglich.

Besonders während Fernsehausstrahlungen oder anderen Großereignissen werden Tweets als Diskussionsmedium über das aktuelle Geschehen genutzt. Umsatz generiert das Unternehmen durch das Hinzufügen von Anzeigen in Form von Tweets, das Hinweisen auf bestimmte Nutzer (zahlende Kunden) oder das Einblenden von gesponserten Schlagworten in die Top-10 Themenliste.

Übernahme der Newsletter-Plattform Revue

Jetzt hat die Social Media – Plattform Twitter den Newsletter-Dienst Revue übernommen und will sich damit neue Einnahmequellen erschließen. Das Startup Revue wurde im Jahr 2015 in den Niederlanden gegründet. Das Unternehmen ist eine Plattform, die sich auf Newsletter spezialisiert hat. Genau genommen können Creator hier Newsletter erstellen und Nutzer diese wiederum auch gegen Gebühr abonnieren. Mit dem Kauf soll der Newsletter-Service auf Twitter sichtbarer werden und die Einnahmequellen erweitern.

Einfache Bedienbarkeit und hohe Reichweite

Laut Insidern ist vor allem das Handling auf der Plattform ausgesprochen einfach: Dateien lassen sich einfach in den Newsletter hineinkopieren und Videos einfach per Link einbetten. Ein Embed-Code ist nicht erforderlich.

Im Dezember 2020 führte Revue die Monetarisierungsoption ein. Newsletter-Verfasser können also von ihren Abonnenten Geld für die Newsletter verlangen. Dabei partizipiert Revue an den Umsätzen und erhält eine Provision in Höhe von 5%. Der Rest bleibt bei den Newsletter-Autoren.

Daran möchte Twitter erstmal nichts ändern. Die Newsletter-Plattform soll auch weiterhin als selbstständiger Service erhalten bleiben. Doch Twitter möchte es für Nutzer einfacher machen, diese Newsletter auf der eigenen Plattform prominent teilen zu können. Damit soll die Reichweite massiv erhöht werden. Zudem ist es durchaus denkbar, dass die Artikel mit Hilfe der Twitter-Algorithmen hervorgehoben werden.

Nutzerwachstum verliert an Dynamik

Für die Social-Media-Plattform Twitter kommt jede zusätzliche Einnahme gerade recht. Zwar legten die Erlöse im letzten Quartal um 14% auf 936,2 Millionen Dollar zu, aber im Vergleich zum Vorquartal sank die Wachstumsrate um 5 Prozentpunkte. Unterdessen erhöhte sich die Zahl der Average Monetizable Daily Active Users (mDAUs) bei Twitter um 29% zum Vorjahr auf 187 Millionen, im Vorquartal waren es 186 Millionen User. Am Ende blieb ein Gewinn von 28,66 Millionen Dollar übrig, was einem Rückgang um 21% entspricht.

Für das Schlussquartal gab Twitter keinen Ausblick, was bei den Aktionären für Verstimmung sorgte und bei Vorlage der Zahlen im Oktober einen drastischen Ausverkauf der Aktie einleitete. Seither erholten sich die Papiere wieder um gut 20%. Für den weiteren Kursverlauf dürften die Quartalszahlen entscheidend sein, die der Konzern seinen Anlegern am 9. Februar präsentieren wird.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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