Twitter-Zwist: Macht Trump die Plattform dicht?

Twitter Logo RED_shutterstock_659066794_Tero Vesalainen

Trump droht mit der Schließung von Twitter – und würde sich damit kurz vor der Wahl seines wichtigsten Kommunikationskanals berauben. (Foto: Tero Vesalainen / shutterstock.com)

Dass der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika dünnhäutig ist und Kritiker – egal, aus welcher Richtung sie kommen – am liebsten mundtot macht oder drakonischen Strafen unterzieht, ist bekannt.

Nun aber scheint eine neue Dimension erreicht. Ausgerechnet mit Twitter, seinem bevorzugten Kommunikationskanal, liegt Donald Trump überkreuz. Er droht gar damit, die Plattform zu schließen. Was war passiert?

Trump-Tweets als Fake gebrandmarkt

Für die Präsidentschaftswahl im November soll, nicht zuletzt aufgrund der Corona-Pandemie, die Möglichkeit der Briefwahl verstärkt werden, sehr zum Missfallen des Präsidenten, der dadurch Nachteile beim Wahlausgang befürchtet. Also tobte er drauflos, in gewohnter Manier twitterte er gegen die Briefwahl, erklärte sie – freilich ohne Belege, abgesehen von seinem Bauchgefühl – für unzuverlässig und manipulationsanfällig.

Twitter reagierte – und versah zwei entsprechende Tweets mit einem Warnhinweis sowie einem Link zu einem Faktencheck, der die Behauptungen des Präsidenten widerlegt und über die Briefwahloption aufklärt.

Ein Faktencheck gegen seine Meinung? Das ist dem Präsidenten zu viel. Unmittelbar drohte er damit, Twitter dichtzumachen oder strengen Auflagen zu unterwerfen. Das soziale Medium verfolge eine politische Agenda und unterdrücke konservative Stimmen, so der Tenor.

Dilemma für beide Seiten

Der Zwist bringt beide Seiten in ein pikantes Dilemma: Auf der einen Seite steht Trump, dessen Präsidentschaft nicht zuletzt darauf beruht, dass er sich in unkonventioneller Weise via Twitter regelmäßig direkt zu aktuellem Tagesgeschehen wie auch politischen Vorhaben äußert. Er erreicht damit eine Basis von 80 Millionen Followern. Darunter finden sich freilich auch Berichterstatter oder beobachtende Kritiker des Präsidenten, allerdings auch ein hoher Anteil glühender Verehrer.

Kann Trump es sich so kurz vor dem Wahltermin tatsächlich leisten, auf seinen Twitterkanal zu verzichten? So sehr er anfangs mit seinem Einzug ins Weiße Haus haderte, so sehr ist er nun auf eine Wiederwahl aus. Die aber wird er ohne Twitter wohl kaum gewinnen können, ein alternatives direktes Sprachrohr lässt sich so schnell kaum aus dem Boden stampfen.

Zumindest existenziell scheint Twitter also (noch) nicht gefährdet, die Schonfrist könnte allerdings im November ablaufen, sollte Trump wiedergewählt werden. Die Drohung strikter Auflagen oder Vorgaben könnte der Präsident freilich dennoch zeitnah in die Tat umsetzen.

Twitter in der Glaubwürdigkeitsfalle

Doch auch Twitter selbst ist in der Bredouille. Die Warnhinweise erfolgten im Zuge einer schärferen Kontrolle auf „Fake News“ im Kontext der Corona-Pandemie, die auch auf andere Bereiche ausgedehnt wurde. Diese Qualitätsoffensive in Sachen verantwortungsvoller Moderation der verbreiteten Inhalte könnte nun nach hinten losgehen.

Denn im Prinzip ist Twitter nun gezwungen, auch weitere Tweets des Präsidenten entsprechend zu markieren. Beschränkt man sich auf die beiden genannten Beiträge zur Briefwahl, lässt andere offensichtliche Fehlinformationen aber unkommentiert stehen, tappt die Plattform in die Glaubwürdigkeitsfalle. Andererseits wird sich das US-Unternehmen wohl gut überlegen, ob es sich mit diesem Präsidenten tatsächlich anlegen und es auf eine Eskalation ankommen lassen will.

Twitter Logo RED_shutterstock_659066794_Tero Vesalainen

Insidertrades der Woche: Was Vorstände und Firmeninsider jetzt kaufenInsidertransaktionen der Woche: Hedgefondslegende Paul Singer macht Twitter-Boss Beine. Erste Erfolge sind bereits sichtbar  › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von David Gerginov. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz