Uber ist nicht Amazon

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Warum die Milliardenverluste von Uber ein Problem sind und ein Vergleich mit Amazon hinkt. (Foto: MikeDotta / shutterstock.com)

In der Regel dauert es Jahre, den Wert eines disruptiven, also die Welt verändernden Unternehmens zu steigern. Manchmal geht es schnell, bis sich große Teile dieser Bewertung in Luft auflösen. Dabei will ich mich heute nicht erneut über The We Company auslassen, deren Börsengang im vergangenen Monat spektakulär gescheitert war. Wer schon am Boden liegt, muss nicht noch getreten werden. Heute spreche ich von einem anderen, ebenfalls von der japanischen SoftBank finanzierten Unternehmen: Uber Technologies.

WeWork und Uber

Die Stimmung gegenüber Uber hat sich inzwischen derart verschlechtert, dass der CEO des Fahrdienstleisters, Dara Khosrowshahi, seine Investoren geradezu anfleht, Uber nicht mit dem angeschlagenen Immobilienunternehmen WeWork zu verwechseln: “Wir unterscheiden uns sehr, sehr, sehr, sehr, sehr von WeWork”, erklärte Khosrowshahi in der vergangenen Woche auf einer von der New York Times veranstalteten Konferenz.

Und doch scheinen Investoren derzeit defizitäre Großkonzerne über einen Kamm zu scheren. Obwohl Uber in der vergangenen Woche einen über den Erwartungen liegenden Quartalsumsatz von 3,8 Milliarden US-Dollar vermelden konnte, brach die Aktie im weiteren Handelsverlauf geradezu ein. Daran konnte auch ein um Sondereffekte bereinigter Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von „nur“ 585 Millionen US-Dollar nichts ändern, mit dem Uber ebenfalls die durchschnittlichen Konsenserwartungen von -811 Millionen US-Dollar schlagen konnte.

Massive Kursverluste

Inzwischen haben die Aktien von Uber seit dem Börsengang im Mai dieses Jahres mehr als 40% eingebüßt – während der S&P 500 im gleichen Zeitraum 8% zulegen konnte. Ganz offensichtlich sind Investoren nicht länger dazu bereit, defizitäre Unternehmen so lange zu finanzieren, bis ein Break-Even-Punkt erreicht ist. Zumindest nicht, solange die betroffenen Unternehmen keine drastische Maßnahmen zur Verbesserung der Ertragslage ergreifen.

Probleme bekommen damit die Private Equity-Häuser, die in der aktuellen Niedrigzinsphase verzweifelt nach Anlagealternativen suchen und dabei grundlegende ökonomische Gesetzmäßigkeiten außer Kraft setzen wollen. Und dies mit einer „Story“ rechtfertigen, dass Verluste eben hingenommen werden müssten, um einen Wachstumsmarkt zu konsolidieren, in dem man später als Quasi-Monopolist hohe Gewinne erzielen will. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang das Beispiel von Amazon herangezogen.

Amazon eignet sich nicht zum Vergleich

Dabei hinkt der Vergleich. Zugegeben, Amazon war lange Zeit defizitär. Allerdings hat Amazon selbst im Jahr 2000, dem verlustreichsten der Unternehmensgeschichte, nur ein Defizit von 1 Milliarde US-Dollar vermelden müssen. In den Jahren davor und danach schrammte Amazon mehr oder weniger knapp an der Gewinnlinie vorbei. Vergleichen Sie diese Beträge mit dem Nettoverlust von 7,4 Milliarden US-Dollar, den Uber nach neun Monaten dieses Jahres in einem konjunkturell ansprechenden Marktumfeld hinnehmen musste.

Ist ein Unternehmen erst an die Börse gegangen, an der die Story einer täglichen Überprüfung unterworfen wird, scheint sich die Anlegerpsychologie zu ändern: Dann steht allein die Wirtschaftlichkeit des Geschäftsmodells im Mittelpunkt. Das scheint beim Uber-Management noch nicht angekommen zu sein.

Wie anders lässt es sich erklären, dass Uber eben bekannt gegeben hat, in den nächsten 18 Monaten aggressiv in Uber Eats zu investieren, eine verlustreiche Online-Plattform zur Essensauslieferung. Oder in die ebenso defizitären E-Bike- und E-Scooter-Aktivitäten. Von einer Konzentration auf das Kerngeschäft kann also keine Rede sein. Solange dies die Uber-Vorstände um Dara Khosrowshahi nicht einsehen, wird eine nachhaltige Trendumkehr an der Börse unwahrscheinlich sein.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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